Sekundärrohstoffe statt Abfall
Wie lassen sich Schadstoffe entfernen und wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen? Fraunhofer zeigt auf der IFAT praxistaugliche Verfahren von regenerierbaren Adsorberharzen bis zu Biomining.
Auf der IFAT, der internationalen Fachmesse für Umwelttechnologien, treffen sich in München alle zwei Jahre Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, dieses Jahr vom 4. bis 7. Mai 2026. Dort präsentieren sie innovative Lösungen aus den Bereichen Wasser, Recycling und Zirkularität.
Technologien für Wasser und Reststoffe
Die Fraunhofer-Gesellschaft und die Fraunhofer-Allianz SysWasser präsentieren unter dem Leitmotiv „Water, Energy, Circularity“ ihre jüngsten Technologien für eine klimafeste, widerstandsfähige Zukunft. Vier ausgewählte Exponate zeigen exemplarisch, wie angewandte Forschung konkrete Lösungen für die Kreislaufwirtschaft liefert.
Das Fraunhofer UMSICHT adressiert das Problem von Spurenstoffen wie Arzneimittelrückständen im Abwasser. Membranfiltration wird hier mit Adsorberharzen und Aktivkohle kombiniert. Die Harze binden Schadstoffe und lassen sich vor Ort regenerieren, wodurch Materialverbrauch, Abfall und Energiebedarf deutlich sinken.
Das Fraunhofer IKTS arbeitet im Innovationscluster abonocare an Verfahren zur Wiederverwendung ungenutzter organischer Reststoffe aus Branchen wie der Düngemittel- oder Lebensmittelproduktion. Ziel ist die Rückgewinnung von Nährstoffen und organischen Reststoffen aus Klärschlamm, Gärresten oder Lebensmittelabwässern. Konkret bringt das IKTS seine Expertise in Prozess- und Reaktionstechnik, Werkstoffentwicklung und Skalierung ein.
Mikroorganismen und Verbundwerkstoffe im Kreislauf
Dieses Jahr legt das Fraunhofer IGB auf der IFAT seinen Fokus auf das Recycling von Elektroschrott. Elektrische Geräte wie Laptops und Smartphones enthalten wertvolle Rohstoffe, die bislang aber in linearen Entsorgungswegen verloren gehen. Die Entsorgung von Elektroschrott bringt gravierende Folgen mit sich, die Umwelt und Gesundheit belasten. Da die Nachfrage nach Seltenen Erden gleichzeitig steigt, ist das Recycling solcher Reststoffe von großer Bedeutung. Am Fraunhofer IGB werden Biomining-Prozesse entwickelt, bei denen Mikroorganismen Metalle aus Erzen, Schlämmen oder Elektroschrott lösen. Die so gewonnenen Metallkonzentrate werden anschließend technisch aufbereitet und als Sekundärrohstoffe wieder industriell nutzbar gemacht.
Im EU-Projekt RECREATE entwickelt das Fraunhofer IWU trennbare Klebverbindungen, zerstörungsfreie Prüf- und Demontageverfahren sowie Designs für wiederverwendbare Faserverbundstrukturen, damit Windkraftrotorblätter stofflich verwertbar werden. Ziel ist, Rotorblattsegmente so zu konstruieren und zerlegbar zu machen, dass Fasern und Materialien ohne großen Energieaufwand zurückgewonnen werden können.
Die Gemeinsamkeit dieser Ansätze ist, dass sie in Prozessketten denken. Dazu gehören die Trennung und Aufbereitung, die anschließende Rückführung der Stoffe sowie die wirtschaftliche Umsetzung.
Die auf der IFAT vorgestellte Forschung ist deshalb so wichtig, weil sie ökologische Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz verbindet. Angesichts des wachsenden Drucks auf Ressourcen, vor allem Wasser, gewinnen Technologien, die Kreisläufe schließen und Materialflüsse optimieren, deutlich an Bedeutung.
mw