Start-up skaliert Kasein aus Präzisionsfermentation

Start-up skaliert Kasein aus Präzisionsfermentation

Standing Ovation bereitet den US-Start für Kasein aus Präzisionsfermentation vor. Das Milchprotein soll Käse, Joghurt und andere Produkte strukturieren und Molkereinebenströme nutzen.

Produktbild Standing Ovation
Fermentationsanlagen können Milchproteine wie Kasein herstellen, ohne das Protein direkt aus Kuhmilch zu gewinnen.

Kasein ist das mengenmäßig wichtigste Milchprotein. Ein Liter Kuhmilch enthält etwa 28 Gramm davon. Es sorgt dafür, dass Käse Struktur bekommt, Joghurt cremig wirkt und viele Milchprodukte ihre typischen Eigenschaften entwickeln. Das französische Unternehmen Standing Ovation will diesen Inhaltsstoff mit Präzisionsfermentation herstellen und hat dafür eine Finanzierungsrunde über 30 Mio. Euro abgeschlossen.

Bei der Präzisionsfermentation werden Mikroorganismen so verändert, dass sie gezielt ein bestimmtes Protein produzieren. Standing Ovation beschreibt sein Verfahren als patentierte Technologie, die landwirtschaftliche Zucker und Molke beziehungsweise Molkepermeat nutzt. Damit greift das Unternehmen auch auf Nebenströme der Molkereiindustrie zurück, die bisher oft nur einen geringen Wert haben.

Partner aus der Lebensmittelindustrie investieren

Die Finanzierungsrunde wird von Bpifrance und Crédit Mutuel Innovation angeführt. Mit Danone Ventures, Bel Group und weiteren Investoren sind auch Partner aus der Lebensmittelbranche beteiligt. Das stärkt das Start-up beim nächsten Schritt vom entwickelten Fermentationsprozess zur industriellen Produktion und Markteinführung.

Standing Ovation positioniert sein Produkt unter dem Namen Advanced Casein als funktionelle Zutat für Lebensmittelhersteller. Das Protein soll ernährungsphysiologische, geschmackliche und technologische Eigenschaften bieten, die konventionellem Kasein nahekommen. Nach Unternehmensangaben verfügt Standing Ovation über acht Patentfamilien. Eine nach ISO-Regeln erstellte Lebenszyklusanalyse beziffert die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu tierischem Kasein um 74 Prozent niedriger; der Wasserverbrauch soll bis zu dreimal geringer sein.

US-Markt als erster Schritt

Die neuen Mittel sollen vor allem den Markteintritt in Nordamerika vorbereiten. Für die USA strebt Standing Ovation eine positive Rückmeldung der US-Lebensmittelbehörde FDA zum GRAS-Status an. GRAS steht für „Generally Recognized as Safe“ und bezeichnet Zutaten, die für die vorgesehene Verwendung als sicher gelten. Das Unternehmen will dafür eine behördliche Bestätigung einholen und setzt nicht allein auf eine Selbstbewertung. Ein entsprechender FDA-Brief wird laut CEO Yvan Chardonnens bis Ende 2026 erwartet.

Die Vermarktung in Europa und Asien ist nach Unternehmensangaben ab Ende 2027 geplant, abhängig von den jeweiligen Zulassungsverfahren. Eigene große Produktionsanlagen will Standing Ovation zunächst nicht aufbauen, sondern mit bestehenden Fermentationsherstellern zusammenarbeiten. Damit rückt nun weniger die Laborentwicklung in den Vordergrund als die industrielle Umsetzung: Rohstoffversorgung, Kosten, Anlagenbetrieb und eine gleichbleibende Produktqualität müssen auch bei größeren Mengen zusammenpassen.

ag