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19.04.2017

Forschungsumfrage zur Bioökonomie

Rund 750 natur- und geisteswissenschaftliche Einrichtungen beschäftigen sich derzeit in ihrer Forschungsarbeit mit der Bioökonomie. Diese wurden in einer Forschungsumfrage von bioökonomie.de im Auftrag des BMBF nach ihren F&E-Schwerpunkten, den genutzten Rohstoffen und industriellen Anwendungsbereichen befragt.
Übersicht Forschungseinrichtungen zur Bioökonomie in Deutschland
Die Vielfalt der Forschungseinrichtungen zur Bioökonomie ist groß. In einer Umfrage wurde nun erstmals die Schwerpunkte erfasst.
Quelle: 
Wavebreak/istockphoto.com

Die deutsche Forschungslandschaft in der Bioökonomie ist sehr breit aufgestellt. Innerhalb der naturwissenschaftlichen Disziplinen erstreckt sie sich von den Agrarwissenschaften bis zur Chemie, von der Biodiversität bis zu den Ernährungswissenschaften, von der Umwelttechnologie bis zur Materialwissenschaft, von den Energietechnologien bis zur Prozess- und Verfahrenstechnik. Hinzukommen Querschnittsfelder wie die Biotechnologie oder die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie geisteswissenschaftliche Disziplinen wie die Sozial-, Wirtschafts-, Politik- und Rechtswissenschaften.

    

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Erhebung zur Bioökonomie-Forschung in Deutschland durch das Informationsportal bioökonomie.de, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2016 in Auftrag gegeben hat. Hierfür wurden insgesamt 745 Institute an Universitäten, Fachhochschulen sowie außeruniversitären Einrichtungen identifiziert und zu ihren Bioökonomie-Aktivitäten befragt.

Alle Forschungseinrichtungen auf einen Blick

Im Forschungsatlas kann geografisch, aber auch nach F&E-Bereichen, Rohstoffen und Anwenderbranchen recherchiert werden.  

Große Forschungsvielfalt von der Uni bis zur Fachhochschule

Die überwiegende Mehrheit der Forschungsarbeiten findet dabei an den 446 universitären Instituten statt. Von besonderer Relevanz sind hier zum Beispiel das „Bioeconomy Science Center“ (BioSC) in Nordrhein-Westfalen, der „Wissenschaftscampus Pflanzenbasierte Bioökonomie“ in Halle, die Universität Hohenheim, die TU München, das Zentrum für synthetische Mikrobiologie an der Philipps-Universität in Marburg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) oder die Universitäten in Stuttgart, Bielefeld und Darmstadt sowie das Center of Applied Bioeconomy (CAB) in Osnabrück – um nur einige zu nennen.

Eine vielfältige Forschungsaktivität in der Bioökonomie gibt es zudem an 90 Instituten in Fachhochschulen. Dazu zählen unter anderem die FH Weihenstephan, die Beuth Hochschule für Technik in Berlin, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde sowie die Hochschulen in Osnabrück, Trier, Mannheim und Aachen.

            

Hinzukommen 68 Institute an Ressortforschungseinrichtungen, die vor allem im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angesiedelt sind, wie das Julius-Kühn-Institut oder das Friedrich-Löffler-Institut. Ein weiterer Schwerpunkt der öffentlichen Bioökonomie-Forschung liegt bei den vier großen Forschungsgemeinschaften Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft und Max-Planck-Gesellschaft: Hier können 141 Einrichtungen Aktivitäten in der Bioökonomie vorweisen.

Übersicht zu den Forschungsschwerpunkten

An der Umfrage, die bis Ende des Jahres 2016 durchgeführt wurde, haben Insgesamt 305 Institute teilgenommen. Demnach liegt ein Schwerpunkt der naturwissenschaftlichen Bioökonomie-Forschung in den Agrarwissenschaften (48%), der Biotechnologie/Systembiologie (47%), der Prozess- und Verfahrenstechnik (33%) und der Biodiversität (31%). Zwei Drittel der befragten Institute arbeiten mit Pflanzen als Rohstoffen, ein Drittel mit Mikroorganismen.

Anzahl der Institute nach Rohstoffnutzung (Gesamt und nach Kategorie)

Viele Forschungsaktivitäten an den Instituten gibt es aber auch in der Chemie (25%), den Energietechnologien (22%), den Materialwissenschaften (20%) und den Umwelttechnologien (22%). Daher kommen neben Pflanzen und Mikroben auch weitere biologische Ausgangsmaterialien wie Reststoffe (25%) oder Pilze (15%) in der Bioökonomie-Forschung zum Einsatz. 22% der befragten Einrichtungen forschen zudem mit Tieren.

Forschungsschwerpunkte der Institute

Innerhalb der Geisteswissenschaften steht das Thema Bioökonomie vor allem in den Wirtschaftswissenschaften ganz oben auf der Agenda. 12% aller befragten Institute waren in diesem Bereich tätig. 9% entfielen auf die Sozialwissenschaften. Hingegen wird die Bioökonomie offenbar in den Politik- und Rechtswissenschaften bislang nur am Rande diskutiert.

Finanzielle Ausstattung, Mitarbeiter und Drittmittel

220 Einrichtungen haben im Rahmen der Umfrage Auskunft über ihre finanzielle Ausstattung und ihre Mitarbeiter gegeben: Demnach sind in diesen Instituten 34.330 Mitarbeiter beschäftigt, ihnen stand im Jahr 2016 ein Budget von 2,13 Milliarden Euro zur Verfügung. Fast zwei Drittel (58%) der Gelder entfallen auf Drittmittel. Diese kommen zu einem großen Teilen aus der öffentlichen Hand: Die Mehrheit der Institute erhält Fördermittel von der Bundesregierung, den Bundesländern, der Europäischen Kommission und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 145 Institute gaben an, Drittmittel aus der Wirtschaft zu erhalten. 

Bedeutung für die Wirtschaft

Dass die Bioökonomie-Forscher in Deutschland sehr anwendungsorientiert ist, zeigen auch die Antworten auf die Frage, für welche Industriebranchen ihre Ergebnisse die größte Relevanz haben. 60 Einrichtungen (20%) haben sich keiner konkreten Branche zuordnen können, die überwiegende Mehrheit jedoch sieht bereits einen konkreten industriellen Nutzen in ihren Arbeiten – an oberster Stelle werden dabei die Land- und Forstwirtschaft (45%), aber auch die Ernährungswirtschaft (34%) genannt. Jeweils ein knappes Viertel der befragten Institute forscht wiederum an Themen, die für die Chemie-, die Energie- und die Pharmaindustrie von Bedeutung sind. Mit weiterem Abstand folgen dann der Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilindustrie, die Bauwirtschaft, die Konsumgüterindustrie und die Textilwirtschaft.

Inhaltliche Zuordnung der Forschungsschwerpunkte der Institute zu den Anwenderbranchen

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