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04.06.2019

Korallen als Gradmesser für saure Ozeane

Der CO2-Anstieg in den Weltmeeren hat bereits deutlich Spuren in den Kalkskeletten tropischer Korallen hinterlassen, wie ein internationales Forscherteam feststellt.

Forscher entnehmen einer Steinkoralle der Gattung Porites im Riff vor Amerikanisch-Samoa einen Bohrkern. Zum Schutz der Koralle wird das Bohrloch anschließend mit Zement aufgefüllt.
Forscher entnehmen einer Steinkoralle der Gattung Porites im Riff vor Amerikanisch-Samoa einen Bohrkern. Zum Schutz der Koralle wird das Bohrloch anschließend mit Zement aufgefüllt.
Quelle: 
Braddock K. Linsley

Ozeane sind ein wichtiger CO2-Speicher. Doch in den vergangenen Jahren hat der Anstieg der Treibhausgase den pH-Wert des Meerwassers sinken und die Ozeane versauern lassen. Vor allem kalkbildende Meeresorganismen wie Muscheln bekommen das zu spüren. Kieler Forscher fanden erst kürzlich heraus, dass vor allem junge Miesmuscheln, bei denen sich die Kalkschale noch in der Entwicklung befindet, sehr empfindlich darauf reagieren.

Doch nicht nur in den kühlen Gewässern wie der Ostsee, sondern auch im Südpazifik sind die Folgen des CO2-Anstiegs mittlerweile sichtbar, wie die Studie eines internationalen Forscherteams im Fachjournal „Nature Communications“ verdeutlicht. Daran beteiligt waren auch Wissenschaftler vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT).

Veränderte Wasserchemie auch in den Tropen messbar

Die Folgen der Ozeanversauerung sind im kühlen Wasser deutlich stärker zu spüren, denn sie nehmen mehr CO2 auf als tropische Gewässer. Die aktuelle Studie belegt erstmals, dass auch diese wärmeren Meere mittlerweile die veränderte Wasserchemie widerspiegeln. Das konnten die Forscher an Korallen der Gattung Porites, die in den Riffen des Südpazifiks zu finden sind, nachweisen. Dabei handelt es sich um massive und sehr resistente Steinkorallen, die teilweise bis zu 1.500 Jahre alt sind. Sie bilden riesige Halbkugeln und können mehrere Meter groß werden. „Wir sehen eigentlich in ihnen die zukünftigen ‚Gewinner ‘ im Überlebenskampf, den die Veränderung der Umwelt den Korallen aufzwingt“, erklärt Henry Wu, Geologe am ZMT in Bremen und einer der Autoren der aktuellen Studie.


Isotope der Steinkoralle belegen CO2-Anstieg 

Vor Papua-Neuguinea entnahmen die Forscher Bohrproben dieser Korallen und untersuchten deren Kohlenstoffisotope. An dieser Stelle strömt besonders viel vulkanisches CO2 ins Meer und säuert das Meer an. Ähnlich wie bei Bäumen ist das Wachstum dieser Steinkoralle an entsprechenden Ringen ablesbar. In ihrem Kalkskelett sind die Kohlenstoffisotope C12 und C13 eingebettet. Die Forscher fanden heraus, dass der Anteil der beiden Isotope über viele Jahrhunderte weitgehend konstant war und nur geringe natürliche Schwankungen aufwies. Das änderte sich jedoch Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Industrialisierung. „Wir fanden ab 1950 einen deutlich ansteigenden Anteil an C12“, berichtet Henry Wu. „Das nennen wir ‚alten‘ Kohlenstoff, denn es ist der, der über Millionen von Jahren im Erdboden lagert und erst durch die Nutzung fossiler Brennstoffe wieder in die Atmosphäre gelangt.“

Neue Hinweise zur Entwicklung des Meeresspiegels 

Die Studie zeigt deutlich, dass die Folgen des CO2-Anstiegs selbst vor robusten Steinkorallen in tropischen Gewässern nicht Halt machen. Darüber hinaus liefern die beiden Kohlenstoffisotope den Forscher ungeahnte Hinweise: „Wir haben herausgefunden, dass die Kohlenstoffisotope uns viel genauere Aussagen bezüglich der Änderungen des Meeresspiegels in der Vergangenheit erlauben, als bisher möglich war“, so Henry Wu. „Die Vergangenheit zu verstehen wiederum hilft, Prognosen für die Zukunft zu machen.“

bb

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