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Unsere Ernährung steht vor großen Herausforderungen: Klimawandel, Ressourcenknappheit, Verlust von Biodiversität, wachsende Bevölkerung und soziale Ungleichheit machen die Transformation unserer Lebensmittelversorgung dringlicher denn je. Genau hier setzt die FutureFoodS-Initiative an, eine europaweite Partnerschaft von Entscheidungsträgern, Fördergebern und Forschungseinrichtungen aus 29 Ländern. Ziel ist es, bis 2050 gesunde, sichere, faire und wirtschaftlich tragfähige Ernährungssysteme zu etablieren.

Das BMFTR fördert im Rahmen des FutureFoodS Call 2025 transnationale Forschungsprojekte, die sich mit der nachhaltigen Lebensmittelverarbeitung beschäftigen, insbesondere mit Ansätzen nach der Ernte („post-harvest“). Gefragt sind Innovationen, die Lebensmittel umweltfreundlich, nahrhaft und nahezu abfallfrei machen. Dabei geht es um spannende Themen: Schonende Verarbeitung von Obst und Gemüse, Upcycling bisher ungenutzter Nebenströme, neue Konservierungstechniken, biotechnologische Verfahren und Strategien zur Widerstandsfähigkeit der Lieferketten. Auch Aspekte wie soziale Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit spielen eine Rolle.

Gefördert werden Verbundprojekte mit mindestens drei Partnern aus drei beteiligten Ländern, Laufzeit 24 bis 36 Monate. Die maximale deutsche Förderung beträgt 350.000 Euro pro Verbund. Antragsteller sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Wichtig sind inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit, Multi-Stakeholder-Engagement und ein klarer Bezug zu europäischen Herausforderungen.

Die Antragstellung erfolgt in drei Schritten: Zunächst eine Ideenskizze (Pre-Proposal, Frist 11. Februar 2026), dann die Einladung zur Projektskizze (Full Proposal, Frist 27. Juli 2026) und schließlich der formelle Förderantrag über das Portal easy-Online. Alle relevanten Unterlagen und Informationen gibt es beim Projektträger Jülich (PtJ) unter https://futurefoods.ptj.de.

hb

Aus Sicht des Ministeriums ist die Einigung ein wichtiger Schritt, um eine nachhaltige Landwirtschaft und die Biotechnologie als Schlüsseltechnologie zu stärken. Hintergrund der Reform ist das bislang geltende EU-Gentechnikrecht, das moderne Genome-Editing-Verfahren kaum berücksichtigt. Der nun erzielte Kompromiss entstammt dem Trilog-Prozess von Rat, EU-Parlament und EU-Kommission und sieht vor, künftig zwischen zwei Arten von NGT-Pflanzen zu unterscheiden. Einfach genom-editierte Pflanzen, deren genetische Veränderungen auch auf natürlichem Weg oder durch konventionelle Züchtung entstehen könnten, sollen weitgehend herkömmlich gezüchteten Pflanzen gleichgestellt werden. Für sie entfallen spezielle Kennzeichnungs- und Anbauregeln. Lediglich das Saatgut muss gekennzeichnet sein, um Transparenz für Landwirte zu gewährleisten. Pflanzen mit komplexeren genetischen Veränderungen bleiben dagegen weiterhin den strengen Regularien laut Gentechnikrecht unterworfen.

Für Forschung und Praxis eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten. Denn die neuen Technologien erlauben gezielte Veränderungen einzelner Gene, ohne fremdes Erbgut einzubauen. So können Pflanzen gezüchtet werden, die widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Schädlinge oder klimatische Extrembedingungen sind. Das gilt als wichtiger Hebel, um Erträge zu sichern, Ressourcen zu sparen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.

In Deutschland stößt der neue EU-Kurs auf Zustimmung. Das BMFTR sowie das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) begrüßen die Einigung als wichtigen Meilenstein. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär betont die Bedeutung für den Technologie-Standort Deutschland: „Es ist unser erklärtes Ziel, Biotechnologie als Schlüsseltechnologie der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) zu fördern und Rahmenbedingungen zu erleichtern. Für das BMFTR sind Erforschung und Entwicklung von neuen molekularbiologischen Verfahren einschließlich der neuen genomischen Techniken von großer Bedeutung. Daher begrüße ich die Einigung.“

Noch steht die formale Bestätigung der erzielten Einigung durch das Europäische Parlament aus. Gelingt sie, könnte Europa einen innovationsfreundlicheren Kurs in der Pflanzenbiotechnologie einschlagen, mit positiven Effekten für Landwirtschaft, Umwelt und Ernährungssicherheit.

hb

 

Geotextilien sind flächige, meist wasserdurchlässige Materialien, die im Bauwesen eingesetzt werden, etwa zur Stabilisierung von Hängen, Böschungen oder temporären Baustraßen. Bisher hatten Biopolymere wie Polylactid (PLA) oder Polybutylensuccinat (PBS) oft den Nachteil, dass sie für solche technisch anspruchsvolle Anwendungen nicht stabil genug waren. Im Rahmen des Projekts Zirk-Tex, an dem sechs Fraunhofer-Institute des Clusters of Excellence Circular Plastics Economy (CCPE) beteiligt sind, soll sich das ändern. 

Dem Team ist es nun gelungen, Fasern aus PLA und PBS zu erzeugen, die während der Nutzung stabil bleiben und sich anschließend schnell und vollständig abbauen. Die Materialien sind dabei für kurzfristige Anwendung von weniger als zehn Jahre konzipiert und müssen sich daher schnell abbauen. Dies wird durch maßgeschneiderte Additive ermöglicht, die den Zeitpunkt und Verlauf des Abbaus gezielt steuern, ohne die Materialeigenschaften vor dem Abbau zu beeinträchtigen.

