„Ohne Pflanzenzüchtung würden wir verhungern – auf die lange Sicht.“

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„Ohne Pflanzenzüchtung würden wir verhungern – auf die lange Sicht.“

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Für Prof. Gabi Krczal sind die Genomeditierung und RNA-Sprays das Highlight und die Zukunftstechnologie der Pflanzenzüchtung. Warum erklärt die Expertin der Pflanzenzüchtungsforschung mit Praxis-Beispielen im Interview. Prof. Dr. Gabi Krczal, Biologin und Chemikerin, ist Geschäftsführerin a. D. bei der RLP AgroScience GmbH in Neustadt an der Weinstraße. Krczal arbeitet seit vielen Jahren in der angewandten Pflanzenbiotechnologie und im Bereich „Neue Genomische Techniken“ (NGT) mit besonderem Fokus auf innovative Methoden der Pflanzenzüchtung und nachhaltige Pflanzenproduktion. 

"Bitte beenden Sie den Satz: Ohne Pflanzenzüchtungsforschung..." 

"...würden wir verhungern. Auf die lange Sicht."

"Ein Highlight der Pflanzenzüchtung..." 

"Also, Highlight in der Pflanzenzüchtung ist bestimmt der Bereich Genome Editing. Sie wissen sicher alle, wenn man klassisch züchtet, dauert das bei Gemüse 8 bis 10 Jahre, bis man eine neue Sorte hat. Bei Wein, bei Obst bis zu 30 Jahren. Die Zeit haben wir nicht mehr. Im Hinblick auf den Klimawandel und mit Genome Editing können wir ganz gezielt Veränderungen in der Pflanze induzieren, die auf der einen Seite ein Hochertrag bringen und auf der anderen Seite eine resiliente Pflanze erzeugen. Das heißt die Beschleunigung der Geschwindigkeit der Pflanzenzüchtung ist ein ganz, ganz wesentlicher Fortschritt, den wir auch brauchen, um unter den Konditionen des Klimawandels uns weiter nachhaltig zu ernähren."

"Haben Sie ein konkretes Beispiel, das dieses zukunftsträchtige Potenzial belegt?" 

"Ja, gut, wenn es um Genome Editing geht, kann man das Beispiel der Kultivierung der Wildtomate bringen. Tomaten haben wir alle bei uns fast täglich auf dem Teller. Die Kulturtomate unterscheidet sich in der Tat im Wesentlichen nur in sechs Genen von Wildtomaten. Um aber mit klassischer Züchtung aus einer Wildtomate eine Kultur Tomate zu machen, haben die Züchter Jahrzehnte gebraucht. Heute, wo man weiß, wo die Unterschiede liegen, kann man das mit einem einzigen Schritt in der Genomeditierung leisten. Das heißt: Jahrzehnte wirklich in ein Jahr packen, den Züchtungsfortschritt von Jahrzehnten in einem Jahr erreichen! Und das, denke ich, ist wirklich großartig, auch in Hinblick dessen, unter welchem Druck wir stehen, bessere Pflanzensorten auf den Markt zu bringen." 

"Aber der Markt ist doch voller verschiedener Pflanzensorten?"


"Noch sind die Supermärkte gefüllt, niemand sieht Bedarf an neuen Technologien, weil ja alles da ist. Aber diese Situation ist nicht selbstverständlich. Das kann sich durchaus in den nächsten Jahren verändern. Wenn wir es nicht schaffen, wirklich die Züchtung und den Pflanzenschutz voranzutreiben. Die Situation, die wir haben, ist gut, aber wir müssen viel tun, um diese Ernährungssituation für die Zukunft zu sichern. Und das sollte jedem klar sein, der heute im Supermarkt geht und das noch einkaufen will, was er jetzt sieht. Auch in zehn oder in 20 Jahren." 

"Was wir jetzt dringend brauchen ist..." 

"...ein schneller Fortschritt, um unsere Kulturpflanzen an den Klimawandel anpassen zu können und unsere Ernährung zu sichern."

"Die großen Herausforderungen derzeit sind...?" 

"...die sind administrativ, die liegen nicht in der Forschung. Die Forschung macht gute Fortschritte. Aber wir brauchen eine Gesetzeslage, die erlaubt, die Pflanzen, die wir mit diesen Methoden züchten, auch auf den Markt zu bringen." 

Vielen Dank für das Gespräch. Mehr zum Thema auf Bioökonomie.de

 

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