Erbse und Leindotter punkten im Mischanbau

Erbse und Leindotter punkten im Mischanbau

Ein TFZ-Bericht bewertet den Mischanbau von Leguminosen und Ölfrüchten. Besonders Erbse mit Leindotter zeigt Potenzial, doch für Betriebe zählen auch Aufwand, Ernte und Vermarktung.

Mischanbau Erbse und Leindotter
: In Straubinger Feldversuchen prüfte das TFZ, welche Mischungen aus Leguminosen und Ölfrüchten stabile Erträge und weniger Betriebsmittel ermöglichen.

Landwirtschaftliche Flächen sollen künftig vielfältigere Rohstoffe liefern, zugleich aber mit weniger Betriebsmitteln auskommen. Für nachwachsende Rohstoffe stellt sich deshalb die Frage, ob sich Pflanzen für Proteine und Pflanzenöle gemeinsam anbauen lassen, ohne Ertrag und Praxistauglichkeit aus dem Blick zu verlieren. Das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) in Straubing hat solche Anbausysteme im Projekt MixNawaRo untersucht. Der jetzt veröffentlichte TFZ-Bericht fasst die Ergebnisse aus drei Versuchsjahren zusammen.

Im Mittelpunkt standen Kombinationen aus eiweißreichen Leguminosen und eher extensiv kultivierbaren Ölfrüchten. Die Idee dahinter ist, auf derselben Fläche sowohl Körner mit pflanzlichem Protein als auch ölhaltige Samen zu erzeugen. Zugleich sollte geprüft werden, ob die Stickstoffbindung der Leguminosen im Gemenge den Bedarf an Mineraldünger senken kann und ob die Ölfrüchte Ertragsschwankungen teilweise abfedern können. Erst die Feldversuche zeigen, welche Mischungen unter den getesteten Bedingungen tatsächlich funktionieren.

Proteine und Öle im Doppelpack

Das TFZ-Team prüfte von 2023 bis 2025 unterschiedliche Gemenge aus Erbse, Ackerbohne und Sojabohne mit Leindotter, Saflor und Körnerhanf. In Parzellenversuchen mit vier Wiederholungen wurden unter anderem Saatstärke, Reihenabstand, Saattiefe, Sortenwahl, Pflanzengesundheit, Kornqualität und Erntefähigkeit verglichen. Zusätzlich wurden die Kulturen als Reinsaaten angebaut, um Erträge und Umweltwirkungen besser einordnen zu können.

Am deutlichsten überzeugte die Kombination aus Erbse und Leindotter. Sie erreichte unabhängig von Reihenanordnung und Erbsensorte eine höhere Flächeneffizienz als die Reinsaaten. Bewertet wurde dies über den relativen Flächenertrag, also darüber, wie viel Reinsaat-Fläche nötig wäre, um dieselbe Erntemenge zu erzeugen. Auch Ackerbohne mit Saflor und Ackerbohne mit Leindotter lagen meist leicht über dem Vergleichswert der Reinsaaten.

Erbse und Leindotter überzeugen

Die Ergebnisse zeigen aber auch die Grenzen des Ansatzes. Ackerbohne mit Saflor oder Leindotter kann funktionieren, erfordert aber mehr Aufmerksamkeit beim Drusch und bei der späteren Trennung der Körner. Körnerhanf erwies sich im Projekt wegen seines hohen Stickstoffbedarfs und der ungleichmäßigen Abreife als ungeeigneter Gemengepartner. Auch die Kombinationen mit Sojabohne waren nicht erfolgreich, weil starke Konkurrenz zwischen den Kulturen zu niedrigen Erträgen führte und die gemeinsame Ernte schwierig blieb.

Ökologisch schnitten die Mischkulturen häufig besser ab als Reinsaaten. Die Bewertung des TFZ zeigt meist geringere Treibhausgasemissionen und niedrigere Nährstoffeinträge in Gewässer. Ein wesentlicher Grund ist der geringere Einsatz von Stickstoff-Düngemitteln. Gleichzeitig wird mehr Stickstoff über die geerntete Biomasse abgeführt. Entscheidend bleibt jedoch das Ertragsniveau, denn geringe Erträge können Umweltvorteile pro Produkteinheit wieder relativieren.

Ernte und Vermarktung mitdenken

Für die Praxis zieht das TFZ ein vorsichtig positives Fazit. Mischanbau kann das Risiko im Leguminosenanbau senken und die Produktion heimischer Pflanzenöle und Proteine breiter aufstellen. Dafür müssen die Kulturpartner zum Standort passen, ähnlich abreifen und mit der vorhandenen Saat- und Erntetechnik handhabbar sein. Wichtig sind außerdem eine mechanische Beikrautregulierung, angepasste Mähdreschereinstellungen sowie schnelle Trocknung und Reinigung nach der Ernte.

Gerade die Vermarktung entscheidet, ob der Ansatz über den Versuch hinaus trägt. Unterschiedliche Korngrößen erleichtern die Trennung, etwa bei Erbse und Leindotter. Ähnliche Korngrößen können den Reinigungsaufwand erhöhen und Bruchkorn verursachen. Der Bericht liefert damit keine einfache Standardlösung, sondern konkrete Hinweise, welche Pflanzenpaare unter bayerischen Bedingungen Chancen haben und wo Betriebe früh planen müssen.

ag