Die Forschenden überprüften die Praxistauglichkeit, indem sie Fasern verschiedener PLA- und PBS-Typen 25 Wochen in feuchter Erde bei 40 °C und hoher Luftfeuchtigkeit lagerten. Dabei zeigte sich, dass beide Fasern zuverlässig mit kontrolliertem Abbauverhalten hergestellt werden können. Zusätzlich bestätigten Ökotoxizitätstests, dass von den Materialien keine schädlichen Umweltwirkungen ausgehen.

Diese Entwicklung eröffnet neue Möglichkeiten für den Landschaftsbau und temporäre Baumaßnahmen. Biobasierte, bioabbaubare Geotextilien könnten künftig helfen, Kunststoffabfälle zu reduzieren und die Nutzung von fossilen Rohstoffen zu verringern. Das CCPE plant nun, gemeinsam mit Industriepartnern, diesen Ansatz weiterzuverfolgen und praxisnah umzusetzen – ein konkreter Schritt hin zu einer biobasierten und nachhaltigeren Kunststoffwirtschaft.

hb

Ob Spülmittel, Haushaltsreiniger oder Duschgel: Tenside sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Sie lösen Fett, lassen Shampoos schäumen und sorgen dafür, dass Cremes stabil bleiben. Weltweit werden jedes Jahr Millionen Tonnen dieser Stoffe produziert, meist auf Basis fossiler Rohstoffe. Auch nachwachsende Rohstoffe wie tropischer Pflanzenöle werden vermehrt eingesetzt. Wurde für den Anbau Regenwald abgeholzt, belastet auch dies Klima und Biodiversität. Am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB arbeiten Forschende deshalb an einer nachhaltigen Alternative: mikrobiellen Biotensiden.

Nachhaltige Tenside aus dem Bioreaktor

Bestimmte Mikroorganismen stellen von Natur aus oberflächenaktive Substanzen her, sogenannte Biotenside. Besonders vielversprechend sind Glykolipid-Biotenside, die aus einer Zuckerkomponente und Fettsäuren bestehen. Sie sind biologisch abbaubar, vielseitig einsetzbar und können sogar antibakterielle oder antivirale Eigenschaften besitzen. Am Fraunhofer IGB werden unter anderem Cellobioselipide und Mannosylerythritollipide untersucht, die von speziellen Pilzen in großen Mengen produziert werden. Als Nährstoffe dienen dabei erneuerbare, regional verfügbare Rohstoffe wie Zucker oder heimische Pflanzenöle.

Optimierung für Wirtschaftlichkeit und Umwelt

Damit Biotenside eine echte Alternative für die Industrie werden, müssen sie effizient und reproduzierbar hergestellt werden. Das Team um Dr.-Ing. Susanne Zibek hat deshalb die gesamte biotechnologische Prozesskette optimiert – von der Auswahl geeigneter Mikroorganismen über die präzise Steuerung der Fermentation bis hin zur Aufreinigung. Ein wichtiger Fortschritt war der Ersatz teurer Nährmedien durch einfache Mineralsalzlösungen. Zudem lassen sich inzwischen auch biogene Reststoffe wie Zucker aus Stroh oder Fette aus Insekten-Bioraffinerien nutzen. So entstehen hochreine Biotenside mit definierten Eigenschaften, die sich gezielt an unterschiedliche Anwendungen anpassen lassen.

Von der Forschung in die Anwendung

Heute kann das Fraunhofer IGB Biotenside im sogenannten Technikumsmaßstab herstellen und Industriepartnern für Tests zur Verfügung stellen, etwa für Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetik oder Spezialanwendungen. Der Technikumsmaßstab ist die Zwischenstufe in der Verfahrensentwicklung, größer als das Labor, aber kleiner als die finale Produktion, um neue Prozesse unter realistischeren Bedingungen zu testen und zu optimieren, bevor der teure Großanlagenbau beginnt. Im Rahmen der „Allianz Biotenside“ haben Forschungseinrichtungen und Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammengearbeitet. Das Projekt wurde in zwei Phasen vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Die Ergebnisse der siebenjährigen Zusammenarbeit werden am 4. Februar 2026 auf einer Abschlusskonferenz in Stuttgart vorgestellt. Sie zeigen, wie Mikroorganismen helfen können, alltägliche Produkte sauberer, grüner und zukunftsfähiger zu machen.

hb

Die Bioökonomie zielt darauf, wirtschaftliche Prozesse auf erneuerbare biologische Ressourcen umzustellen. Die im Editorial der Zeitschrift Nature diskutierte Einordnung der „Defossilisierung“ ist dafür zentral: Sie macht deutlich, dass Klimaneutralität nicht bedeutet, auf Kohlenstoff zu verzichten, wie der bislang viel genutzte Begriff „Dekarbonisierung“ suggeriert. Vielmehr ist es wichtig, ihn nicht länger aus fossilen Quellen zu gewinnen. 

Kohlenstoff bleibt unverzichtbar

Kohlenstoff ist ein Grundbaustein moderner Gesellschaften. Er steckt in Treibstoffen, Kunststoffen, Düngemitteln, Waschmitteln und Medikamenten. Selbst in einer klimaneutralen Zukunft wird der Bedarf an sogenanntem „eingebettetem“ Kohlenstoff steigen – Prognosen gehen bis 2050 von einer Verdopplung aus. Die Defossilisierung setzt genau hier an: Fossile Rohstoffe wie Erdöl, Gas und Kohle sollen im Boden bleiben, während Kohlenstoff aus anderen Quellen stammen muss.

