EU-Bericht sieht keine technischen Hürden für Biokunststoffe in Verpackungen
Ein EU-Bericht des nova-Instituts zeigt, dass 17 biobasierte Polymere für Verpackungen marktreif sind. Entscheidend sind nun Zielvorgaben, Nachhaltigkeitskriterien und passende Recyclingstrukturen.
Biobasierte Kunststoffe machen heute weniger als ein Prozent des globalen Plastikmarkts aus. Das liegt nach Einschätzung eines neuen EU-Berichts nicht an fehlenden Materialien, sondern vor allem an höheren Kosten, kleinen Produktionsmengen, unsicheren politischen Rahmenbedingungen und unvollständigen Verwertungsstrukturen. Der Bericht wurde vom nova-Institut im Auftrag der Europäischen Kommission erstellt und im April 2026 vorgelegt. Er unterstützt die in Artikel 8 der neuen EU-Verpackungsverordnung vorgesehene Prüfung biobasierter Kunststoffverpackungen. Die Packaging and Packaging Waste Regulation, kurz PPWR, ist seit Februar 2025 in Kraft und soll in weiten Teilen ab dem 12. August 2026 angewendet werden. Bis 2028 muss die Kommission prüfen, welche Nachhaltigkeitsanforderungen für biobasierte Rohstoffe sinnvoll sind und ob biobasierte Anteile in bestimmten Fällen zur Erfüllung von Rezyklatvorgaben beitragen können.
Marktreif, aber kaum im Markt
Das nova-Institut hat dafür Markt-, Technologie- und Umweltdaten ausgewertet. Das zentrale Ergebnis lautet, dass 17 biobasierte Polymere heute kommerziell verfügbar und grundsätzlich für Verpackungen geeignet sind. Dazu biobasiertes PE oder PET, die chemisch ihren fossilen Gegenstücken entsprechen und in vorhandene Recyclingströme passen. Daneben gibt es eigenständige biobasierte Kunststoffe wie PLA, PHA oder PEF, die andere Eigenschaften mitbringen und eigene Sortier- und Recyclingwege benötigen können. PEF kann etwa bessere Barriereeigenschaften als PET bieten. Trotz solcher Materialoptionen ist die Produktion klein und regional ungleich verteilt. So liegen 55 Prozent der globalen Produktionskapazität in Asien, 17 Prozent in Nordamerika und 14 Prozent in der EU, plus Norwegen, Schweiz und Vereinigtem Königreich. Weltweit wurden 2024 rund 3,2 Millionen Tonnen Biomasse eingesetzt, um 4,2 Millionen Tonnen biobasierte Polymere herzustellen. Gemessen an der globalen Biomassenutzung entspricht das lediglich 0,023 Prozent. Klimavorteile sind vorhanden, aber nicht pauschal garantiert. Je nach Polymer und Produktionssystem können die Treibhausgasemissionen gegenüber fossilen Alternativen um 30 bis 70 Prozent sinken.
Quoten als Türöffner
Die Autoren empfehlen der Kommission, verbindliche Zielwerte für den Anteil biobasierter Inhalte in Kunststoffverpackungen einzuführen. Solche Quoten sollen Investitionen auslösen und Produzenten Planungssicherheit geben. Gleichzeitig betont der Bericht, dass biobasierte und recycelte Inhalte nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. Beide Strategien ersetzen fossilen Kohlenstoff, lösen aber unterschiedliche Probleme. Rezyklate halten vorhandenes Material im Kreislauf, während biobasierte Rohstoffe frischen, nicht fossilen Kohlenstoff in das System bringen können. Das kann wichtig sein, wo mechanisch recycelte Kunststoffe wegen Qualitätsverlusten, Schadstoffrisiken oder Lebensmittelkontakt nur begrenzt einsetzbar sind. Damit Klimavorteile nicht durch andere Umweltwirkungen erkauft werden, schlägt der Bericht harmonisierte Nachhaltigkeitskriterien vor. Als Ausgangspunkt nennen die Autoren die Regeln der Erneuerbare-Energien-Richtlinie, die für Materialien angepasst werden müssten. Denn je nach Rohstoffherkunft können Landnutzung, Düngung, Wasserbedarf oder Eutrophierung relevant werden. Entscheidend bleibt außerdem die Infrastruktur. Sogenannte Drop-in-Materialien können bestehende Recyclingwege nutzen, neue Polymere brauchen zuverlässige Sortierung, ausreichende Mengen und wirtschaftliche Verwertung.
ag