Neues Zentrum für Agrardaten aus dem All

Neues Zentrum für Agrardaten aus dem All

In Braunschweig etabliert das Julius-Kühn-Institut ein Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF). Hier laufen fortan Satellitendaten zur Bodenerkundung zusammen.

sentinel-2-satellit vor dem Start ins All- landwirtschaftliche Fernerkundung
Mit dem erfolgreichen Start des Sentinel-2B-Satelliten ist das Fernerkundungsquartett der ESA im All komlett.

Satellitendaten aus dem All eröffnen der Landwirtschaft völlig neue Wege zur Bodenerkundung. Industrie und Forschung haben das Potenzial der Daten erkannt und erste Bündnisse mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA geschlossen. Mit dem Start des ESA-Satelliten Sentinel2B Anfang März ist das „Wächter-Quartett“ im All nun komplett. Die im Rahmen des Europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus entwickelten Satelliten, zwei Radarsatelliten und zwei optische Satelliten mit multispektralen Kameras, werden nunmehr regelmäßig alle ein bis drei Tage die Erde umfliegen und noch präziser als bisher die gesamte Oberflächen vermessen und Daten zur Vegetation liefern.

Um die dabei anfallenden Daten für die Landwirtschaft optimal zu nutzen wird das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen am Julius-Kühn-Institut in Braunschweig ein „Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung“ etablieren. „Wir fangen gerade erst an, das Potenzial dieser Datenfülle für unsere Fragestellungen zu erschließen und es laufen bereits jetzt schon die Planungen für die nächste Generation der Sentinel-Satelliten ab 2030“, sagt JKI-Forscher und FLF-Koordinator Holger Lilienthal.

Anlaufstelle für Politik und Fachinstitute

Das neue Institut sieht sich dabei als Ansprechpartner für die Politik als auch Anlaufstelle für andere Fachinstitute beim Thema Fernerkundung. „Viele interessante Forschungsergebnisse landen derzeit nach Beendigung eines Projektes in der Schublade, da die dafür zeitlich befristet eingestellten Personen nicht weiter finanziert werden können. Die Übertragung und Anwendung auf größere Regionen oder gar das gesamte Bundesgebiet findet nicht statt“, erklärt Lilienthal die Dringlichkeit es solchen Instituts.

Doppelt so viele mehr Daten als bisher

Sentinel-2B wird dabei mit dem Satelliten Sentinel-2A im Tandem zusammenarbeiten. Nunmehr können schneller und doppelt so viele Daten als bisher über die Erdoberflächenbedeckung geliefert werden. In einem zeitlichen Anstand von 50 Minuten wird das Duo unterschiedliche Details scannen und zu einem Gesamtbild zusammensetzen.

Die Kulturpflanzenforscher vom JKI wollen am neuen Fernerkundungsinstitut aus den Rohdaten der Satelliten nicht nur neue Fragestellungen  zum Thema Nutzpflanzen entwickeln. Auch Kooperationen mit anderen Einrichtungen sind geplant. So sollen Informationen zur Agrarstatistik an DeStatis, zur Agrarmeteorologie an den Deutscher Wetterdienst und zur Agrarökonomie dem Thünen-Institut bereitgestellt werden.

bb