Vom Moor in den Kleiderschrank
In Großbritannien entsteht auf 30 Hektar eine Demonstrationsfläche für Paludikultur. Der dort angebaute Rohrkolben soll als pflanzlicher Füllstoff für Kleidung genutzt werden.
Was auf einem wiedervernässten Moor wächst, könnte künftig häufiger in Jacken und anderen Textilien stecken. Das britische Biomaterial-Unternehmen Ponda will Rohrkolben (Typha latifolia) im größeren Maßstab anbauen und die Pflanzenfasern zu seinem Isolations- und Füllmaterial BioPuff verarbeiten. Dafür startet gemeinsam mit mehreren Partnern ein 30-monatiges Demonstrationsprojekt in Großbritannien.
Auf einer Fläche von 30 Hektar soll Rohrkolben auf wiedervernässtem Moorboden kultiviert werden. Diese Form der Bewirtschaftung wird Paludikultur genannt. Anders als bei der klassischen landwirtschaftlichen Nutzung bleiben die Flächen dabei nass. Zugleich können Pflanzen wie Rohrkolben oder Schilf als nachwachsende Rohstoffe genutzt werden. Ponda will mit dem Projekt zeigen, dass sich daraus eine wirtschaftlich tragfähige Lieferkette für Biomaterialien entwickeln lässt.
Pflanzenfasern statt Daunen und Kunststofffüllung
Im Zentrum steht BioPuff, ein von Ponda entwickeltes pflanzliches Isolationsmaterial für Kleidung und Accessoires. Dafür werden Fasern aus Rohrkolben gewonnen und zu einer leichten, wärmedämmenden Füllung verarbeitet. Das Material soll den Einsatz von tierischen Daunen und synthetischen Füllstoffen verringern. Ponda nennt unter anderem Berghaus und Stella McCartney als bisherige Kooperationspartner für Anwendungen des Materials.
An dem neuen Vorhaben sind neben Ponda der Landwirtschaftsbetrieb J&K Barnard Farms, die Liverpool John Moores University, der Lancashire Wildlife Trust, Finance Earth und der Outdoorhersteller Berghaus beteiligt. Gefördert wird das Projekt mit 2,4 Mio. Pfund über das Farming Innovation Programme des britischen Department for Environment, Food & Rural Affairs (Defra) und Innovate UK.
Vom Moor zur neuen Wertschöpfungskette
Die Besonderheit des Projekts liegt in der Verbindung von Moorwiedervernässung und stofflicher Nutzung. Entwässerte Moorböden setzen große Mengen Treibhausgase frei. Werden sie wiedervernässt, können die Emissionen reduziert werden. Gleichzeitig lassen sich speziell angepasste Pflanzen wie Rohrkolben weiterhin ernten und wirtschaftlich nutzen.
Genau hier setzt das Vorhaben an. Neben Anbau und Ernte sollen auch Verarbeitung, Lieferkette und wirtschaftliche Nutzung im größeren Maßstab erprobt werden. Nach Angaben der Projektpartner könnte die 30-Hektar-Fläche zu einer der weltweit größten Demonstrationen für Rohrkolben-Paludikultur werden.
ag