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10.04.2018

Ökolandbau allein reicht nicht aus

Ökologische und konventionelle Landwirtschaft müssen laut Göttinger Agrarökonomen Kompromisse finden, um die globale  Ernährung nachhaltig zu sichern.

Welche Art Landwirtschaft wird für nachhaltige Ernährungssicherung benötigt? Reisbauern in Indonesien.
Welche Art Landwirtschaft wird für eine nachhaltige Ernährungssicherung benötigt? Ökologischer Anbau oder herrkömmliche industrielle Landwirtschaft? Im Bild: Reisbauern in Indonesien.
Quelle: 
Stefan Schwarze

Ökologisch bewirtschaftete Felder und Wiesen sind nicht nur gut für Klima, Umwelt sowie Mensch und Tier. Gleichzeitig kann der Ökolandbau auch für Landwirte profitabel sein, wie erst kürzlich eine Studie zeigte. Der Trend zum Ökolandbau zeigt sich hierzulande auch in der Zunahme der nachhaltig bewirtschafteten Flächen und der wachsenden Nachfrage nach Bioprodukten. Doch hat der Ökolandbau auch das Potenzial die weltweiten Ernährungsprobleme von heute und morgen zu lösen? Und sind Bioprodukte tatsächlich gesünder als Erzeugnisse aus konventioneller Landwirtschaft? Antworten darauf liefert eine Studie, die soeben im Fachjournal „Annual Review of Resource Economics“ erschienenen ist.

Weltweite Effekte des Ökoanbaus

Forscher der Georg-August-Universität Göttingen haben darin in mehreren Teilen der Welt die Effekte des Ökolandbaus auf Klima, Umwelt und Gesundheit genauer untersucht. Grundlage bildeten rund 150 Einzelstudien und Meta-Analysen. Das Team um die Agrarökonomen Eva-Marie Meemken und Matin Qaim kommen zu dem Schluss: Nur eine Kombination von ökologischen und konventionellen Anbautechniken kann eine global nachhaltige Landwirtschaft garantieren.

Weniger Ertrag auf größerem Acker

Der Studie zufolge gehen Vorteile des Biolandbaus für Umwelt und Klima allerdings verloren, wenn die Effekte pro Produkteinheit statt pro Hektar Ackerfläche verglichen werden. Für Bioprodukte werden wegen der niedrigeren Erträge viel mehr Ackerflächen benötigt, als für die gleiche Menge konventionell hergestellter Produkte. Diese Ertragsunterschiede sind im Hinblick auf die weltweit wachsende Nachfrage nach nachhaltig erzeugten Produkten zu beachten. „Bisher wird weltweit nur ein Prozent der Ackerfläche nach den Regeln des Ökolandbaus bewirtschaftet. Wollte man zukünftig die ganze Welt mit Bioprodukten ernähren, bräuchte man deutlich mehr Fläche, was nur auf Kosten von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen möglich wäre“, sagt Matin Qaim.

Ökoprodukte in armen Ländern zu teuer

Außerdem kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass der Ökolandbau zur Ernährungssicherung in ärmeren Ländern ungeeignet ist, weil die Produkte im Vergleich zu herrkömmlich produzierten Waren viel teurer sind. „Für einheimische Grundnahrungsmittel gibt es in Entwicklungsländern aufgrund der niedrigen Einkommen bisher kaum einen Markt für teurere Bioprodukte“, sagt Eva-Marie Meemken.

Agrarsysteme dem Standort anpassen

Das Fazit der Göttinger Forscher: Die Vorteile des Ökolandbaus greifen nicht überall. Daher ist diese Form der Bewirtschaftung allein kein Leitbild für eine global nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Eben so wenig kann aber die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Chemikalieneinsatz ein Zukunftsmodell der Nachhaltigkeit sein. „Benötigt werden produktive und zugleich umweltfreundliche Systeme. Solche Systeme standörtlich angepasst zu entwickeln, erfordert die intelligente Kombination von Methoden des Ökolandbaus und der konventionellen Landwirtschaft – auch unter Berücksichtigung ganz neuer Technologien“, argumentieren die Forscher.

bb

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