Für die Bioökonomie liegt eine naheliegende Lösung in Pflanzen und weiterer Biomasse. Biokraftstoffe aus Raps, Mais oder Weizen werden bereits gefördert. Das Editorial warnt jedoch vor Nebenfolgen: Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion, steigende Lebensmittelpreise sowie Risiken für Biodiversität und Böden. Damit zeigt sich ein klassisches Dilemma der Bioökonomie zwischen Klimaschutz und nachhaltiger Landnutzung.

Großes Potenzial sehen die Autorinnen und Autoren in Reststoffen: landwirtschaftliche Abfälle, Lignozellulose oder gebrauchte Kunststoffe. Auch abgeschiedenes Kohlendioxid aus Industrieprozessen oder direkt aus der Luft könnte künftig als Rohstoff dienen. Technisch ist das jedoch anspruchsvoll und energieintensiv, und nur dann sinnvoll, wenn erneuerbare Energie eingesetzt wird.

Bedeutung für Politik und gesellschaftlichen Diskurs

Das Editorial plädiert dafür, Defossilisierung stärker in Forschungs- und Förderprogramme zu integrieren. Für die Bioökonomie bedeutet das: Weg von einfachen „Bio statt fossil“-Narrativen, hin zu komplexen, zirkulären Kohlenstoffkreisläufen.  Die Einordnung zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht automatisch „biobasiert“ bedeutet, sondern kluge Entscheidungen über Herkunft, Nutzung und Kreislaufführung von Kohlenstoff erfordert.

Das Editorial unterstreicht, dass Forschung und Politik eine Schlüsselrolle für die Defossilisierung spielen. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass sowohl die Europäische Union als auch die Bundesregierung entsprechende Zielkonflikte bereits erkannt haben und diese in Strategien und Förderprogrammen ausdrücklich adressieren. Der EU-Green-Deal, die europäische sowie die deutsche Bioökonomiestrategie berücksichtigen Spannungen zwischen Klimaschutz, Ernährungssicherheit, Biodiversität und industrieller Nutzung biologischer Ressourcen und setzen zunehmend auf Kreislaufwirtschaft, Reststoffnutzung und systemische Ansätze. 

Insgesamt wird deutlich, dass es weniger um einen Verzicht auf Kohlenstoff geht als um den Abschied von fossilen Quellen. Genau deshalb sollte im öffentlichen Diskurs stärker von Defossilisierung statt von Dekarbonisierung gesprochen werden: Der Begriff beschreibt präziser, worum es der Bioökonomie geht – um nachhaltige, zirkuläre Kohlenstoffkreisläufe jenseits von Öl, Gas und Kohle.

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Brokkoli gilt als gesundes Vorzeigegemüse, doch im Inneren vieler Stängel verbirgt sich oft ein Qualitätsproblem: der sogenannte Hohlstängel. Diese unscheinbare Wachstumsstörung führt zu inneren Hohlräumen, mindert die Marktfähigkeit und verursacht erhebliche Verluste. Das Forschungsprojekt BroHoKo+, gefördert vom Bundesforschungsministerium (BMFTR), untersuchte in einer aktuellen, mehrjährigen Feldstudie, wie sich dieses Problem mit nachhaltigen Anbaustrategien gezielt verringern lässt. 

Wenn Größe zum Risiko wird

Die Untersuchung belegt klar, dass Hohlstängel nicht zufällig entstehen, sondern eng an bestimmte Kopfeigenschaften gekoppelt sind. Brokkoliköpfe bleiben nahezu immer gesund, solange sie unter etwa 330 Gramm wiegen und der Stängeldurchmesser unter 3,3 Zentimetern liegt. Werden diese Schwellen überschritten, steigt das Risiko für Hohlräume im Stängel an. Entscheidend ist dabei weniger das schnelle vegetative Wachstum der Pflanze als vielmehr die finale Ausprägung des Brokkolikopfes. Für die Praxis heißt das: Größer ist nicht automatisch besser.

Sortenwahl und Pflanzabstand als Schlüssel 

Besonders wirkungsvoll erwiesen sich zwei agronomische Hebel: die Wahl der Sorte und die Pflanzdichte. Sorten mit leichteren Köpfen und schlankeren Stängeln zeigten deutlich weniger Hohlstängel als wuchtige, kompakte Typen. Gleichzeitig reduzierte eine moderat höhere Pflanzdichte das Problem erheblich, weil Konkurrenz um Licht und Nährstoffe das extreme Dickenwachstum bremst. Zu enge Pflanzabstände sind jedoch keine Lösung, da sie Krankheiten begünstigen und viele Köpfe zu klein für den Markt bleiben.

Weniger Verluste, mehr Nachhaltigkeit

Auch die Rolle der Düngung wurde kritisch geprüft. Eine starke Reduktion der Stickstoffgaben senkte zwar den Anteil hohler Stängel, führte aber zu vielen untergewichtigen Köpfen und ist wirtschaftlich kaum tragfähig. Moderate Stickstoffmengen erwiesen sich hingegen als sinnvoller Kompromiss: Sie hielten die Erträge stabil und reduzierten gleichzeitig überschüssigen Stickstoff im Boden, ein klarer Pluspunkt für Umwelt- und Gewässerschutz. Eine zusätzliche Blattdüngung mit Bor zeigte dagegen keinen Effekt, solange die Böden ausreichend versorgt waren.

Die Ergebnisse machen deutlich: Weniger Verluste lassen sich nicht durch mehr Input, sondern durch kluge Steuerung von Wachstum erzielen. Damit liefert die Studie ein anschauliches Beispiel dafür, wie das bioökonomische Prinzip der Effizienz und Ressourcenschonung ganz konkret im Gemüsebau umgesetzt werden kann.

