Hightech-Roadmap stärkt alternative Proteine

Hightech-Roadmap stärkt alternative Proteine

Mit der Hightech Agenda will das BMFTR biotechnologische Lebensmittel stärker in die Anwendung bringen. Ein Innovationshub soll Fermentation und Zellkultivierung vernetzen.

Bioreaktor-Plattform in Hohenheim.
In Bioreaktoren, wie im Bild an der Universität Hohenheim, lassen sich Mikroorganismen und Pilze für nachhaltige Lebensmittelbestandteile kontrolliert kultivieren.

Mit der neuen Biotechnologie-Roadmap setzt die Bundesregierung auch ein Signal für alternative Proteine. Biotechnologisch hergestellte Lebensmittel sollen stärker gefördert und besser in die Anwendung gebracht werden. Dafür sieht die Hightech Agenda Deutschland unter anderem ein Innovationsökosystem und ab 2027 einen Innovationshub vor, der Forschungseinrichtungen, Start-ups und Unternehmen bei Präzisionsfermentation und Zellkultivierung enger vernetzen soll. Das Good Food Institute Europe (GFI Europe) begrüßt diese Verankerung und sieht darin eine Chance, Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Lebensmittel und Zutaten zu überführen.

Lebensmittel aus Fermentern und Zellkulturen

Die Hightech Agenda Deutschland wurde 2025 als ressortübergreifende Innovationsoffensive vorgelegt. Biotechnologie gehört darin zu den sechs prioritären Schlüsseltechnologien. Neben Medizin, industrieller Biotechnologie und Pflanzenschutz nennt die Agenda ausdrücklich biotechnologisch hergestellte Lebensmittel und alternative Proteine. Bis 2026 soll dazu der Förderbedarf mit Stakeholdern erfasst werden, erste Projekte mit Wirtschaftsbeteiligung sind für 2027 vorgesehen. Die Transfermaßnahme PIONEER soll alternative Proteinquellen als Zukunftsfeld erschließen und bis 2029 Handlungsempfehlungen für Forschung, Praxis und Politik ableiten.

Präzisionsfermentation meint Verfahren, bei denen Mikroorganismen gezielt Proteine, Fette, Aromen oder andere Lebensmittelzutaten herstellen. Bei der Zellkultivierung werden tierische Zellen in Nährmedien vermehrt, etwa als Grundlage für kultiviertes Fleisch. Die Roadmap nennt für diese Technologien konkrete Entwicklungsziele. Deutschland soll bis 2028 ein Innovationsökosystem für biotechnologische Lebensmittel etabliert haben und zu einem führenden europäischen Standort für Präzisionsfermentation und Zellkultivierung werden.

Regulierung und Finanzierung bleiben entscheidend

Die Roadmap beschreibt zugleich technische Hürden, die vor einer breiten Anwendung gelöst werden müssen. Dazu gehören höhere Zelldichten, günstigere Bioreaktoren und deutlich niedrigere Kosten für Nährmedien. Auch die Zulassung neuartiger Lebensmittel durch die EU-Kommission wird ausdrücklich als Teil des Weges in den Markt genannt. GFI Europe verweist ergänzend darauf, dass Deutschland in der Forschung zu alternativen Proteinen stark sei, bei öffentlicher Förderung aber Nachholbedarf habe. Zwischen 2020 und 2025 seien nach Angaben der Organisation 79 Millionen Euro in die Forschungsförderung geflossen, ein großer Teil davon in pflanzenbasierte Ansätze.

Der nächste Schritt liegt damit weniger im Grundsatz als in der Umsetzung. Alternative Proteine brauchen Anlagen, geeignete Rohstoffe, Zulassungen und Unternehmen, die den Weg in die Produktion gehen. Der angekündigte Innovationshub kann dafür ein wichtiger Knotenpunkt werden, wenn aus der Roadmap konkrete Förderung, verlässliche Budgets und tragfähige Partnerschaften entstehen.

ag