Superabsorber aus Cellulose statt Erdöl
Das finnische Start-up Elea & Lili will fossile Superabsorber in Windeln und Agrarprodukten durch Cellulose ersetzen. 2,5 Millionen Euro sollen helfen, die mikroplastikfreie Alternative zur Marktreife zu bringen.
Saugmaterialien in Windeln oder in Produkten zur Wasserspeicherung im Boden wirken unscheinbar, sind aber für Alltag und Landwirtschaft zentral. Meist handelt es sich um fossile Superabsorber, also Polymere, die sehr große Mengen Flüssigkeit binden können und als langlebige Kunststoffreste problematisch sind. Das finnische Start-up Elea & Lili will diesen Baustein nun durch eine cellulosebasierte Alternative ersetzen. Für die Kommerzialisierung hat das aus dem Forschungszentrum VTT hervorgegangene Unternehmen jetzt 2,5 Millionen Euro Seed-Kapital eingeworben. VTT hat die zugrunde liegende Technologie und die Schutzrechte an die Neugründung übertragen.
Ersatz für einen kritischen Windel-Baustein
Im Mittelpunkt steht ein sogenannter Cellulose Super Absorbent, kurz CSA. Das Material soll die herkömmlichen Superabsorber in Einwegwindeln ersetzen, die heute laut VTT den letzten nicht biologisch abbaubaren Kernbestandteil moderner Windeln bilden. Nach Angaben des Unternehmens ist CSA biologisch abbaubar, mikroplastikfrei und mit bestehenden Windel-Produktionslinien kompatibel. Die Aufnahmeleistung sei mit konventionellen SAP vergleichbar, zudem habe das Material Sicherheits- und Hautverträglichkeitstests nach relevanten ISO-Standards durchlaufen. Erste Anwendungen zielen auf Hygieneprodukte und auf die Landwirtschaft. Dort werden absorbierende Polymere eingesetzt, um Wasser und Nährstoffe länger im Boden zu halten.
Druck aus Markt und Regulierung
Für den Agrarbereich bekommt der Ansatz zusätzlichen Rückenwind durch neue Vorgaben in der Europäischen Union. Nach der Verordnung (EU) 2023/2055 gelten für Düngemittel sowie weitere Produkte für Landwirtschaft und Gartenbau Übergangsfristen. Ab dem 17. Oktober 2028 greift die Beschränkung für bestimmte absichtlich zugesetzte synthetische Polymermikropartikel in diesen Produktgruppen. Genau hier setzt Elea & Lili mit einem biologisch abbaubaren Material auf Cellulosebasis an. Das frische Kapital soll laut VTT in die Pilotproduktion, die industrielle Validierung, erste Windelprodukte und Feldversuche in der Landwirtschaft fließen. Ob daraus rasch ein neuer Standard wird, ist offen. Skalierung, Kosten, Lieferketten und die Einbindung in bestehende Wertschöpfungsketten bleiben anspruchsvoll. Für die Bioökonomie ist der Fall dennoch spannend, weil hier kein Nischenprodukt entsteht, sondern ein biobasierter Ersatzstoff für einen global genutzten Funktionswerkstoff.
ag