EU-Report empfiehlt Regeln für zirkuläre Rohstoffe
Ein Expertenbericht bündelt Erfahrungen aus 20 EU-Forschungsprojekten. Einheitliche Regeln, Produktpässe und stärkere Nachfrage sollen recycelte und biobasierte Rohstoffe in den Markt bringen.
Recycelte Kunststoffe, biobasierte Düngemittel und Chemikalien aus organischen Reststoffen sind in europäischen Forschungsprojekten vielfach erprobt worden. Auf dem Weg in breite Märkte stoßen sie jedoch häufig auf uneinheitliche Regeln, unsichere Nachfrage und fehlende Infrastruktur. Ein neuer Expertenbericht für die Europäische Kommission bündelt nun Erfahrungen aus 20 EU-geförderten Vorhaben und leitet daraus Empfehlungen für den geplanten Circular Economy Act ab.
EU-Projekte als Praxistest
Der Bericht untersucht Projekte aus Horizon 2020 und Horizon Europe in unterschiedlichen Branchen. Mehrere davon gehören unmittelbar zur Bioökonomie. CIRCULAR BIOCARBON nutzt etwa kommunale Bioabfälle und Klärschlamm als Rohstoffe für eine Bioraffinerie. CHEERS erschließt Nebenströme aus Brauereien für Produkte wie Insektenprotein und den Kosmetikwirkstoff Ectoin. Weitere Projekte befassen sich mit biobasierten Düngemitteln und industriellen Symbiosen, bei denen Reststoffe eines Betriebs zum Rohstoff für einen anderen werden.
Nach Einschätzung des Berichts sind die technischen Grundlagen für viele zirkuläre Lösungen weitgehend vorhanden. Das zentrale Problem liege nun in der Skalierung. Biobasierte und recycelte Materialien konkurrieren oft mit günstigen Primärrohstoffen. Hinzu kommen unterschiedliche nationale Regeln und aufwendige Verfahren, wenn ein aufbereiteter Abfall grenzüberschreitend transportiert oder wieder als Rohstoff vermarktet werden soll.
Klare Regeln und verlässliche Nachfrage
Eine Kernempfehlung sind europaweit harmonisierte Kriterien für das Ende der Abfalleigenschaft. Sie sollen festlegen, wann ein aufbereiteter Stoff rechtlich nicht mehr als Abfall, sondern wieder als nutzbarer Rohstoff gilt. Für Rezyklate schlägt der Bericht zudem schrittweise verbindliche Mindestanteile vor. Digitale Produktpässe sollen Herkunft, Zusammensetzung und Rezyklatanteile nachvollziehbar machen. Für biobasierte Inhalte fordert der Bericht verlässliche, standardisierte Nachweise.
Weitere Vorschläge betreffen nach Umweltwirkung gestaffelte Herstellergebühren sowie regionale Zentren für Sortierung und Aufbereitung. Solche Strukturen könnten auch Bioabfälle und industrielle Nebenströme bündeln, damit Bioraffinerien verlässlich mit ausreichend Rohstoffen versorgt werden. Zugleich betont der Bericht, dass bei biobasierten Lösungen Rest- und Nebenströme gegenüber zusätzlicher Primärbiomasse bevorzugt werden sollten.
Die Veröffentlichung ist kein Entwurf für den Circular Economy Act und gibt nicht zwingend die Position der Europäischen Kommission wieder. Sie ist als unabhängige Auswertung von Forschungsprojekten gedacht. Welche Empfehlungen in den geplanten Rechtsakt einfließen, bleibt daher offen.
ag