traceless startet Produktion von Kunststoffalternativen
In Hamburg-Harburg skaliert traceless die Herstellung von Naturpolymer-Granulaten aus Agrarreststoffen. Die Anlage soll bis zu 3.000 Tonnen Kunststoffersatz pro Jahr liefern.
Verpackungen, Beschichtungen oder Einwegartikel brauchen Materialien, die sich industriell gut verarbeiten lassen und zugleich weniger fossile Rohstoffe einsetzen. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Hamburger Unternehmen traceless materials an. Das Bioökonomie-Scale-up stellt aus Nebenprodukten der Getreideverarbeitung Granulate her, die sich mit gängigen Verfahren wie Extrusion oder Spritzguss verarbeiten lassen. Am 13. Mai 2026 hat traceless in Hamburg-Harburg seine erste großtechnische Produktionsanlage eröffnet. Nach Unternehmensangaben entstehen dort erstmals industrielle Kapazitäten für diese naturbasierten Kunststoffalternativen.
Agrarreststoffe werden zu formbarem Granulat
Als Rohstoff nutzt traceless pflanzliche Reststoffe aus der Agrarindustrie, genauer Nebenprodukte der industriellen Getreideverarbeitung. Darin enthaltene Naturpolymere wie Stärke, Cellulose, Lignin oder Proteine werden mit einem patentierten Verfahren herausgelöst, ohne ihre natürliche chemische Struktur zu verändern. Aus ihnen entstehen Granulate, die sich auf bestehenden Anlagen thermoplastisch verarbeiten lassen, etwa durch Extrusion oder Spritzguss.
Das Material ist biobasiert und nach Angaben von traceless kompostierbar. Wichtig für die Positionierung des Unternehmens ist außerdem die Abgrenzung zu klassischen Kunststoffen: traceless verweist darauf, dass die Granulate auf natürlichen, unveränderten Polymeren aus pflanzlichen Reststoffen beruhen und deshalb nach seiner Einordnung nicht unter den Kunststoffbegriff fallen. Als Zielmärkte nennt das Unternehmen unter anderem Einwegartikel, Verpackungen, Papierbeschichtungen und Klebstoffe.
Auch die Klimabilanz ist ein zentrales Verkaufsargument. Gegenüber herkömmlichen Kunststoffen sollen Herstellung und Entsorgung des Materials laut einer von traceless genannten Lebenszyklusanalyse 91 Prozent weniger CO₂-Emissionen verursachen.
Skalierung beginnt in Harburg
Die neue Anlage umfasst rund 4.000 Quadratmeter und bündelt Produktion, Produkt- und Technologieentwicklung, Vertrieb, Logistik und Verwaltung an einem Standort. Die geplante Jahreskapazität liegt bei rund 3.000 Tonnen traceless-Material. Zu den ersten Kunden und Partnern zählen der Papier- und Verpackungshersteller Mondi, der Versandhändler OTTO und der Distributionspartner Biesterfeld. Nach Angaben des Unternehmens sind zentrale Anlagenbereiche bereits in Betrieb, die Produktion soll in den kommenden Monaten schrittweise hochgefahren werden.
Das Investitionsvolumen liegt bei mehr als 20 Millionen Euro. Rund ein Viertel der Kosten wurde über das Umweltinnovationsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert. traceless wurde 2020 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 110 Mitarbeitende. Mit der neuen Anlage verlässt das Unternehmen die reine Start-up-Phase und bereitet die industrielle Belieferung erster Kunden vor. Die bisherige Pilotanlage in Buchholz in der Nordheide soll an den neuen Standort verlagert werden. Eine größere Folgeanlage ist bereits in Planung.
ag