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Lizenzhinweis Titelbild: Frieman et al., Agronomy (16) 2025; https://doi.org/10.3390/agronomy16010042; CC-BY 4.0

Forschende der Universität Oldenburg arbeiten an einer innovativen Idee, um Kunststoff nachhaltiger zu machen und gleichzeitig Plastikmüll zu reduzieren. Im Projekt EcoPBS entwickeln sie Biokunststoffe aus organischen Abfällen wie Grünschnitt, Heu oder Algen. Das Besondere dabei: Die Kunststoffe sollen vollständig aus nachhaltigen Rohstoffen bestehen und biologisch abbaubar sein.

Geleitet wird das Projekt von der Chemikerin Dr. Melanie Walther, die mit ihrer Nachwuchsgruppe an einem Bioplastik auf Basis von Polybutylensuccinat (PBS) forscht. PBS ähnelt in Stabilität und Verarbeitbarkeit herkömmlichen Kunststoffen wie Polypropylen oder Polyethylen, hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Es kann in der Umwelt von Mikroorganismen abgebaut werden. Bisher existieren allerdings keine Verfahren, mit denen PBS vollständig biobasiert und zugleich industrietauglich hergestellt werden kann.

Genau hier setzen die Forschenden an. Ziel des Projekts ist es, eine kostengünstige und energieeffiziente Methode zu entwickeln, mit der PBS aus Garten- und Ernterückständen gewonnen werden kann. Zunächst wandeln die Forschenden das organische Ausgangsmaterial mithilfe biotechnologischer Fermentationsprozesse in verwertbare chemische Bausteine um. Dabei kommen unterschiedliche Mikroorganismen und zwei Gärungsverfahren zum Einsatz. Walthers Team sucht besonders robuste Stämme, die auch unter ressourcenschonenden Bedingungen zuverlässig arbeiten.

Im zweiten Schritt, dem sogenannten Downstreaming, reinigt es die entstandenen Stoffe zur Weiterverarbeitung. Ein zentrales Ziel ist die Umwandlung von n-Butanol in 1,4-Butandiol, einen wichtigen Ausgangsstoff für Kunststoffe. Computersimulationen und Methoden des maschinellen Lernens helfen dabei, die Prozesse möglichst effizient zu gestalten. Im dritten Teilprojekt entsteht schließlich erstmals vollständig biobasiertes PBS, aus dem die Forschenden erste Demonstratoren wie Verpackungen oder medizinische Produkte herstellen. Die bei der Produktion anfallenden Rückstände nutzen sie zur Gewinnung von Strom und Wärme für den Betrieb der Laboranlagen. 

An EcoPBS sind mehrere Universitäten, Forschungsinstitute und Firmen aus Deutschland und den Niederlanden beteiligt. Das Bundesforschungsministerium (BMFTR) fördert das Verbundprojekt mit rund 2,7 Millionen Euro. 

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Die Europäische Kommission plant eine Neuausrichtung ihrer Forschungs- und Innovationspolitik für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und ländliche Räume. Grundlage ist die im Februar 2025 vorgestellte „Vision für Landwirtschaft und Ernährung“, mit der die EU ihren Agrar- und Lebensmittelsektor langfristig wettbewerbsfähig, nachhaltig, widerstandsfähig und fair gestalten will. Der neue strategische Ansatz für Forschung und Innovation (F&I) soll die bisherige Strategie aus dem Jahr 2016 ablösen und an aktuelle gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen anpassen.

Breite Konsultation als Herzstück

Ein zentrales Element dieser Neuausrichtung ist eine europaweite öffentliche Konsultation. Mit einer Online-Umfrage lädt die Kommission eine breite Palette von Akteurinnen und Akteuren zur Mitwirkung ein: aus Forschung und Innovation, Land- und Forstwirtschaftsbetriebe, Unternehmen und Start-ups, Beratende, Genossenschaften, NGOs sowie Vertretungen ländlicher Regionen. Ziel ist es, im Sinne einer Co-Kreation gemeinsam Prioritäten für die zukünftige EU-Agrarforschung zu definieren.

Im Fokus der Befragung stehen neue Chancen, die sich aus dem aktuellen politischen Kontext ergeben, ebenso wie Fragen zur Innovationsfähigkeit des Sektors. Thematisiert werden unter anderem Wissens- und Technologietransfer, funktionierende Innovationsökosysteme, Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette sowie zentrale thematische Forschungsfelder. Die Kommission will damit die Aufnahme neuer Erkenntnisse durch land- und forstwirtschaftliche Betriebe beschleunigen und die Innovationsreise von der Forschung über Start-ups bis hin zu marktreifen Lösungen neu beleben.

Rahmen und Ablauf der Umfrage

Der Fragebogen ist entlang der Kernbereiche des neuen strategischen Ansatzes strukturiert und in etwa 15 bis 20 Minuten auszufüllen. Am Ende besteht die Möglichkeit, zusätzliche Dokumente mit vertiefenden Beiträgen hochzuladen. Alle Rückmeldungen werden anonym erfasst. Die Konsultation läuft noch bis zum 25. Januar 2026 und ist über die EUSurvey-Plattform der Europäischen Kommission zugänglich.

Ergänzung durch neue Food-Systems-Agenda

Parallel dazu kündigte die Kommission im Rahmen ihrer Europäischen Life-Science-Strategie an, eine eigene strategische Forschungs- und Innovationsagenda für Ernährungssysteme zu entwickeln. Diese soll den neuen Agrar-F&I-Ansatz ergänzen. Auch hierzu ist eine Beteiligung relevanter Interessengruppen vorgesehen, voraussichtlich im ersten Quartal 2026.

