In Oulu soll aus CO₂ Batteriegraphit entstehen
UP Catalyst und Oulun Energia prüfen in Finnland eine Großanlage, die abgeschiedenes CO₂ in Graphit und Kohlenstoffnanoröhren für Batterien und andere Anwendungen umwandeln soll.
Graphit wird für Batterien, Elektromobilität und die grüne Transformation benötigt. Europa ist bei diesem Rohstoff zugleich auf Importe angewiesen. Das estnische Deep-Tech-Unternehmen UP Catalyst treibt nun Pläne voran, in Finnland Batteriegraphit und Kohlenstoffnanoröhren aus CO₂-Emissionen herzustellen.
Dafür hat UP Catalyst mit dem finnischen Energieversorger Oulun Energia eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Partner wollen prüfen, ob abgeschiedene CO₂-Emissionen aus einer Anlage von Oulun Energia in Oulu als Kohlenstoffquelle genutzt werden können.
Geplant ist eine Anlage im Oulu Industrial Park. Sie soll abgeschiedenes CO₂ aus Anlagen von Oulun Energia nutzen und daraus Batteriegraphit sowie Kohlenstoffnanoröhren herstellen. UP Catalyst setzt dafür nach eigenen Angaben auf eine CO₂-Schmelzsalz-Elektrolyse. Vereinfacht gesagt wird CO₂ dabei in einer heißen Salzschmelze elektrochemisch zerlegt; der enthaltene Kohlenstoff wird anschließend zu festen Materialien wie Graphit oder Kohlenstoffnanoröhren aufgebaut. Langfristig nennen die Unternehmen als Ziel, vor Ende des Jahrzehnts mit dem Bau zu beginnen und den Betrieb 2031 aufzunehmen.
CO₂ als Kohlenstoffquelle
Die geplante Anlage soll nach Angaben der Unternehmen jährlich etwa 20.000 Tonnen Batteriegraphit und Kohlenstoffnanoröhren produzieren. Das Projekt soll dazu beitragen, lokale Lieferketten zu stärken und Europas Abhängigkeit von importiertem Graphit zu verringern.
Finnland gilt laut Business Finland als strategischer Standort für die Skalierung von UP Catalyst. Genannt werden die starke industrielle Basis, die Verfügbarkeit wettbewerbsfähiger sauberer Energie und die wachsende Bedeutung Finnlands in der europäischen Batterie-Wertschöpfungskette.
Planung für die Zukunft
UP Catalyst und Oulun Energia wollen untersuchen, wie sich die geplante Produktion in bestehende Industrie- und Energieinfrastruktur einbinden lässt. Dazu gehört auch die Frage, wie abgeschiedene CO₂-Emissionen aus Anlagen von Oulun Energia für eine CO₂-basierte Produktion von Kohlenstoffmaterialien im Oulu Industrial Park genutzt werden könnten.
Unterstützt wird die geplante Expansion auch von Business Finland: Das Unternehmen erhielt demnach Anfang 2026 eine Investitionssteuergutschrift in Höhe von 47 Mio. Euro im Rahmen eines Investitionskreditprogramms für große Vorhaben zur klimaneutralen Wirtschaft. UP Catalyst wurde außerdem als strategisches Projekt unter dem EU Critical Raw Materials Act anerkannt.
Bis zur Umsetzung bleiben zentrale Fragen offen, etwa zur industriellen Integration, zum Energiebedarf und zur Wirtschaftlichkeit des Verfahrens. Genau diese Punkte wollen UP Catalyst und Oulun Energia nun in Oulu prüfen. Gelingt der Schritt, könnte abgeschiedenes CO₂ zu einem Baustein für europäische Batterie-Lieferketten werden.
hn