Uni Zürich u.a. (2026): Pflanzenschutzmittel in Europas Böden

Uni Zürich u.a. (2026): Pflanzenschutzmittel in Europas Böden

Die europaweite Studie zeigt, dass 70 % der untersuchten Böden Pflanzenschutzmittelrückstände enthalten. Die Ergebnisse geben erstmals einen umfassenden Überblick über Verbreitung und Auswirkungen auf Biodiversität und Bodenfunktionen.

Eine Forscherin entnimmt und beschriftet Bodenproben auf einem Feld.

Ein internationales Forschungsteam hat 373 Bodenproben aus 26 europäischen Ländern analysiert. Untersucht wurden 63 gängige Pflanzenschutzmittel in landwirtschaftlich genutzten Flächen, Wiesen und Wäldern. In 70 % der Proben fanden sich Rückstände, am häufigsten Fungizide, gefolgt von Herbiziden und Insektiziden.

Die Studie belegt, dass Pflanzenschutzmittel nicht nur Zielorganismen beeinflussen, sondern auch nützliche Bodenorganismen wie Mykorrhiza-Pilze, Fadenwürmer, Bakterien und Einzeller. Veränderungen zeigten sich sowohl in der Artenzusammensetzung als auch in funktionellen Prozessen, etwa in Nährstoffkreisläufen. Teilweise persistieren Wirkstoffe über längere Zeit im Boden.

Das Forschungsteam empfiehlt, ökotoxikologische Bewertungen künftig stärker auf Lebensgemeinschaften und deren Funktionen auszurichten, um Auswirkungen auf Bodenökosysteme systematisch zu berücksichtigen. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift «Nature» und wurde von einem internationalen Konsortium aus zehn europäischen Forschungseinrichtungen erarbeitet, darunter die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Union (JRC), die Universität Vigo in Spanien, Agroscope sowie die Universität Zürich.

Originalstudie: Köninger, J., Labouyrie, M., Ballabio, C. et al. Pesticide residues alter taxonomic and functional biodiversity in soils. Nature 650, 367–373 (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09991-z