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Cyanobakterien tragen entscheidend zu den globalen Kohlenstoff- und Stickstoffkreisläufen bei und können eine zentrale Rolle in der CO2-neutralen Produktion von Chemikalien und Kraftstoffen spielen. Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben nun gemeinsam mit Partnern eine überraschende Fähigkeit dieser Mikroben aufgeklärt: Sie können Guanidin, bisher vor allem als giftiges Reagenz bekannt, als alleinige Stickstoffquelle nutzen. Diese Entdeckung erweitert nicht nur unser Verständnis des Stickstoffstoffwechsels von Cyanobakterien, sondern eröffnet auch völlig neue Möglichkeiten, biotechnologische Produktionsprozesse effizient und kostengünstig zu steuern.

Vom Giftstoff zum Nährstoff

Wie funktioniert das? Cyanobakterien nehmen Guanidin gezielt über ein neu entdecktes Transportsystem auf, selbst wenn nur winzige Mengen verfügbar sind. Überschüssiges Guanidin wird über ein weiteres System wieder aus der Zelle transportiert, um Schäden zu vermeiden. Im Inneren spaltet, wie bereits zuvor bekannt, ein spezielles Enzym die Verbindung in Ammonium und Harnstoff, die direkt für Wachstum und Stoffwechsel genutzt werden können. Diese Mechanismen sind in vielen Cyanobakterien verbreitet und zeigen, dass Guanidin in natürlichen Lebensräumen offenbar eine größere Rolle spielt, als bisher angenommen.

Molekulare Schalter als Werkzeug für die Bioökonomie

Besonders spannend für die Bioökonomie: Die Verwertung von Guanidin wird über einen sogenannten Riboswitch gesteuert, ein molekulares Schaltelement, das direkt auf die Verbindung reagiert. Forschende nutzen diesen Mechanismus, um Gene präzise ein- oder auszuschalten. Da Guanidin günstig und bereits in kleinen Mengen wirksam ist, ist es ideal für industrielle Anwendungen. So können Cyanobakterien als grüne Zellfabriken dienen, die lichtgetrieben und präzise steuerbar aus CO2 chemische Bausteine produzieren.

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Italy is the second most important industrial country in the EU after Germany. The north is mainly industrialised, the south predominantly agricultural. The food sector, with its typical offerings such as olive oil, wine and pasta, is regarded as a supporting pillar of the country's economy. However, chemical exports contribute much toward its economic power. Therefore, future opportunities for the bioeconomy exist in the chemical industry in particular. To this end, the companies already modify former petrochemical plants. Italy does not have a national bioeconomy strategy. Rather, developments in this field are driven by industry.

CRISPR/Cas-Systeme gelten als eine der Schlüsseltechnologien der Bioökonomie. Sie ermöglichen es, biologische Prozesse gezielt zu beeinflussen, etwa für eine nachhaltigere Landwirtschaft, innovative biobasierte Produktionsverfahren oder neue diagnostische Anwendungen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse erweitern dieses Potenzial nun.

Ein neuer CRISPR-Mechanismus legt Zellen gezielt lahm

Ein Forschungsteam des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg hat gemeinsam mit weiteren, internationalen Forschungseinrichtungen einen bislang unbekannten CRISPR-Abwehrmechanismus entdeckt. Im Zentrum steht die Nuklease Cas12a3, die sich grundlegend von bekannten CRISPR-Werkzeugen unterscheidet, denn sie schneidet gezielt den sogenannten 3′-Schwanz von Transfer-RNAs (tRNAs).

tRNAs sind essenziell für die Proteinbiosynthese, da sie Aminosäuren zu den Ribosomen transportieren. Wird ihr evolutionär hochkonservierter Schwanz entfernt, kommt die Proteinproduktion zum Erliegen. Die betroffene Zelle verfällt in einen Ruhezustand, wodurch sich Viren nicht weiter vermehren können. Damit beschreibt Cas12a3 eine neue Form der bakteriellen Immunantwort, die CRISPR-Systemen bislang nicht zugeschrieben wurde.

„Dieser Fund war gänzlich unerwartet“, berichtet Chase Beisel vom HIRI, korrespondierender Autor der Studie. Ursprünglich hatte das Team Nukleasen untersucht, die ausschließlich DNA schneiden. Stattdessen stießen die Forschenden auf weitere Mitglieder derselben Proteinfamilie mit völlig anderen Eigenschaften. Ein wissenschaftlicher Glücksfall, der künftig auch praktische Anwendungen ermöglichen könnte.

Neue Perspektiven für biobasierte Technologien

Mithilfe von Kryo-Elektronenmikroskopie konnten die Forschenden zeigen, wie Cas12a3 diese hohe Präzision erreicht: Eine spezielle „tRNA-Ladedomäne“ positioniert den tRNA-Schwanz exakt für den Schnitt. Diese Genauigkeit macht Cas12a3 nicht nur biologisch interessant, sondern auch technologisch relevant. Bereits im Labor wurde das Enzym mit weiteren CRISPR-Nukleasen kombiniert, um RNA von mehreren Viren, darunter Influenza, RSV und SARS-CoV-2, gleichzeitig nachzuweisen.

Für die Bioökonomie eröffnet diese Entdeckung neue Anwendungsfelder, insbesondere in der molekularen Diagnostik. Perspektivisch könnten kostengünstige, einfach einsetzbare Tests entstehen, die auf CRISPR-Technologie basieren. Gleichzeitig unterstreicht die Studie, wie viel ungenutztes Innovationspotenzial in natürlichen biologischen Abwehrmechanismen steckt. Ihre Erforschung kann entscheidende Impulse für die wissensbasierte Bioökonomie liefern.

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Lizenzhinweis Titelbild: © Dmytrenko et al., Nature (2026); https://doi.org/10.1038/s41586-025-09852-9CC-BY 4.0, Bildausschnitt

Die Europäische Kommission hat mit dem EU Agricultural Outlook 2025-2035 einen wichtigen Orientierungsrahmen für die künftige Entwicklung der europäischen Landwirtschaft vorgelegt. Der Bericht zeigt, wie sich der Agrarsektor unter dem Druck von Klimawandel, knapper werdenden Betriebsmitteln und veränderten Konsumgewohnheiten weiterentwickelt, und welche Rolle er innerhalb einer nachhaltigen Bioökonomie einnehmen kann. Laut Analyse bleibt die Produktivität trotz eines verlangsamten Wachstums hoch, während sich die Landwirtschaft schrittweise in Richtung ressourcenschonender Produktionssysteme transformiert.

