EU-Projekt nutzt CO₂ und Glycerin für Plattformchemikalie
Im Projekt GlyCO2Chem soll biogenes Glycerin aus der Biodieselproduktion mit aufgefangenem CO₂ zu Glycerolcarbonat reagieren. Geprüft werden Anwendungen in Batterien und Kraftstoffen.
Kohlenstoffhaltige Nebenströme entstehen an vielen Stellen der Industrie. In der Biodieselproduktion fällt Rohglycerin an, Biogasanlagen und andere Prozesse liefern biogenes CO₂. Das europäische Projekt GlyCO2Chem will solche Stoffströme nun zusammenführen. Ziel ist eine integrierte Wertschöpfungskette, in der aufgefangenes CO₂ und biogenes Glycerin katalytisch zu Glycerolcarbonat umgesetzt werden.
Aus Reststoffen wird ein chemischer Baustein
Glycerolcarbonat ist eine Plattformchemikalie. Solche Moleküle sind keine Endprodukte, sondern Ausgangspunkte für weitere Anwendungen. Im Projekt soll der Stoff unter anderem für Batterieelektrolyte und Kraftstoffadditive geprüft werden. Neben CO₂ aus biogenen industriellen Prozessen bezieht GlyCO2Chem auch CO₂ aus Direct Air Capture ein, also aus Anlagen, die Kohlendioxid direkt aus der Umgebungsluft abscheiden.
Koordiniert wird das Vorhaben vom isländischen Unternehmen Gefn ehf. Nach Angaben von Spinverse umfasst das Konsortium neun Partner aus fünf Ländern. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, wurde Ende 2025 gestartet und erhält 2,7 Mio. Euro Förderung über die Clean Energy Transition Partnership unter Horizon Europe. Das Gesamtbudget wird mit 4,6 Mio. Euro angegeben.
Der Bioökonomie-Bezug liegt vor allem im Rohstoff Glycerin. Es fällt als biogener Nebenstrom bei der Herstellung von Biodiesel an und wird in dem Projekt nicht nur als Abfall oder niedrigwertiger Reststoff betrachtet, sondern als Kohlenstoffquelle für chemische Produkte. Zugleich verbindet GlyCO2Chem diese biogene Ressource mit CO₂-Nutzung. Damit rückt das Projekt in ein Feld, in dem die chemische Industrie nach Alternativen zu fossilem Kohlenstoff sucht.
Zum Projektstart steht der Aufbau der Prozesskette im Mittelpunkt. Die Partner wollen untersuchen, wie sich Glycerin und CO₂ effizient zu Glycerolcarbonat umsetzen lassen und für welche Anwendungen das Produkt geeignet ist. Begleitende technoökonomische Bewertungen und Lebenszyklusanalysen sollen zeigen, wie tragfähig der Ansatz für eine stärker kreislauforientierte Chemie ist.
ag