Wachsender Textilmarkt eröffnet Chancen für biobasierte Fasern

Wachsender Textilmarkt eröffnet Chancen für biobasierte Fasern

Die globale Textilproduktion wächst weiter und wird vor allem von synthetischen Fasern geprägt. Ein aktueller Branchenbericht zeigt, dass biobasierte Alternativen bisher kaum verbreitet sind, aber ein großes Potenzial für eine fossilärmere Materialbasis bieten.

Textilrecycling
Berge aus Alttextilien zeigen die Herausforderung der Textilkreisläufe. Biobasierte Rohstoffe könnten langfristig helfen, fossile Materialien in Fasern zu ersetzen.

Die weltweite Textilproduktion wächst weiter und bleibt stark von fossilen Rohstoffen abhängig. Das zeigt ein aktueller Bericht zur globalen Fasernachfrage. Demnach wird der Markt zunehmend von synthetischen Materialien geprägt, während Recycling und biobasierte Alternativen bisher nur eine kleine Rolle spielen. Für die Bioökonomie eröffnet diese Entwicklung die Frage, wie sich fossiler Kohlenstoff in der Textilproduktion langfristig durch biogene Rohstoffe ersetzen lässt.

Synthetische Fasern prägen den globalen Textilmarkt

Der Bericht beziffert die weltweite Faserproduktion auf mehr als 130 Millionen Tonnen im Jahr. Rund zwei Drittel davon entfallen auf synthetische Fasern, vor allem Polyester. Dieses Material ist kostengünstig, vielseitig einsetzbar und deshalb zur dominierenden Textilfaser geworden. Gleichzeitig basiert seine Herstellung überwiegend auf fossilen Rohstoffen.

Auch beim Recycling zeigt sich noch eine große Lücke. Nur ein kleiner Teil der weltweit produzierten Fasern stammt aus recycelten Materialien. Ein Großteil des recycelten Polyesters wird zudem aus gebrauchten PET-Flaschen hergestellt und nicht aus alten Textilien. Geschlossene Kreisläufe im Textilbereich sind daher bisher selten.

Biobasierte Alternativen spielen im Markt bislang kaum eine Rolle. Zwar existieren bereits Verfahren, um Bausteine synthetischer Fasern aus pflanzlicher Biomasse oder anderen erneuerbaren Kohlenstoffquellen zu gewinnen. Ihr Anteil an der weltweiten Faserproduktion bleibt jedoch sehr gering.

Biogene Rohstoffe als neue Kohlenstoffquelle für Fasern

Gerade hier sehen viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen einen wichtigen Ansatzpunkt für die Bioökonomie. Biobasierte Ausgangsstoffe könnten fossile Rohstoffe teilweise ersetzen und damit die Kohlenstoffbasis synthetischer Fasern verändern, ohne deren Eigenschaften grundsätzlich zu verändern.

Ein Beispiel ist die Herstellung chemischer Bausteine für Polyester aus Holz oder anderen biogenen Rohstoffen. Unternehmen wie der finnische Forstkonzern UPM entwickeln entsprechende Plattformchemikalien in industriellem Maßstab. In der Bioraffinerie in Leuna sollen künftig biobasierte Glycole und andere Chemikalien produziert werden, die auch in der Textilindustrie eingesetzt werden könnten.

Der Bericht macht deutlich, dass solche Lösungen bislang erst am Anfang stehen, jedoch großes Potential bieten. Damit biobasierte Materialien im Textilsektor stärker Fuß fassen können, werden neben technologischen Fortschritten auch neue Lieferketten, Investitionen und politische Rahmenbedingungen benötigt.

ag