Dattelpalmenfasern sollen Kunstharz verstärken

Dattelpalmenfasern sollen Kunstharz verstärken

Dattelpalmenblätter fallen im Anbau als Reststoff an. Eine Studie zeigt, wie Stärke die Faseroberfläche verändert und sie für Epoxid-Biokomposite besser nutzbar machen könnte.

Dattelpalmen liefern nicht nur Früchte, sondern auch Blattfasern, die nach einer Vorbehandlung als Verstärkung für Verbundwerkstoffe dienen könnten.
Dattelpalmen liefern nicht nur Früchte, sondern auch Blattfasern, die nach einer Vorbehandlung als Verstärkung für Verbundwerkstoffe dienen könnten.

Naturfasern können Verbundwerkstoffe leichter und ressourcenschonender machen. Entscheidend ist jedoch, wie gut sie sich mit dem Kunststoff oder Harz verbinden, das sie umgibt. Bei Pflanzenfasern ist diese Grenzfläche oft eine Schwachstelle: Die Fasern nehmen leicht Wasser auf, während viele Kunstharze wasserabweisend sind. Ein Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Biskra in Algerien hat nun untersucht, wie sich Blattfasern der Dattelpalme mit einer einfachen Stärkebehandlung für Epoxid-Biokomposite vorbereiten lassen.

Stärke statt aggressiver Chemikalien

Dattelpalmenfasern fallen in Anbauregionen als Reststoff an und gelten als mögliche Verstärkung für biobasierte oder teilbiobasierte Verbundwerkstoffe. In der Studie wurden Fasern aus der Region Biskra gesammelt, gereinigt und 30 Minuten in eine wässrige Stärkelösung gelegt. Anschließend wurden sie gespült und bei 80 Grad Celsius getrocknet. Die Behandlung kommt ohne Laugen, Säuren oder synthetische Kopplungsmittel aus.

Die Stärke wirkt dabei nicht wie ein zusätzlicher Baustoff im fertigen Bauteil, sondern verändert zunächst die Oberfläche der Faser. Mikroskopische Untersuchungen zeigten, dass Wachse und andere amorphe Bestandteile teilweise entfernt wurden. Zugleich wurden die Faserbündel stärker aufgefasert. Das kann später helfen, wenn die Fasern in ein Harz eingebettet werden, weil die Kontaktfläche zur Matrix größer wird und die Anbindung gleichmäßiger ausfallen kann.

Faserstruktur wird geordneter

Auch die Messdaten zur inneren Struktur sprechen für eine veränderte Faseroberfläche. Der Kristallinitätsindex, ein Maß für den geordneten Zelluloseanteil, stieg von 42 Prozent auf fast 45 Prozent. Thermische Analysen zeigten zudem eine verbesserte Stabilität der behandelten Fasern im Bereich zwischen 250 und 350 Grad Celsius. Für die Verarbeitung mit Epoxidharzen ist das relevant, weil Fasern beim Aushärten und späteren Einsatz nicht zu früh geschädigt werden dürfen.

Die Autorinnen und Autoren sehen darin einen umweltfreundlicheren Weg, Naturfasern für Biokomposite vorzubereiten. Genannt werden mögliche Anwendungen in Bau, Mobilität und Verpackung. Der Befund ist jedoch vor allem ein Material- und Vorbehandlungstest. Die Studie charakterisiert die Fasern selbst, nicht ein fertiges Bauteil aus Epoxidharz und Dattelpalmenfasern. Ob daraus stabile Bauteile entstehen können, müssen künftige Versuche zu Zug-, Biege- und Schlagfestigkeit sowie Tests unter industriellen Verarbeitungsbedingungen zeigen.

ag