Ausblick auf Produktivität, Wertschöpfung und Umwelt im Wandel

Bis 2035 wird die EU-Landwirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch steigende Arbeitsproduktivität sichern. Diese Entwicklung trägt zu höheren Realeinkommen je Arbeitskraft bei und stabilisiert die wirtschaftliche Basis vieler Betriebe. Gleichzeitig werden Fortschritte bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen und Stickstoffüberschüssen erwartet. Dies ist ein zentrales Element für eine funktionierende Bioökonomie, die wirtschaftliche Leistung mit ökologischer Verantwortung verbindet. Besonders relevant ist dabei die zunehmende Ausrichtung auf höherwertige Produkte: Während die Gesamtmilchmenge stabil bleibt, wachsen Segmente wie Milchbestandteile, Butter und Magermilchpulver. Auch der Ausbau von Ölfrüchten und Körnerleguminosen stärkt die pflanzenbasierte Proteinversorgung und reduziert Importabhängigkeiten.

Veränderte Konsummuster und neue Chancen für die Bioökonomie

Der Bericht verdeutlicht, wie stark Konsumtrends die agrarische Wertschöpfung beeinflussen. Die Nachfrage nach Rind-, Schweine- sowie Schaf- und Ziegenfleisch geht weiter zurück, ebenso die Weinproduktion. Gleichzeitig wachsen Geflügel- und Eierproduktion, getragen von einer starken Nachfrage. In einzelnen Sektoren zeigen sich differenzierte Entwicklungen: Olivenöl erholt sich nach witterungsbedingten Einbrüchen, während sich Tomaten- und Orangenmärkte stärker in Richtung Verarbeitung und neue Produktkategorien verschieben. Diese Entwicklungen eröffnen Chancen für biobasierte Wertschöpfungsketten, etwa durch die Nutzung von Nebenströmen oder die Entwicklung innovativer Lebensmittel und biobasierter Materialien.

Insgesamt bleibt die EU bei zentralen Agrarprodukten weitgehend selbstversorgend und leistet mit ihren Exporten einen Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit. Der Ausblick unterstreicht zugleich die Bedeutung einer gezielten, zukunftsorientierten Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027, um die Landwirtschaft als tragende Säule der Bioökonomie weiterzuentwickeln.

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Die Globalisierung hat vieles effizient gemacht, aber auch anfällig. Spätestens seit Pandemie, Lieferkettenkrisen und steigenden Rohstoffpreisen wird deutlich: Nachhaltige Wertschöpfung braucht mehr als weltweite Vernetzung. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Regionen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sichern Arbeitsplätze, Know-how und Versorgung, und verfügen über großes Potenzial für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, die auch für die Bioökonomie essenziell ist. Genau hier setzt das neue Forschungsprojekt WeR³t-Netze an, das unter Leitung des Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) gemeinsam mit Partnern aus Oldenburg und Wiesbaden durchgeführt wird.

Regionale Netzwerke sind unterschätzte Innovationstreiber

Regional gibt es oft vielfältige Ressourcen: Materialien, Maschinen, Dienstleistungen, Daten und nicht zuletzt Erfahrung und Kreativität. Doch im wirtschaftlichen Alltag bleiben diese Potenziale oft ungenutzt. Produkte werden neu gekauft statt geteilt, Materialien entsorgt statt weiterverwendet, Wissen bleibt in einzelnen Betrieben isoliert. Dabei zeigt sich gerade in Krisenzeiten, wie wertvoll funktionierende regionale Netzwerke sind. Während der Corona-Pandemie entstanden vielerorts kurzfristig neue Kooperationen, aus denen flexible Lösungen, neue Dienstleistungen und sogar Geschäftsmodelle hervorgingen. WeR³t-Netze knüpft an diese Erfahrungen an und fragt: Wie lassen sich solche Netzwerke dauerhaft etablieren und systematisch für die Kreislaufwirtschaft nutzen?

Vom Wunschbild Kreislaufwirtschaft zur konkreten Umsetzung

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der Blick in die Zukunft, allerdings nicht als bloße Trendfortschreibung. Mithilfe der sogenannten Backcasting-Methode entwickeln die Forschenden zunächst ein konkretes Wunschbild für nachhaltige, resiliente Wertschöpfung in der Region. Von diesem Ziel aus wird rückwärts gearbeitet: Welche Technologien, Kooperationen, Datenstrukturen und Geschäftsmodelle braucht es, um dieses Zukunftsbild Realität werden zu lassen? Grundlage sind Analysen bestehender Strukturen sowie Workshops mit Unternehmen, Verbänden und weiteren Akteuren der Metropolregion Nordwest.

Die Stärke der WeR³t-Netze liegt in der Verbindung von regionaler Zusammenarbeit, digitaler Transformation und systematischer Zukunftsforschung. So entstehen belastbare Szenarien für neue, datenbasierte Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die Ressourcenkreisläufe schließen, KMU stärken und Regionen widerstandsfähiger machen. Die Ergebnisse sollen dabei nicht auf eine Region beschränkt bleiben, sondern als Blaupause für andere Branchen und Standorte dienen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt im Programm „Zukunft der Wertschöpfung – Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“ als Schritt hin zu einer souveränen Wertschöpfung in Deutschland.

