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10.09.2019

Bienen-Mikrobiom spiegelt Lebensweise wider

Würzburger Bienenforscher zeigen große Unterschiede in den Mikroben-Gemeinschaften bei sozialen Bienenvölkern und den artenreicheren Solitärbienen auf.

Eine Solitärbiene verlässt ein künstliches Nest.
Eine Solitärbiene verlässt ein künstliches Nest.
Quelle: 
Alexander Keller / Universität Würzburg

An und im Menschen leben etwa so viele Bakterien, wie er eigene Körperzellen hat. Das ist für die meisten höheren Organismen nicht anders. Auch Bienen besitzen beispielsweise eine mikrobielle Darmflora, die wie beim Menschen die Verdauung unterstützen und das Immunsystem stimulieren. In Bienenstöcken leben Mikroorganismen, die Antibiotika absondern und so verhindern, dass sich dort schädliche Pilze ausbreiten können. Doch bei allem, was Wissenschaftler bislang über die Bakterien der Bienen herausgefunden haben, gibt es ein großes Defizit: „Die meisten Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet widmen sich sozialen Bienen, vor allem der westlichen Honigbiene Apis mellifera“, berichtet Alexander Keller vom Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Sind Bakterien ein Faktor des Bienensterbens?

Die Biologen der JMU vermuten, dass die Bakterien der Biene neben Pestiziden, Krankheitserregern und dem Verlust von Lebensräumen eine Teilursache des weltweiten Bienensterbens sein könnten. Da jedoch rund 90% der 17.500 bekannten Bienenarten solitär leben und die Forschung sich bislang vor allem auf soziale Bienen konzentrierte, ist darüber wenig bekannt. Denn wie Keller und sein Team in einer Literaturstudie im Fachjournal „Trends in Microbiology“ berichten, ist eine weit verbreitete Annahme falsch: Die Erkenntnisse, die an sozialen Bienen gewonnen wurden, sind trotz grundlegender Gemeinsamkeiten nur begrenzt auf Solitärbienen übertragbar.

Solitärbienen stärker vom Menschen beeinflusst

So habe die Studie gezeigt, dass die Interaktion von Solitärbienen und Mikroorganismen wesentlich stärker durch Umweltfaktoren geprägt sei als bei sozialen Bienen. Dazu zählen insbesondere menschliche Einflüsse wie landwirtschaftliche Aktivitäten, die Zerstörung von Lebensräumen und der Klimawandel. In einem internationalen Projekt wollen die Biologen daher nun unter anderem die landschaftsökologischen Faktoren besser untersuchen, die beeinflussen, welche Mikroben mit Solitärbienen interagieren – und in welcher Weise. Denn ein großer Teil der bekannten solitär lebenden Bienenarten ist bedroht oder schon ausgestorben. In Teilen Asiens muss die Bestäubung von Obstbäumen daher bereits unter großem Arbeitseinsatz von Hand erfolgen.

bl

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