Steckbaustein

Steckbaustein

Im Bauwesen regiert noch der „Klimakiller“ Beton, dabei ist Holz – insbesondere Schad- und Altholz – eine emissionsarme, nachhaltige Alternative. Ein Vorzeigeprojekt für zukunftsträchtiges Bauen ist nun Deutschlands erster Supermarkt aus Holzbausteinen der TRIQBRIQ AG, die Gebäude in einem innovativen Stecksystem errichtet.

DATEN & FAKTEN

Branche: 
Bauwesen
 
Nachwachsender Rohstoff: 
Holz (insbesondere: Industrie- und Kalamitätsholz)
 
Beteiligte Unternehmen: 
TRIOBRIQ AG und und Edeka Minden-Hannover Stiftung & Co. KG
 
Bioökonomie-Faktor: 
Holzbausteine aus Industrie-, Schad- und Altholz sind die ressourcenschonende, klimafreundlichere Alternative zu Beton
 
Status: 
Auf dem Markt 

Holzbaustein TRIQBRIQ
Kalamitätsholz
Schadholz Käfer

Holz weist eine sehr gute Klimabilanz auf, denn es speichert CO2 – im Wald wie auch im verbauten Zustand. Sofern Holz nicht verbrannt, sondern nur geschlagen und weiterverarbeitet wird, bleibt der darin gebundene Kohlenstoff für Jahrzehnte oder gar für Jahrhunderte in einem Depot. Besonders nachhaltig wird der Holzbau also, wenn es sich beim Bauholz um schadhaftes Holz wie „Kalamitätsholz“ handelt, das sonst im Ofen gelandet wäre.

Kalamitätsholz ist beispielsweise Holz von Bäumen, die u.a. durch Naturereignisse wie Sturm, Trockenheit, Schnee, Eis oder Schädlingsbefall (etwa durch Borkenkäfer) geschädigt oder umgestürzt sind, wodurch es als "Schadholz" anfällt. Kalamitätsholz kann auch das Holz aus Stämmen sein, die mehr Äste haben und deswegen weniger stabil sind. Schadholz und Kalamitätsholz werden im forstwirtschaftlichen Kontext übrigens oft als Synonyme verwendet, allerdings ist Schadholz der Überbegriff für Holz, das durch Schäden (abgestorben oder beschädigt) seinen Wert mindert, während sich Kalamitätsholz spezifisch auf Holz aus Kalamitätssituationen bezieht (Kalamität leitet sich vom lateinischen Wort für Unheil ab). Obwohl es optische Mängel aufweisen kann wie etwa Verfärbungen und Fraßgänge, ist es aber oft noch gut für konstruktive Zwecke im Holzbau geeignet und stellt somit eine nachhaltige Ressource da. Das gilt auch für Industrie- und Altholz.

Die TRIQBRIQ-AG hat nun besondere Holzbausteine entwickelt, aus denen sich ganze Häuser errichten lassen. Hierbei kommen statt Beton und Klebstoff nun mikro-modulare Bausteine („BRIQs“) aus Industrie-, Schad- und Altholz zum Einsatz. Die TRIQBRIQ AG verarbeitet nämlich auch Sturmholz, Insektenholz, Wipfelschnitte, Abfallholz, Abschnitte, rückläufiges Bauholz usw.; also Holz, das in der herkömmlichen Bauwirtschaft oft keine Verwendung findet. Das zirkuläre Holzbausystem aus BRIQs rettet also dieses Holz vor der Verbrennung, macht die gebaute Umwelt zu einer kreislauffähigen Senke und setzt somit auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. 

Die Handhabung ist dabei simpel: die BRIQs werden auf der Baustelle ähnlich wie Lego nur aufeinander gesteckt. Das Stecksystem erfordert keine künstlichen Klebstoffe: die einzelnen BRIQs werden über Noppen und Sacklöcher mit den anderen BRIQs des Systems verbunden und über Buchenholzdübel verriegelt. 

Diese simple Bauweise ermöglicht einen schnellen, reibungslosen und kreislauffähigen Auf- und Rückbau, ohne Trockungszeiten für Klebstoffe oder besonderen Fachkräfte-Bedarf. Der Rückbau erfordert nur das Entnehmen der Holzdübel, die zur Verriegelung des Systems verwendet werden. Sobald die Holzdübel entfernt wurden, können die einzelnen BRIQs problemlos voneinander gelöst und das System so demontiert werden. Schnell ist auch der Aufbau: Eine Etage eines TRIQBRIQ-Rohbaus in der Größe von 500 Quadratmetern kann eigenen Angaben der TRIQBRIQ-AG zufolge in zwei Tagen errichtet werden (der konventionelle Rohbau mit Beton nimmt in der Regel über 10 Tage in Anspruch).

Ein weiterer Vorteil gegenüber Beton: Holz hat von Natur aus eine hervorragende Wärmedämmung – wesentlich besser als Beton. Dies bedeutet, dass weniger zusätzliche Dämmmaterialien benötigt und Heizkosten gespart werden.

Nun ist mit den BRIQs im Mai 2025 Deutschlands erster Supermarkt in der sogenannten TRIQBRIQ-Holzbauweise erbaut worden: Der Edeka-Popko Markt in der „Neuen Mitte Lamme“ in Braunschweig präsentiert sich als ein innovatives Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen. Die Wände lassen sich wie im Mauerwerksbau nachträglich anpassen, was potenzielle Umnutzungen erleichtert. Die Fassade ist komplett aus den BRIQs und sogar das Dach wurde in der TRQIBRIQ-Bauweise mit Mehrschichtholzplatten umgesetzt. Eigenen Angaben Edekas zufolge wurden durch den Einsatz des TRIQBRIQ-Systems rund 50 Prozent Kohlenstoffdioxid im Vergleich zur konventionellen Bauweise eingespart.

Weitere Supermarkt-Filialen aus diesen Holzbausteinen sind nun geplant.

Marktreife

Die Bausteine können über den Hersteller erworben werden.