Pilzbasierte Beschichtung für die Textilindustrie

Pilzbasierte Beschichtung für die Textilindustrie

Ein Forschungsprojekt der Hochschule Hof nutzt Pilzreste zur Herstellung biobasierter Textilbeschichtungen. Ziel ist es, kurzlebige Mode nachhaltiger zu machen und fossile Rohstoffe zu ersetzen.

Pilze
Im Projekt „DisAPPrint“ entwickelt die Hochschule Hof gemeinsam mit der Industrie eine biobasierte Textilbeschichtung aus Pilzreststoffen, die kurzlebige Mode nachhaltiger und ressourcenschonender machen soll.

Die Modebranche gehört zu den Bereichen mit besonders hohem Ressourcenverbrauch, vor allem dort, wo Textilien nur für kurze Zeit genutzt werden. Genau hier setzt ein neues Vorhaben der Hochschule Hof an: Im Projekt DisAPPrint entwickeln Forschende gemeinsam mit der Industrie eine nachhaltige Beschichtung für Textilien, die auf Reststoffen der Pilzproduktion basiert. Statt fossiler Ausgangsstoffe sollen künftig biogene Nebenprodukte genutzt werden, die bislang kaum wirtschaftlich verwertet werden.

Vom Abfall zum Hightech-Rohstoff

Im Zentrum der Entwicklung steht Chitosan, ein Biopolymer, das aus Pilzresten gewonnen wird. Diese fallen in der Lebensmittelproduktion in großen Mengen an und gelten bislang überwiegend als Abfall. Im Projekt werden sie gezielt aufbereitet und in eine funktionale Beschichtungsmasse überführt. Daraus entsteht eine dünne, flexible Filmschicht, die sich auf Textilien auftragen lässt und als Grundlage für Drucke oder Veredelungen dient. „Das Besondere ist, dass wir hier einen Rohstoff nutzen, der bereits vorhanden ist und bislang kaum Wertschöpfung erfährt“, so Dr. Katharina Wellmanns, Forschende an der Hochschule. „Damit schaffen wir die Grundlage für eine nachhaltige und gleichzeitig wirtschaftlich interessante Lösung“. 

Auch die industrielle Perspektive ist eng eingebunden. Die Willy Maisel GmbH testet die neu entwickelten Beschichtungen unter realen Produktionsbedingungen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Materialien nicht nur im Labor funktionieren, sondern auch im industriellen Maßstab verarbeitbar sind.

Belastungstest für die Mode von morgen

Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Alltagstauglichkeit der neuen Beschichtung. Im hochschuleigenen Prüfamt werden die Materialien gezielt beansprucht: Feuchtigkeit, mechanische Belastung oder auch der Kontakt mit Flüssigkeiten wie Schweiß, Säften oder alkoholischen Substanzen simulieren reale Nutzungsszenarien. Dabei geht es nicht nur um Haltbarkeit, sondern auch um Aspekte wie Haptik, Farbbrillanz und Kompatibilität mit unterschiedlichen Textilien.

Besonders wichtig ist die Anpassung an verschiedene Materialien und Druckverfahren. Ob Baumwolle oder Polyester, Siebdruck oder Digitaldruck: die Beschichtung soll möglichst flexibel einsetzbar sein. Gleichzeitig stellt die biologische Herkunft der Rohstoffe die Forschenden vor Herausforderungen, etwa bei der gleichbleibenden Qualität oder der Stabilität der Rezepturen.

Trotz dieser Hürden sehen die Beteiligten großes Potenzial. Denn gelingt die Übertragung in die industrielle Praxis, könnte aus einem bislang ungenutzten Reststoff eine neue Basis für nachhaltige Textilveredelung entstehen. Langfristig geht es nicht nur um eine einzelne Beschichtung, sondern um den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten. Aus Produktionsresten der Pilzindustrie könnte ein marktfähiges Ausgangsmaterial werden, das die Textilbranche nachhaltiger und ressourcenschonender gestaltet, ein Ansatz, der weit über das Projekt DisAPPrint hinausweist.

hb