Elastan aus Zuckerrohr rückt in die Lieferkette

Elastan aus Zuckerrohr rückt in die Lieferkette

Hyosung TNC startet die Lieferung von biobasiertem 1,4-Butandiol aus Vietnam. Der Zuckerrohr-Baustein soll Kunststoffe, Textilien und Spezialchemikalien schrittweise unabhängiger von fossilen Rohstoffen machen.

Elastische Fasern auf Spulen
Elastische Fasern wie Elastan können künftig stärker auf biobasierte Chemiebausteine setzen. Hyosung TNC will dafür Bio-BDO aus Zuckerrohr nutzen.

Viele Kunststoffe, Textilfasern und Spezialchemikalien beruhen auf Zwischenprodukten, die bisher meist aus fossilen Rohstoffen stammen. Der südkoreanische Chemie- und Textilkonzern Hyosung TNC beginnt nun mit der Lieferung von biobasiertem 1,4-Butandiol, kurz Bio-BDO, aus Vietnam. Nach Angaben von bioplastics MAGAZINE entsteht im Industriepark Phu My II in Südvietnam eine Anlage, die zunächst 50.000 Tonnen pro Jahr liefern soll und auf eine spätere Kapazität von 200.000 Tonnen ausgelegt ist. Damit rückt ein biobasierter Plattformbaustein in größere industrielle Mengen vor.

Zucker wird zum Chemiebaustein

BDO ist ein chemisches Zwischenprodukt. Es wird unter anderem für Polyurethane, technische Kunststoffe, Speziallösungsmittel und für PTMG genutzt. PTMG ist wiederum ein wichtiger Baustein für Elastanfasern. Hyosung setzt bei Bio-BDO auf eine Fermentationstechnologie des US-Unternehmens Geno. Dabei werden Zucker aus Zuckerrohr direkt zu 1,4-Butandiol umgewandelt.

Für industrielle Abnehmer ist vor allem wichtig, dass das Molekül laut Unternehmen chemisch identisch mit fossil hergestelltem BDO ist. Es soll daher als direkter Ersatz in bestehenden Prozessketten eingesetzt werden können, ohne Produktionsanlagen grundlegend umzubauen. Anwendungen nennt Hyosung unter anderem in Polyurethan-Systemen, Polybutylenterephthalat, biologisch abbaubaren Verpackungen, Hygiene-Elastiken und Textilien.

Integrierte Kette bis zur Faser

Die neue Anlage ist Teil einer stärker integrierten Wertschöpfungskette. Hyosung will aus Zuckerrohr Bio-BDO herstellen, daraus Bio-PTMG gewinnen und dieses schließlich für biobasiertes Elastan nutzen. Das Unternehmen verweist dabei auf eine Lieferkette, die Herkunft und Zertifizierung der Rohstoffe nachvollziehbarer machen soll. Der eingesetzte Zuckerrohr-Rohstoff stammt laut aktueller Meldung aus Brasilien und wird über das VIVE Sustainable Supply Programme überprüft.

Auch regulatorische Anforderungen spielen eine Rolle. Hyosung nennt ISCC-PLUS, eine SGS-EEPS-Zertifizierung zum biobasierten Anteil sowie OEKO-TEX Standard 100. Zudem strebt das Unternehmen den USDA-BioPreferred-Status an. Solche Nachweise werden für Marken und Hersteller wichtiger, wenn sie biobasierte Anteile, Herkunft und Klimadaten gegenüber Kunden, Behörden oder in digitalen Produktpässen belegen müssen.

Damit rückt Bio-BDO aus der Nische einzelner Spezialprodukte stärker in industrielle Lieferketten für Kunststoffe und Textilien. Wie groß der ökologische Vorteil tatsächlich ausfällt, hängt jedoch nicht allein vom Begriff biobasiert ab. Entscheidend sind auch Anbau, Transport, Prozessenergie und die Daten aus dem laufenden Anlagenbetrieb. Nach Unternehmensangaben sollen genauere CO₂-Fußabdruckdaten auf Basis der Produktion im dritten Quartal 2026 vorliegen.

ag