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Finanzierungsdaten zum eingesammelten Kapital sind ein wichtiger Indikator, wie innovativ und zukunftsfähig die Biotechnologie-Branche ist. Sie zeigen, wie viel Vertrauen Investoren in neue Ideen, Forschungsvorhaben und wachsende Unternehmen setzen.

Starkes Jahresergebnis trotz schwachem Start

Trotz eines schwachen Starts im ersten Halbjahr hat die deutsche Biotechnologie-Branche 2025 ein starkes Ergebnis erzielt, wie der Branchenverband BIO Deutschland berichtet. Insgesamt konnten Unternehmen 1,787 Mrd. Euro an Kapital einsammeln, etwas weniger als im Vorjahr (2024: 1,917 Mrd. Euro), aber deutlich mehr als die 337 Mio. Euro aus der ersten Jahreshälfte vermuten ließen. Investoren unterstützten private Unternehmen mit 593 Mio. Euro, während börsennotierte Firmen 1,194 Mrd. Euro einwarben. Mehr als die Hälfte des gesamten Geldes floss dabei nur an zwei Unternehmen: Tubulis GmbH (344 Mio. Euro) und QIAGEN N.V. (642 Mio. Euro). Kein Unternehmen wagte den Schritt an die Börse.

Die Biotechnologie ist ein zentraler Bestandteil der Bioökonomie, weil sie Lösungen für Gesundheit, Ernährung, Umwelt und nachhaltige Produktionsmethoden liefert. Roland Sackers, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland, erklärt: „Biotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie, wir sind eine Schlüsselbranche für Innovation, hochqualifizierte Arbeitsplätze und den Wohlstand Europas.“ Besonders positiv sei, dass viele Start-ups mit kleinen Investitionen unterstützt wurden, um ihre Ideen umzusetzen. Bei größeren Finanzierungen für bereits wachsende Unternehmen gibt es jedoch Nachholbedarf: Außer einer Rekord-Finanzierung von Tubulis gab es nur wenige größere Investitionen. Sackers fordert, dass die EU und die Bundesregierung schnell geplante Förderprogramme umsetzen, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten kann.

Deutschland im internationalen Vergleich

Im Vergleich zu anderen Ländern sammelt die deutsche Biotechnologie noch relativ wenig Kapital ein: In Großbritannien und der Schweiz erhielten Biotech-Firmen bereits in den ersten drei Quartalen mehr Geld als deutsche Unternehmen im ganzen Jahr, wie die BIO Deutschland Geschäftsführerin Viola Bronsema erläutert. US-Unternehmen sammelten in neun Monaten sogar über 14 Mrd. Euro ein. Klaus Ort von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY mahnt: „Wer heute nicht investiert, wird morgen unsere eigene Wissenschaft möglicherweise teuer aus dem Ausland zurückkaufen.“ Neben der Finanzierung sei es auch wichtig, bürokratische Hürden zu reduzieren und Regeln zu vereinfachen, um Deutschland als Standort attraktiv zu machen.

Die Zahlen 2025 zeigen: Biotechnologie ist eine wichtige Säule der Bioökonomie, voller Innovationskraft und bereit für weiteres Wachstum, vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen für Investitionen werden verbessert.

hb

Seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 1926 hat sich die Grüne Woche von einer landwirtschaftlichen Ausstellung zu einer internationalen Leitmesse und einem zentralen Treffpunkt für Landwirtschaft, Ernährung und Politik entwickelt. Im Jubiläumsjahr präsentieren auf dem Berliner Messegelände rund 1.600 Aussteller aus mehr als 50 Ländern ihre Produkte, Ideen und Trends. Die Messe zeigt sich dabei größer und vielfältiger denn je. Zum 100-jährigen Bestehen richtet sich der Blick nicht nur zurück auf die Geschichte der Messe, sondern vor allem nach vorn: auf die Frage, wie sich Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltiger gestalten lassen. Die Bioökonomie rückt dabei stärker denn je in den Mittelpunkt.

Bioökonomie als Zukunftsmodell

Die Bioökonomie steht für den Übergang zu einer Wirtschaftsweise, die auf nachwachsenden Rohstoffen, biologischem Wissen und geschlossenen Stoffkreisläufen basiert. Auf der Grünen Woche machen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und landwirtschaftliche Betriebe sichtbar, wie dieser Ansatz bereits heute in die Praxis umgesetzt wird, etwa durch nachhaltige Anbaumethoden, innovative Lebensmittel, alternative Proteinquellen oder biobasierte Materialien. Damit wird deutlich: Landwirtschaft und Ernährung sind weit mehr als reine Versorgungssektoren, sie sind zentrale Treiber für eine klimafreundliche und ressourcenschonende Wirtschaft.

Jubiläum trifft Innovation

Das Jubiläumsjahr verbindet Tradition und Transformation. Historische Rückblicke in einer Sonderschau in Halle 26a zeichnen die Entwicklung von Landwirtschaft und Ernährung in den vergangenen 100 Jahren nach, während aktuelle Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Ernährungssicherheit die inhaltlichen Debatten prägen. In der Themenwelt „grünerleben" werden nachhaltige Lösungen erlebbar. Begleitend zur Messe kommen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um Strategien für eine biobasierte Zukunft zu diskutieren. Ergänzt wird das Programm durch rund 300 Fachveranstaltungen, darunter der Internationale Fachkongress „Kraftstoffe der Zukunft“.

Highlights für Familien und junge Menschen

Ein besonderer Anziehungspunkt für Familien ist die Tierhalle, die meist zu den beliebtesten Bereichen der Messe zählt. Deutlich erweitert präsentiert sich zudem der „Young generation hub“: Auf doppelter Fläche in Halle 2.1 können Jugendliche ab der 8. Klasse mehr als 125 Berufe aus den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft, Gartenbau, Gastronomie, Bau und Klima praxisnah kennenlernen. Zahlreiche Mitmachstationen und der direkte Austausch mit Fachkräften ermöglichen Einblicke auf Augenhöhe und machen berufliche Perspektiven in der Bioökonomie greifbar.

