Vier Kosmetikwirkstoffe aus Pflanzenzellen erreichen den Markt
Im EU-Projekt InnCoCells wurden pflanzliche Zellkulturen und kontrollierte Anbausysteme zu einer verlässlicheren Quelle neuer Kosmetikwirkstoffe. Vier Inhaltsstoffe sind bereits am Markt.
Kosmetikwirkstoffe aus Pflanzen gelten als natürlich, sind in der Praxis aber oft schwer gleichbleibend zu liefern. Wetter, Boden und Erntezeitpunkt beeinflussen die Zusammensetzung der Rohstoffe. Genau hier setzt das EU-Projekt InnCoCells an. Ziel des Konsortium war es, pflanzliche Inhaltsstoffe nicht nur zu entdecken, sondern auch so zu produzieren, dass Qualität, Sicherheit und Wirkung verlässlich belegt sind. Nun meldet der Forschungs- und Entwicklungsinformationsdienst der Europäischen Gemeinschaft, CORDIS, den Markteintritt von vier Wirkstoffen aus kontrollierten Pflanzenzellkulturen, die im Rahmen des aus dem InnCoCells Projektes entwickelt wurden. Weitere mehr als zehn Kandidaten haben bereits ein fortgeschrittenes vorkommerzielles Stadium erreicht.
Vom Labor in die Hautpflege
InnCoCells wurde von der VTT Technical Research Centre of Finland koordiniert und lief von 2021 bis 2025 im EU-Programm Horizon 2020. Beteiligt waren 17 Partner aus elf Ländern. Genutzt wurden Pflanzenzellkulturen in Bioreaktoren, Wurzelkulturen, aeroponische Systeme sowie Pflanzen aus Gewächshaus und Feld. Laut CORDIS kamen bereits vier neue Wirkstoffe auf den Markt. Sie sollen unter anderem gegen fahle Haut, Pigmentflecken, Hautalterung sowie gegen UV-bedingte Schäden helfen. Verwendet wurden dafür Zellkulturen aus Jasmin, Ysop, Pfingstrose und Wacholder. Das Projekt prüfte außerdem über 100 Extrakte aus mehr als 90 Pflanzenarten auf ihre Wirkung bei 20 hautbezogenen Biomarkern. Rund 25 Extrakte erwiesen sich als vielversprechend genug für die Weiterentwicklung.
Skalierung für den Markt
Für die Bioökonomie ist der Schritt zur marktnahen Produktion besonders interessant. Viele pflanzliche Rohstoffe sind nur begrenzt verfügbar oder schwanken stark in ihrer Zusammensetzung. Zellkulturen aus dem Bioreaktor können hier eine planbarere Alternative bieten. CORDIS verweist etwa auf dänisches Löffelkraut, dessen Zellkulturen antimikrobielle, entzündungshemmende und gegen Hautalterung gerichtete Effekte zeigten. Zugleich arbeitete das Projekt an der Skalierung. Ausgewählte Linien wurden bis auf 300 und 1.000 Liter hochgefahren. Zusätzlich nutzte das Konsortium Reststoffe wie Ingwerpresskuchen oder Schnittreste aus dem Olivenanbau. Gerade letzteres Material zeigte laut CORDIS eine starke Wirkung gegen lichtbedingte Hautalterung und steigerte in Tests die Kollagenbildung um 25 Prozent. Nach Angaben des Projekts wurden die Prozesse außerdem durch Lebenszyklusanalysen und technoökonomische Bewertungen begleitet, um Umweltwirkung und Wirtschaftlichkeit früh mitzudenken. Eine begleitende Übersichtsarbeit beschreibt InnCoCells zudem als erstes Horizon-Projekt, das gezielt nachhaltige pflanzenbasierte Kosmetikinhaltsstoffe mit wissenschaftlich belegter Wirkung entwickelt. Damit zeigt der Verbund, wie Pflanzenbiotechnologie aus wenig genutzten Arten und Nebenströmen marktfähige Produkte für die Konsumgüterindustrie machen kann.
ag