Ungewöhnlicher Rohstoff macht Lacke nachhaltiger

Ungewöhnlicher Rohstoff macht Lacke nachhaltiger

Ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen will Phytinsäure aus Schweinegülle und anderen Reststoffen für Korrosionsschutzlacke nutzbar machen. Das könnte fossile und kritische Zusatzstoffe in Beschichtungen teilweise ersetzen.

LArbeit im Labor des Familienunternehmens OELLERS
Im Labor der Farbenfabrik OELLERS wird untersucht, wie aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Schweinegülle hochwertige Korrosionsschutzlacke hergestellt werden können.

Lacke schützen Stahl, Holz und Beton und enthalten dafür häufig Zusatzstoffe, die aus Erdöl gewonnen werden. Genau das will die Farbenfabrik OELLERS aus Aldenhoven in Nordrhein-Westfalen ändern. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein (HSNR) und dem Sondermaschinenbauer 3WIN ein Verfahren entwickelt, bei dem zentrale Funktionsstoffe für Korrosionsschutzlacke aus einem unerwarteten Rohstoff gewonnen werden: Schweinegülle. Die Ergebnisse zeigen, dass biobasierte Lacke fossile Rohstoffe ersetzen können, ohne Qualität oder Leistungsfähigkeit einzubüßen.

Phytinäure aus Gülle als Korrosionsschutz

Der Schlüssel liegt in der Phytinäure, einer organischen Säure, die in Getreide und Hülsenfrüchten vorkommt und über die Nahrung in großen Mengen in Schweinegülle gelangt. Mit Hilfe von Enzymen lässt sich diese Säure aus der Gülle extrahieren und der darin enthaltene Phosphor als Bindemittel in Lacken nutzbar machen. Im Forschungsprojekt „P-REx“, das vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Bund gefördert wird, erproben die Lackingenieure der Farbenfabrik OELLERS im hauseigenen Labor, welche Modifikation der Phytinäure die besten Ergebnisse erzielt. Ein Schwesterprojekt namens „BioPhosCoat“ an der HSNR untersucht darüber hinaus weitere Wege, phosphorhaltige Verbindungen biobasiert für Lacke nutzbar zu machen.

Das ist nicht nur aus ökologischer Sicht interessant. Schweinegülle fällt in der Landwirtschaft in enormen Mengen an und gilt als Abfallprodukt, das oft kostenaufwendig entsorgt werden muss. Wird„P-REx“ ein Erfolg, werden landwirtschaftliche Reststoffe zur Basis moderner Industrieprodukte.

Traditionsunternehmen auf Kurs zur Biobasierung

Die Farbenfabrik OELLERS ist seit 1949 in Familienhand und seit Jahren dabei, ihre Produkte konsequent nachhaltiger zu gestalten. Geschäftsführer Paul Oellers, der das Unternehmen in zweiter Generation leitet, setzt bereits erfolgreich auf nachwachsende Rohstoffe wie Alkydharze und Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen. Die Projekte P-REx und BioPhosCoat sind für ihn die logische Fortführung dieses Weges. Die Relevanz der Arbeit wurde im Februar 2026 auch auf politischer Ebene anerkannt: Mona Neubaur, Stellvertretende Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), besuchte im Rahmen ihrer „NRW Innovation Tour“ das Unternehmen und informierte sich persönlich über den Projektfortschritt.

Ob und wann die biobasierten Lack-Rohstoffe in den regulären Produktionsprozess übernommen werden, hängt von weiteren Laborergebnissen ab. Die bisherigen Fortschritte machen jedoch deutlich, dass eine marktfähige Lösung in Reichweite ist. Die Forschung passt zu der wachsenden Nachfrage nach nachhaltigen Bauprodukten und den EU-weiten Bemühungen, den Einsatz fossiler Rohstoffe zu reduzieren.

ag