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09.08.2017

Ostsee-Algen für Medizin und Kosmetik

Braunalgen sind vielseitige Quellen für Arzneien oder Kosmetika. Ein deutsch-dänischer Verbund wird von der EU mit 2,2 Mio. Euro ausgestattet, um die Algen als Ressource zu erschließen.

Der Blasentang (Fucus vesiculosus) ist eine in der Ostsee weit verbreitete Braunalge mit vielversprechenden Inhaltstoffen.
Quelle: 
Marion Zenthoefer/CRM

Braunalgen aus der Ostsee gelten schon lange als gesundheitsfördernd, denn sie enthalten viele bioaktive Inhaltsstoffe wie die Fucoidane. Genau deren Einsatzmöglichkeiten in Medizin und Kosmetik stehen jetzt im Fokus des grenzüberschreitenden Projekts „FucoSan – Gesundheit aus dem Meer“. Das deutsch-dänische Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Interreg-Programms mit einer Gesamtsumme von 2,2 Mio. Euro bis Februar 2020 gefördert und steht unter der Leitung von Alexa Klettner, Laborleiterin in der Klinik für Ophthalmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, sowie der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Neben zahlreichen akademischen Projektpartnern aus Kiel und Dänemark unterstützten auch Unternehmen das Projekt. Dazu zählen oceanBASIS, ein Unternehmen, das sich auf Marine Biotechnologie spezialisiert und eine eigene Naturkosmetikmarke vermarktet, sowie die Kieler Firma Coastal Research & Management (CRM), die für Bereitstellung und Kultivierung der Algen verantwortlich ist.

Wirkung von Fucoidan durch Zufall entdeckt

Durch Zufall haben Klettner und Kollegen entdeckt, dass Fucoidan ein hilfreicher Wirkstoff bei der Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) ist – einer weit verbreiteten Augenerkrankung, und eine der Hauptursachen für Erblindung in Deutschland. Basierend darauf will sie nun weitere medizinische und kosmetische Einsatzgebiete für Fucoidane erkunden: „Die Idee zu diesem Projekt kamen Sabine Fuchs aus der Klinik für Unfallchirugie und Orthopädie und mir, nachdem wir in einer Kooperation einige für medizinische Anwendungen interessante Ergebnisse zu Fucoidanen herausgefunden hatten und diese Eigenschaften genauer unter die Lupe nehmen wollten. Zusammen mit Levent Piker von CRM und Susanne Alban vom Pharmazeutischen Institut der CAU haben wir dann dieses Projekt initiiert“, so Klettner.

Nutzung für Medizin und Kosmetik

Ziel ist es, aus Braunalgen gewonnene Fucoidane und deren Eigenschaften für eine zukünftige Nutzung in der Medizin und Kosmetik zu untersuchen. Hierzu wird im deutsch-dänischen Projektteam unter anderem eine Datenbank etabliert, die eine Vielzahl der aktiven Inhaltsstoffe aus Braunalgen und deren Eigenschaften enthalten soll. Auf dieser Basis wollen die Wissenschaftler aussichtsreiche Inhaltsstoffe auswählen und auf ihre Anwendbarkeit in verschiedenen Bereichen prüfen. Nach der Förderperiode soll eine kommerzielle Nutzung der Erkenntnisse ermöglicht werden.

Algenherkunft führt zu unterschiedlichen Produkten

„Da Fucoidane aus Algen gewonnen werden, können sich die Eigenschaften und Wirkungen unterscheiden, je nachdem, um welche Algenart es sich handelt und wo diese gewachsen ist“, erklärt Klettner. „Daher werden wir verschiedene Algen aus unterschiedlichen Regionen, die zu verschiedenen Zeiten geerntet wurden, untersuchen und charakterisieren – sowohl chemisch als auch biologisch. So können wir später für viele verschiedene Anwendungsgebiete die geeigneten Inhaltsstoffe passgenau identifizieren.“ Die Wirkungen der Fucoidane seien sehr breit gefächert und reichten von antioxidativen Eigenschaften über die Fähigkeit, in die Gefäßbildung einzugreifen, bis zur Möglichkeit, das Immunsystem zu beeinflussen.
Daher werden auch mögliche Verwendung von Fucoidanen für das Tissue Engineering sowie Mechanismen der Knochenheilung für die Regenerative Medizin erforscht. In der Kosmetik könnten die neuen biologischen Inhaltsstoffe mit ihrer antioxidativen Wirkung angewendet werden, um beispielsweise der Hautalterung entgegenzuwirken. 

jmr

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