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Der Bodenversteher

Frank
Ellmer

Beruf:

Agrarwissenschaftler

Position:

Fachgebietsleiter Acker- und Pflanzenbau an der Humboldt-Universität Berlin

Fran Ellmer
Quelle: 
Privat

Für Frank Ellmer ist der Boden das A und O im Ackerbau. Mit dem Wissen um das Zusammenspiel von Boden und Pflanze macht sich der Agrarwissenschaftler für neue Nutzungskonzepte stark.

Kartoffeln anbauen und ernten, Heu wenden, Tiere füttern und wenn notwendig schlachten: Für Frank Ellmer war das Leben auf dem elterlichen Bauernhof im thüringischen Spechtsbrunn nicht immer eine Idylle. Der Spross einer traditionsreichen Landwirtsfamilie musste oftmals ordentlich anpacken. Abgeschreckt hat es ihn nicht. Schon damals stand für ihn schnell fest, in welche Richtung es gehen sollte. „Den Tieren hinterher zu rennen, hat mir keinen Spaß gemacht. Ich wollte immer was mit Pflanzen machen", erinnert sich Ellmer, heute promovierter Agrarwissenschaftler.

Ausgerechnet die steinreichen Böden im Thüringer Wald, die er als Kind und Jugendlicher bestellen musste, sollten Anstoß für seine spätere berufliche Karriere als Ackerbau-Experte sein. Nach vier Jahren Studium der Agrarwissenschaften Mitte der 70er Jahre in Halle und Berlin kehrte Ellmer mit dem Diplom in der Tasche zunächst – mit „wehenden Fahnen“ wie er sagt – in die landwirtschaftliche Praxis zurück. „Das hatte auch mit den politischen Umständen der Zeit zu tun. Vor allem in Berlin wehte ein heißer Wind“, erinnert sich Ellmer.

Wie lässt sich Boden sinnvoll nutzen?

Doch ein Jahr später ging Ellmer bereits wieder an die Humboldt Universität zurück, um im Fach Ackerbau zu promovieren. „Die Schnittstelle von Boden und Pflanzen hat mich immer interessiert. In meiner Promotion habe ich mich dann auch mit dem Thema Bodennutzungssysteme beschäftigt. Es ging darum, Systeme zu entwickeln, um Böden in ihrer unendlichen Vielfalt sinnvoll nutzen zu können.“ Diesem Thema ist der gebürtige Thüringer bis heute treu geblieben. Seit 1992 lehrt und forscht der heute 64-Jährige an der Berliner Humboldt Universität auf diesem Gebiet.

Herausforderung Klimawandel und Welternährung

Als Wissenschaftler und heutiger Leiter des Fachbereichs Acker- und Pflanzenbau ist sein Blick stets nach vorn gerichtet. Denn Klimawandel und Bevölkerungswachstum geben dem Thema Bodennutzung eine neue Brisanz und stellen Landwirte und Forscher gleichermaßen vor große Herausforderungen. Ellmer zufolge macht die geografische Lage Deutschland zwar noch immer im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu einer "Hochertragsregion", die auch zukünftig ausreichend Nahrungs-und Futtermittel produzieren wird. Doch auch hier sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits zu spüren: Im Land Brandenburg beispielsweise nimmt die Wasserverfügbarkeit auf Grund der tendenziell steigenden Temperaturen ab. "Deshalb brauchen wir Pflanzen, die zukünftig in der Lage sind, mit weniger Wasser wenigstens das Gleiche zu erreichen", betont der Wissenschaftler.

So hat Ellmer in einem Forschungsprojekt herausgefunden, dass klimaangepasste Hybridsorten eindeutig leitungsstärker sind. "Im Vergleich zu herkömmlichen Populationssorten haben sie eine höhere Ertragsstabilität, weil sie unter anderem ein kräftigeres Wurzelsystem entwickeln."

Alternativen zum externen Einsatz von Stickstoffdünger 

Aber nicht nur die Ertragssicherung muss zukünftig garantiert sein. Ellmer geht es um eine nachhaltige Bewirtschaftung der Böden und hier insbesondere um einen möglichst minimalen Einsatz von Stickstoff als Dünger in der Landwirtschaft. "Um mehr Stickstoff im System selbst zu generieren, brauchen wir eine Biologisierung des Ackerbaus“, ist sich Ellmer sicher. Eine Lösung hat er bereits zur Hand: der Anbau von Leguminosen, also eiweißhaltigen Hülsenfrüchten wie Lupinen oder Erbsen, die nachweislich die Humusbildung befördern und über ihre Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft binden. Ellmer: „Leguminosen können mittels Symbiose den Stickstoff über die Wurzel in den Boden bringen und sind somit unabhängig von externem Dünger." Aus Sicht des Bodenexperten ließe sich damit auf umwelt- und klimafreundliche Weise der Ackerboden verbessern.

Gärprodukte aus Biogasanlagen als Bodenoptimierer

Ein anderer vielversprechender Weg, die Vielfalt des Bodens sinnvoll zu nutzen:  Gärprodukte aus Biogasanlagen, die bei der Fermentierung von Gülle oder Mais übrigbleiben. "Hier entsteht am Ende ein Gärprodukt, das Stickstoff, Phosphat und Kalium enthält“, erläutert Ellmer. „Es ist außerdem kohlenstoffreich und damit eine exzellente Ausgangsquelle für die Humusreproduktion. So können die Nährstoffe direkt im Kreislauf des landwirtschaftlichen Systems gehalten werden."

Die Leidenschaft für Bodenfruchtbarkeit und der Kampf um den Erhalt von Anbauflächen lebt der Wissenschaftler nicht nur an der Universität aus. Auch ehrenamtlich engagiert sich Ellmer seit Jahren in zahlreichen Vereinen und Organisationen wie der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften und steht Projekten wie "Friedensbrot" beratend zur Seite. Denn Ellmer ist überzeugt: „Boden ist Leben. Und die Nahrungsmittelerzeugung wird auf weite Sicht auf Böden stattfinden.“ Um den Ackerbau voranzubringen muss man Ellmer zufolge jedoch  "Böden verstehen". Dieses Verständnis seinen Studenten zu vermitteln, ist dem praxiserfahrenen Forscher daher von jeher wichtig.

Zweite Leidenschaft Musik

Viel Zeit für seine zweite Leidenschaft, die Musik, blieb Frank Ellmer in den vergangenen Jahrzehnten nicht. Klavier, Gitarre und Kontrabass könnten aber schon bald wieder den Ton angeben. Nach 45 Jahren Forschung und Lehre steht der 64-Jährige kurz vor der Pensionierung. Als einer der Köpfe des Albrecht Thaer-Fördervereins wird er aber auch weiter für die Zukunft des Ackerbaus streiten und sein Wissen weitergeben. Beim Blick zurück sind es aber vor allem die Erfolge seiner Zöglinge, die den Agrarwissenschaftler stolz machen. „Wenn ich mir anschaue, was aus meinen Studenten und Doktoranten geworden ist, ist das durch die Bank positiv. Und das zählt am Ende.“

Interview: Beatrix Boldt

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