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11.08.2017

Arnika: Genetische Vielfalt stark eingeschränkt

Berliner Forscher haben die gefährdete Wild- und Heilpflanze Arnika bundesweit genetisch untersucht. Besonders im Norddeutschen Tiefland sind die Vorkommen rar und genetisch verarmt.

Wiese mit der gelb blühenden Wild- und Heilpflanze Arnika (Arnika montana).
Wiese mit der gelb blühenden Wild- und Heilpflanze Arnika.
Quelle: 
V. Duwe / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Arnika ist eine in Mitteleuropa natürlich verbreitete Wildpflanze. Sie steht unter Naturschutz und gilt in Deutschland als gefährdet (Stufe 3 der Roten Liste bedrohter Arten in Deutschland). Die gelb blühende Pflanze gehört wie das Gänseblümchen und der Löwenzahn zur Familie der Korbblütler. Bereits in historischer Zeit wurde sie als Heilpflanze verwendet. Auch heute wird Arnika (Arnika montana) in der Phytomedizin zur äußeren Behandlung stumpfer Verletzungen der Muskeln und Gelenke sowie in der Kosmetik eingesetzt. Nun haben Forscher des Botanischen Gartens und der Freien Universität Berlin verschiedene Arnika-Vorkommen bundesweit genetisch untersucht. Ihre Ergebnisse sind zusammen mit Empfehlungen für den Naturschutz im Fachjournal „Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics“ veröffentlicht worden. Die Studie erfolgte im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz (BfN) im Rahmen eines Modellprojekts zum Schutz gefährdeter Pflanzenarten.

Genetische Charakterisierung von Arnika

In ihrer Studie haben Biologen über 550 Pflanzen aus insgesamt 30 Vorkommen in Deutschland sowie aus der Alpenregion in Italien, Frankreich, Österreich und der Schweiz genetisch charakterisiert. Dafür haben sie ein gebräuchliches DNA-Analyse-Verfahren verwendet, bei dem kurze, sich wiederholende DNA-Abschnitte, sogenannte Mikrosatelliten, aus den Zellkernen untersucht und miteinander verglichen werden. Die Berliner Studie zu Arnika ist die erste bundesweite genetische Untersuchung in dieser Größenordnung für eine krautige Pflanze.

Regionale Unterschiede im Gen-Pool

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass es deutliche genetische Unterschiede zwischen den Artvorkommen im Norddeutschen Tiefland, der Mittelgebirge, des Alpenvorlands und der Alpen gibt. Zum einen weisen die Arnika-Vorkommen regionale Merkmale auf, zum anderen unterscheidet sich auch die genetische Variabilität innerhalb einzelner Vorkommen – sogenannter Populationen. Die Ergebnisse im Norddeutschen Tiefland seien „dramatisch“. Hier sind die Populationen von Arnica montana bereits genetisch verarmt und zeigen tendenziell zunehmende vegetative Vermehrung, wie aus der Studie hervorgeht. Genetische Verarmung bedeutet, dass die Population über einen kleineren Gen-Pool verfügt. Dies geht oft einher mit einer verminderten Anpassungsfähigkeit des Bestands und damit einer höheren Gefährdung bei sich ändernden Einflüssen.

Nationale Verantwortung Deutschlands für Artenschutz

Für den Schutz der bedrohten Wildpflanze kommt Deutschland eine besondere Verantwortung zu, denn ein Großteil der Weltpopulation befindet sich in Deutschland. So ist die Art Arnica montana auf der Liste der Arten nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands der Bundesamts für Naturschutz (BfN) als Art „mit hoher Verantwortlichkeit“ eingestuft. Trotz allem nimmt der Bestand von Arnika durch die intensive Landwirtschaft und Zerstörung des Lebensraums immer weiter ab. Die Forschungsergebnisse sind deshalb auch eine wichtige Basis für die nationale Strategie zum Schutz dieser gefährderten Wild- und Heilpflanzenart. Die Forscher empfehlen für den praktischen Artenschutz statt großangelegter und identischer Naturschutzmaßnahmen quer durch Deutschland besser viele kleine und geographisch angepasste Maßnahmen umzusetzen.

bp

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