Holz, das sich wie Stoff verhält
Holzfurniere sind schön, aber starr. NUO hat das Problem gelöst. Ein ligninbasierter Klebefilm verbindet Eiche oder Nussbaum mit Hanfgewebe zu einem biegsamen Verbundmaterial, das bereits in Autoinnenräumen verbaut wird. NUO wurde dafür nun mit dem Techtextil Innovation Awards 2026 ausgezeichnet.
Das Lenkrad eines Fiat oder die Türverkleidung eines Renault können aus echtem Holz sein, und zwar aus einem, das sich biegen lässt wie Stoff. Das Karlsruher Unternehmen NUO stellt seit Jahren solche Holztextilien her. Diese dünnen Furniere aus Nussbaum oder Eiche sind auf ein textiles Trägergewebe laminiert, das dem Material Flexibilität verleiht. Was bislang fehlte, war die biobasierte Verbindung zwischen Holz und Textil. Fossile Klebstoffe waren der letzte verbleibende petrochemische Baustein im Produkt. Diesen Schritt hat NUO nun gemeinsam mit den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) und dem Familienunternehmen Schorn und Groh vollzogen. Das Ergebnis heißt NUO FlexHolz und wurde gerade auf der Techtextil 2026 in Frankfurt mit dem Innovation Award 2026 in der Kategorie New Product ausgezeichnet.
Lignin ersetzt Klebstoffe aus fossilen Rohstoffen
Das Prinzip von NUO FlexHolz ist so simpel wie wirkungsvoll. Ein Furnier aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Wandstärke wenige Zehntel Millimeter, wird über einen Film aus Lignin mit einem Naturfasergewebe aus Hanf verbunden. Lignin ist jener aromatische Biopolymer, das Bäumen und anderen Pflanzen ihre Festigkeit verleiht und in der Zellstoff- und Papierindustrie in großen Mengen als Nebenprodukt anfällt. Fast die gesamte Menge wird bislang verbrannt. Als Klebefilm eingesetzt verbindet es Holz und Textil dauerhaft und ohne synthetische Hilfsstoffe zu einem vollständig biobasierten Verbundmaterial. Im nächsten Schritt sorgt eine Laserbearbeitung, die sogenannte Mikrosegmentierung, dafür, dass das Furnier biegsam wird. Dabei werden feine Muster präzise in die Holzoberfläche eingraviert, ohne das darunterliegende Gewebe oder die Ligninschicht zu beschädigen. Das Ergebnis ist ein Material, das die warme Optik und Haptik von Massivholz mit der Flexibilität eines Textils verbindet.
Ein Werkstoff, viele Märkte
NUO FlexHolz ist kein Prototyp mehr. Das Material ist marktreif und wird bereits in Serienfahrzeugen verbaut. Neu ist, dass Holzfurniere nun erstmals vollständig biobasiert sein können und damit auch die strengeren Nachhaltigkeitsvorgaben erfüllen, die Fahrzeughersteller in ihren Zuliefererketten durchsetzen. Lau Rolf Loose-Leonhardt, Geschäftsführer von NUO und der Mutterfirma Schorn und Groh, hat das Unternehmen Holzfurniere für die Elbphilharmonie in Hamburg und Apple Stores weltweit geliefert. Für ihn zeigt NUO FlexHolz, dass ökologische Materialien längst kein Nischenprodukt mehr sind. Über die Automobilindustrie hinaus sieht NUO Potenzial im Möbelbau, im Innenausbau und in der Architektur.
ag