Pflanzenbasierter Grippeimpfstoff im Umweltcheck
Ein kanadisches Projekt untersucht, ob sich Grippeimpfstoffe aus Pflanzen klimafreundlicher herstellen lassen als in Hühnereiern. Dafür wird der gesamte Produktionsprozess per Ökobilanz bewertet.
Grippeimpfstoffe werden überwiegend in bebrüteten Hühnereiern hergestellt. Das kanadische Unternehmen Aramis Biotechnologies will nun untersuchen lassen, ob Pflanzen als Produktionssystem eine günstigere Umweltbilanz erreichen. Gemeinsam mit dem International Reference Centre for Life Cycle Assessment and Sustainable Transition (CIRAIG), dem Technologieunternehmen Premier Tech und dem Bioökonomie-Konsortium CRIBIQ startet Aramis einen Vergleich der beiden Herstellungswege.
Im Mittelpunkt steht die pflanzenbasierte Plattform von Aramis für einen saisonalen Grippeimpfstoff. Die Pflanzen dienen dabei als biologische Fabriken: Sie bilden virusähnliche Partikel, die Merkmale des Grippevirus nachahmen, selbst aber nicht infektiös sind. Für die Untersuchung wachsen die Pflanzen in einem vertikalen Anbausystem von Premier Tech mit LED-Beleuchtung.
Pflanzenproduktion im direkten Vergleich
Das CIRAIG soll erfassen, welche Treibhausgasemissionen bei der pflanzenbasierten Herstellung entstehen und wie diese im Vergleich zur etablierten Produktion in embryonierten Hühnereiern ausfallen. CRIBIQ koordiniert die Zusammenarbeit. Die Untersuchung soll belastbare Umweltdaten liefern und zugleich Ansatzpunkte aufzeigen, um den Pflanzenanbau und den Produktionsprozess weiter zu verbessern.
Die Regierung der kanadischen Provinz Québec unterstützt das Vorhaben über das Förderprogramm Innov-R PME mit 450.000 kanadischen Dollar. Das Gesamtvolumen beträgt rund 938.000 Dollar. Das Programm fördert gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte von Unternehmen und wissenschaftlichen Partnern, die zur Verringerung von Treibhausgasemissionen beitragen können.
Der Impfstoffkandidat selbst befindet sich bereits in der klinischen Entwicklung. Aramis startete im Februar 2026 eine kombinierte Phase-1/2-Studie mit 728 Erwachsenen, in der Sicherheit und Immunantwort geprüft und mit zugelassenen Grippeimpfstoffen verglichen werden. Die neue Untersuchung bewertet dagegen den Herstellungsweg. Ob die Produktion in Pflanzen tatsächlich klimafreundlicher ist als das Verfahren mit Hühnereiern, müssen die Ergebnisse der Ökobilanz erst zeigen.
ag