Mikroben bekommen einen digitalen Zwilling
Das britische Start-up MORF-Bio entwickelt einen digitalen Zwilling für Mikroorganismen. Die Plattform soll Daten verschiedener Forschungsfelder zusammenführen und virtuelle Tests ermöglichen.
Mikroorganismen lassen sich gezielt verändern, damit sie Chemikalien, Enzyme oder andere biobasierte Produkte herstellen. Doch bevor ein optimierter Produktionsstamm im Labor entsteht, müssen Forschende oft zahlreiche Varianten und Wachstumsbedingungen prüfen. Das britische Start-up MORF-Bio will einen Teil dieser Suche in den Computer verlagern. Eine neue Finanzierung soll den Aufbau eines digitalen Zwillings für Mikroorganismen beschleunigen.
Mikroben zunächst virtuell testen
MORF-Bio entwickelt browserbasierte Werkzeuge, mit denen sich mikrobielle Genome untersuchen, komplexe Daten visualisieren und Stoffwechselmodelle erstellen lassen. Nun sollen diese Funktionen zu einer Plattform verbunden werden. Genomdaten sollen dort mit vorhersagenden Stoffwechselmodellen und Messdaten etwa zur Genaktivität, zu Proteinen oder Stoffwechselprodukten zusammenfließen.
Der geplante „Microbial Digital Twin“ soll Szenarien virtuell durchspielen. Forschende könnten etwa untersuchen, wie ein Bakterienstamm auf eine genetische Veränderung reagiert oder wie andere Wachstumsbedingungen seinen Stoffwechsel beeinflussen. Die Simulationen sollen Hypothesen liefern, die anschließend im Labor überprüft werden. Für die industrielle Biotechnologie könnte das helfen, Produktionsorganismen gezielter zu entwickeln und Versuchsreihen einzugrenzen.
Finanzierung für die nächste Entwicklungsstufe
MORF-Bio ist ein Spin-out der University of York. Die Plattform geht auf Forschungsarbeiten zurück, bei denen biologische Datensätze aus Fermentationsversuchen mit Escherichia coli leichter zugänglich gemacht werden sollten. Aus diesem Ansatz entstand später das Unternehmen.
Für die Weiterentwicklung hat MORF-Bio einen Innovate UK Investor Partnerships Award erhalten. Damit ist eine neue Investitionsrunde verbunden, die vom Deeptech Seed Fund angeführt wird und an der sich Helix Research and Enterprise beteiligt. In den kommenden Monaten will MORF-Bio weitere Modellierungsfunktionen ergänzen und die Plattform mit Forschungs- und Industriepartnern weiterentwickeln.
ag