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16.11.2017

Stadtluft lässt Bäume schneller wachsen

Das wärmere Klima in Städten beschleunigt das Wachstum von Bäumen und lässt sie schneller altern, wie Münchner Forscher erstmals zeigen. 

Durch den sogenannten Wärmeinseleffekt wachsen die Bäume in der Stadt schneller als in ländlichen Gebieten. Allerdings altern sie dadurch auch schneller.
Quelle: 
TUM

Der Klimawandel und die globale Erwärmung beeinflussen nicht nur die Luftqualität und die Höhe des Meeresspiegels, sondern verändern auch das Wachstum von Pflanzen. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Technischen Universität München (TUM) konnte nun erstmals belegen, dass Bäume in Städten schneller wachsen als Bäume in ländlicher Umgebung. Für die Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Scientific Reports“ veröffentlicht  wurde, wurden Baumproben aus unterschiedlichen Metropolen und Klimaregionen analysiert: von Berlin über Brisbane bis Hanoi und Houston. Insgesamt nahmen die Forscher fast 1400 Proben von jeweils ortstypischen Baumarten ins Visier und untersuchten diese sowohl im Stadtzentrum als auch in der ländlichen Umgebung.

Wie kommen Bäume mit Stadtklima zurecht?

Nach Angaben der Vereinten Nationen wird die städtische Bevölkerung bis 2030 um mehr als 60% wachsen. Grünflächen und Stadtbäume können das Klima in Städten verbessern und zu Wohlbefinden und Gesundheit der Bewohner beitragen. Doch wie kommen Bäume in den Städten zurecht?  „Während die Auswirkungen des Klimawandels auf das Baumwachstum in Wäldern umfassend untersucht wurden, gibt es für Stadtbäume bislang kaum Informationen“, sagt Hans Pretzsch, Professor für Waldwachstumskunde an der TUM. Die aktuelle Studie gibt Antwort darauf.  Sie wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie von der Audi Stiftung für Umwelt unterstützt.

Wärmeinseleffekt lässt Bäume schneller wachsen

„Wir können zeigen, dass Stadtbäume bei gleichem Alter im Durchschnitt größer sind als ländliche Bäume, denn die Stadtbäume wachsen schneller“, sagt Pretzsch. Allerdings verringert sich dieser Unterschied mit zunehmendem Alter der Bäume. „Während der Unterschied im Alter von 50 Jahren noch etwa ein Viertel beträgt, sind es bei einem Baumalter von hundert Jahren immer noch knapp 20%.“ Die Ursache hierfür sei der sogenannte Wärmeinseleffekt. Dieser führt in Stadtzentren zu einer stärkeren Aufheizung und somit zu höheren Temperaturen. Verglichen mit der ländlichen Umgebung kann diese Temperatursteigerung zwischen drei und zehn Grad Celsius ausmachen. Höhere Temperaturen wiederum beeinflussen das Baumwachstum gleich doppelt: Sie regen die photosynthetische Aktivität an und verlängern die Vegetationsperiode, also die Zeitspanne im Jahr, in der Bäume wachsen können. Allerdings geht die Wachstumssteigerung auch mit einem schnelleren biologischen Altern der Bäume einher.

Klimawandel beschleunigt das Baumwachstum allgemein

Zusätzlich zu dem beschleunigten Baumwachstum in den Städten fanden die Forscher heraus, dass auch ländliche Bäume durch den Klimawandel seit den 1960er Jahren schneller wachsen. „Die allgemeine Wachstumsbeschleunigung bei allen Bäumen um rund 20 Prozent, über die wir in der aktuellen Studie berichten, ist vergleichbar mit früheren Befunden über Wälder. Dieser Effekt wurde auch in der landwirtschaftlichen Produktion beobachtet“, sagt Waldwachstumskundler Pretzsch. Offensichtlich gab und gibt es Änderungen der Umweltbedingungen, die ein beschleunigtes Baumwachstum über verschiedene Klimazonen hinweg fördern. „In diesem Zusammenhang werden neben der globalen Erwärmung auch Düngungseffekte durch die ansteigende atmosphärische CO2-Konzentration und vermehrte Stickstoffdepositionen als mögliche treibende Kräfte diskutiert.“

jmr

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