Mehr Informationen zum Besuch bietet gruenewoche.de.

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Vision statt Einzelmaßnahmen für eine nachhaltige Landwirtschaft

Europa produziert mehr Nahrungsmittel als je zuvor, doch diese Produktivität hat ihren Preis: Böden, Klima und Biodiversität geraten unter Druck. Technische Neuerungen wie Robotik, KI oder Sensorik versprechen Abhilfe. Das Exzellenzcluster PhenoRob an der Universität Bonn plädiert für ein ambitioniertes Innovationssystem, da Technologien nur dann wirklich wirksam werden, wenn sie in ein übergeordnetes Konzept für nachhaltige Landwirtschaft eingebettet sind. 

Vom Smart Farming zum Systemwandel

Bisher richtete sich die Technikentwicklung vor allem nach kurzfristigen Marktanforderungen: Maschinen wurden größer, Felder standardisierter, die Produktivität stieg. Doch das ging oft auf Kosten der Umwelt. Neue digitale und robotische Technologien ermöglichen nun flexiblere, vielfältigere Anbausysteme. Drohnen, autonome Maschinen und KI-gestützte Analysen erlauben punktgenaue Pflanzenschutzmaßnahmen, präzise Düngung und Echtzeit-Überwachung von Pflanzenstress oder Krankheiten. Durch den Einsatz digitaler Zwillinge können Entscheidungen vorab simuliert und Risiken besser bewertet werden.

Politik und Geschäftsmodelle als Schlüssel

Doch Technik allein reicht nicht. Damit nachhaltige Innovationen tatsächlich genutzt werden, braucht es passende Geschäftsmodelle und politische Rahmenbedingungen. Förderprogramme, angepasste Agrarumweltzahlungen oder innovative Versicherungen können Investitionen in grüne Technologien attraktiver machen. PhenoRob kombiniert Forschung an Technologien mit Analysen zu Politik, Märkten und gesellschaftlicher Akzeptanz, sodass neue Systeme effizient, profitabel und ökologisch wirksam umgesetzt werden können.

Chancen und Risiken des Smart Farmings

Smart Farming eröffnet große Chancen, birgt aber auch Risiken: Technologien können Umweltprobleme verschärfen, wenn sie falsch eingesetzt werden, Marktmacht kann sich bei wenigen großen Unternehmen konzentrieren und Technik darf andere wichtige Maßnahmen wie Ernährungswandel oder Bodenschutz nicht verdrängen. Deshalb setzt PhenoRob auf ein integratives Vorgehen: Visionen werden gemeinsam mit allen Akteuren entwickelt, Risiken früh bewertet und Lösungen kontinuierlich angepasst.

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Lizenzhinweis Titelbild: © ZALF /  Wuepper et al., Agricultural Systems (233) 2026; https://doi.org/10.1016/j.agsy.2025.104593; CC-BY 4.0

Die USA setzen ihre Bioökonomie-Strategie weiter konsequent um und stärken heimische Produzenten und biobasierte Innovationen. Mit der Modernisierung des USDA BioPreferred-Programms und der Anpassung des Agricultural Foreign Investment Disclosure Act (AFIDA) wird sichergestellt, dass Bundesprogramme und Fördermittel US-amerikanische Landwirtschaft und biobasierte Produkte priorisieren. Für Deutschland und Europa sind diese Entwicklungen von hoher Bedeutung, da sie den globalen Markt beeinflussen und den Wettbewerb um technologische Innovationen in der Bioökonomie verschärfen.

„BioPreferred“ soll US-Produktion stärken

Das BioPreferred-Programm zertifiziert biobasierte Produkte nach US-Standards und erleichtert deren Beschaffung durch Bundesbehörden. Ab sofort sind Unternehmen und Produkte aus als „ausländische Gegner“ eingestuften Ländern ausgeschlossen, um die Integrität der Bundesbeschaffung zu sichern. Für europäische Unternehmen bedeutet dies vor allem, dass der US-Markt künftig noch stärker auf heimische Produzenten ausgerichtet ist. Gleichzeitig signalisiert das Programm die wachsende Bedeutung biobasierter Produkte für die wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass 68 % der US-Verbraucher regelmäßig pflanzenbasierte Produkte nutzen, und 86 % deren Nutzung in den kommenden Monaten planen.

Transparenz bei Landinvestitionen und Lieferketten

Parallel wird der AFIDA modernisiert, um die Kontrolle über ausländische Investitionen in US-Ackerland zu verbessern. Derzeit halten „mit ausländischen Gegnern verbundene Organisationen“ mehr als 100.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in den USA. Durch strengere Überwachung sollen laut US-Landwirtschaftsministerium Risiken für Versorgungsketten und kritische Infrastruktur reduziert werden. Für europäische Unternehmen bleibt der Zugang zum US-Markt grundsätzlich offen, allerdings könnten Partner oder Lieferketten, die in sensiblen Bereichen tätig sind, stärker geprüft werden.

Insgesamt verdeutlichen diese Maßnahmen, wie eng Bioökonomie und nationale Sicherheit in den USA verknüpft werden.

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Italy is the second most important industrial country in the EU after Germany. The north is mainly industrialised, the south predominantly agricultural. The food sector, with its typical offerings such as olive oil, wine and pasta, is regarded as a supporting pillar of the country's economy. However, chemical exports contribute much toward its economic power. Therefore, future opportunities for the bioeconomy exist in the chemical industry in particular. To this end, the companies already modify former petrochemical plants. Italy does not have a national bioeconomy strategy. Rather, developments in this field are driven by industry.