Fermentiertes Öl aus Forstabfällen wird zum Kosmetikwirkstoff

Fermentiertes Öl aus Forstabfällen wird zum Kosmetikwirkstoff

ÄIO verwandelt Reststoffe aus Forst- und Lebensmittelproduktion per Fermentation in ein hochwirksames Hautpflegeöl. Mit der estnischen Marke tilk! ist daraus das erste kommerziell erhältliche Serum mit diesem Wirkstoff entstanden.

Skin Booster Bio-Fermented Serum with ÄIO RedOil
Das Skin Booster Bio-Fermented Serum von tilk! enthält ÄIO RedOil, ein fermentationsbasiertes Öl aus forstlichen Nebenprodukten, das als natürliche Alternative zu Retinol entwickelt wurde.

Die Kosmetikindustrie verbraucht jährlich Millionen Tonnen pflanzlicher Öle aus Palmplantagen, Sojafeldern und Sonnenblumenkulturen. Das estnische Biotech-Unternehmen ÄIO stellt diese Logik auf den Kopf: Es produziert Öle für die Hautpflege per Fermentation aus organischen Reststoffen der Forst- und Lebensmittelproduktion, ohne einen Quadratmeter Anbaufläche zu beanspruchen. Vier Jahre nach der Gründung als Spin-off der Tallinner Technischen Universität TalTech liegt nun ein erstes kommerzielles Ergebnis vor. Gemeinsam mit der estnischen Naturkosmetikmarke tilk! hat ÄIO das Skin Booster Bio-Fermented Serum entwickelt. Es ist nach Unternehmensangaben eines der ersten Produkte weltweit, in dem ein fermentationsbasiertes Öl aus Reststoffen als kommerzieller Kosmetikwirkstoff eingesetzt wird.

Was RedOil kann und woher es kommt

Das neuartige Öl mit dem Namen RedOil ist kein Pflanzenöl im klassischen Sinne, sondern das Produkt eines biotechnologischen Verfahrens. Speziell entwickelte Hefestämme fermentieren organische Seitenströme aus der Forst- und Lebensmittelverarbeitung und produzieren dabei ein Öl, das reich an Antioxidantien, Carotinoiden und essentiellen Fettsäuren ist. ÄIO positioniert RedOil als Alternative zu Retinol, einem verbreiteten Anti-Aging-Wirkstoff, der bei empfindlicher Haut häufig Reizungen auslöst. Ob RedOil diese Versprechen in der Breite hält, muss die weitere klinische und dermatologische Forschung zeigen. Magdalena Koziol, Head of Cosmetics Development bei ÄIO, verweist auf erste analytische Ergebnisse, die messbare Effekte auf Zellebene zeigen. Das fertige Serum kombiniert RedOil mit Meeresalgen und nordischen Pflanzenextrakten. ÄIO gibt an, dass der Fermentationsprozess den Landverbrauch um bis zu 97 Prozent und den Wasserverbrauch um bis zu 90 Prozent gegenüber konventioneller Ölpflanzenproduktion reduziert. Unabhängige Verifikationen dieser Zahlen liegen öffentlich bisher nicht vor.

Vom Labor in den Markt

tilk! und ÄIO haben von den ersten Rohstofftests bis zur fertigen Formel zusammengearbeitet. Die Kooperation zweier estnischer Unternehmen aus Biotech und Kosmetik zeigt, wie nah Forschung und Markt in einem kleinen, gut vernetzten Innovationsökosystem beieinanderliegen können. Finanziert wurde die zugrunde liegende Forschung unter anderem durch eine Förderung von einer Million Euro aus dem estnischen Applied Research Programme. Für die Bioökonomie ist der Launch ein kleines, aber konkretes Signal: Fermentiertes Öl aus Reststoffen ist kein Laborkonzept mehr.

ag