Wie Mikroben aus Kohlendioxid und Methan neue Rohstoffe machen
Abgase und Restströme könnten zur Rohstoffquelle werden. Forschende der Ruhr-Universität Bochum zeigen, wie Mikroben und Enzyme CO2, Methan und Methanol in wertvolle Chemikalien umwandeln könnten und wo der Weg in die Industrie noch stockt.
CO2, Methan und Methanol gelten meist als Klimaproblem oder als schwer nutzbare Zwischenprodukte. Für die Bioökonomie könnten sie jedoch zu wichtigen Kohlenstoffquellen werden. Ein internationales Team der Ruhr-Universität Bochum zeigt in einem Nature Communications Übersichtsarbeit, wie sich solche C1-Bausteine mithilfe von Enzymen und Mikroorganismen in wertvolle Chemikalien überführen lassen und welche Ansätze der industriellen Nutzung schon näherkommen.
Von C1-Bausteinen zu neuen Produkten
Mit C1-Bausteinen sind Moleküle mit nur einem Kohlenstoffatom gemeint, etwa Kohlendioxid, Methan, Methanol oder Ameisensäure. Sie können aus Industrieabgasen, Biomasse oder Abfällen stammen. Der Beitrag ordnet verschiedene Wege ein, diese Stoffe biotechnologisch weiterzuverarbeiten. Dazu zählen einzelne Enzyme, Enzymkaskaden, natürliche Mikroorganismen und gentechnisch angepasste Produktionsorganismen. Es geht also nicht um ein einzelnes neues Verfahren, sondern um eine Zwischenbilanz des Feldes.
Auffällig ist der Blick auf neue Patente. Laut der Analyse gab es im April 2025 bereits mehr als 130 erteilte Patentfamilien zu Enzymen und C1-Verbindungen wie CO2, Methan, Formaldehyd und Methanol. In einer engeren Auswertung identifizierte das Team 60 Patente zu Anwendungen wie Biokraftstoffen, Fettsäuren oder anderen Plattformchemikalien. Das zeigt, dass aus der Grundlagenforschung längst ein Feld mit erkennbarem wirtschaftlichem Interesse geworden ist.
Was noch für die Praxis fehlt
Der Weg vom Labor in die industrielle Anwendung ist lang, wird aber immer öfter erfolgreich beschritten. Der Nature Communications Artikel verweist zum Beispiel auf LanzaTech. Das Unternehmen setzt bereits Industrieabgase mithilfe von Mikroorganismen zu Ethanol um. Die erste kommerzielle Anlage in China wird mit einer Jahreskapazität von 46.000 Tonnen Ethanol beschrieben. Weitere Beispiele zeigen, CO2-basierte mikrobielle Produktionssysteme zunehmend in Richtung Markt gedacht werden Hier nennt der Artikel Unternehmen wie Solar Foods, Econutri oder Arkeon.
In anderen Bereichen bleibt der Abstand zwischen Forschung und Industrie derzeit noch groß. Vor allem künstlich entworfene Stoffwechselwege sowie zellfreie oder hybride Systeme sind technologisch noch wenig ausgereift. Ihnen fehlen bislang Skalierung, robuste Prozessführung und oft auch die Produktivität etablierter Verfahren. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Reaktoren, Energieversorgung und die Aufarbeitung der Produkte. Der Übersichtsartikel zeigt Raum für Forschung und Entwicklung auf, um Kohlenstoff aus Abgasen und Restströmen künftig besser im Kreislauf gehalten werden könnte, statt dafür zusätzliche Rohstoffe einzusetzen.
ag