Newsletter

Link versenden
05.10.2015

Tierschutzpreis: Neuro-Krankheitsmodell ausgezeichnet

Alternativen zum Tierversuch sind gefragt wie nie. Das neue Deutsche Zentrum zum Schutz von Tierversuchen soll sich diesem Thema künftig widmen. Anlässlich der Eröffnung haben Konstanzer Wissenschaftler den Tierschutzforschungspreis für ihr Neuro-Krankheitsmodell erhalten.

Die Bundesregierung fördert seit Jahren die Entwicklung von Alternativmethoden, um Tierversuche zu reduzieren (im Bild: Wista-Ratte).
Die Bundesregierung fördert seit Jahren die Entwicklung von Alternativmethoden, um Tierversuche zu reduzieren (im Bild: Wista-Ratt

Tierversuche sind umstritten. Die Bundesregierung fördert daher seit Jahren die Entwicklung alternativer Tests. Anlässlich der Eröffnung des "Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren" wurde Ende September der mit 15.000 Euro dotierte Tierschutzforschungspreis vom Bundeslandwirtschaftsminiserium verliehen. Hiermit werden seit 2001 Innovationen gekürt, die dem Tierwohl dienen. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an das Team um Marcel Leist von der Universität Konstanz. Sie haben einen  In-vitro-Test als Krankheitsmodell für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson entwickelt, mit dem sich künftig viele Tierversuche ersetzen lassen.

Experimente mit Tieren sind heftig umstritten. Befürworter sehen darin die einzige Möglichkeit, die Unbedenklichkeit von bestimmten Behandlungsmethoden und Medikamenten für den Menschen zu testen. Gegner von Tierversuchen hingegen sind sich sicher, dass Tiermodelle nicht in jedem Fall geeignet sind, schädliche Wirkungen für den Menschen vorherzusagen. Vor allem Tierversuche im Rahmen der Grundlagenforschung stehen stark in der Kritik – wie Diskussionen um Affenexperimente in Bremen und Tübingen in der Vergangenheit gezeigt haben. Doch der Anblick von Mäusen, Kaninchen oder Affen, die als Versuchstiere in Laboren zum Wohl des Menschen leiden, stößt längst nicht nur bei Tierschützern auf Ablehnung. Kosmetikartikel, die an Tieren getestet wurden, sind innerhalb der Europäischen Union inzwischen tabu.  Vor zwei Jahren hat die EU-Kommission dieser Praxis einen Riegel vorgeschoben.

Alternative zum Tierversuch gefördert

Um Tierversuche auf ein Mindestmaß zu beschränken oder gänzlich zu ersetzen, fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) seit 2001 mit dem „Tierschutzforschungspreis“ die Entwicklung von Alternativen zum Tierexperiment. In diesem Jahr geht die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung an Forscher der Universität Konstanz. Dort hat das Team um den Biochemiker Marcel Leist ein Verfahren zur Untersuchung neurodegenerativer Erkrankungen entwickelt, mit dem sich Tierversuche in der Neuroforschung ersetzen lassen - etwa in der Grundlagenforschung sowie bei Arzneimitteltests in Pharmafirmen.

In-Vitro-Test erkennt Parkinson

Leist und sein Team haben dafür mit Hilfe von in-vitro Zellkulturen aus Nervenzellen ein Modell erstellt, um Interaktionen im Gehirn in der Petrischale testen zu können. Der Jury zufolge trägt das neue Verfahren dazu bei, Tierversuche weiter zu reduzieren. „Der Preis dokumentiert die Leistungsfähigkeit tierversuchsfreier Verfahren. Denn mit dem In-vitro-Krankheitsmodell können nun ursächliche Mechanismen untersucht und Arzneimittel getestet werden“, sagte der Vorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte, Kurt Simons, bei der Preisverleihung. Das Preiskuratorium schätzt, dass auf diese Weise auf bis zu 100.000 Versuchstiere in den nächsten zehn Jahren bei der Erforschung von Krankheiten wie Parkinson, Epilepsie und Alzheimer verzichtet werden kann.

Neues Tierschutz-Zentrum bündelt Alternativmethoden

Der 34. Tierschutzforscherpreis wurde anlässlich der Eröffnung vom Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren verliehen. „Unser Ziel war und ist es, den Einsatz von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken auf das unerlässliche Maß zu beschränken", betonte Bundesminister Christian Schmidt beim Festakt am 25 September in Berlin. Das beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) angesiedelte Zentrum soll die Forschungsförderung für Alternativmethoden bündeln. Die Eröffnung des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren sei, so der Minister  ein „richtungsweisender Schritt, den Tierschutz bei Versuchstieren in Deutschland und auch international umfassend und nachhaltig zu stärken."

Back to top of page