CITEVE gewinnt Techtextil Innovation Award für Textildruckpasten aus Rebschnitt und Lebensmittelabfällen

CITEVE gewinnt Techtextil Innovation Award für Textildruckpasten aus Rebschnitt und Lebensmittelabfällen

Das portugiesische Technologiezentrum CITEVE hat Textildruckpasten entwickelt, die zu über 94 Prozent biobasiert aus Reststoffen der Agrar- und Lebensmittelindustrie hergestellt sind. So entstehen beispielsweise Farbpigmente aus gemahlenem Rebschnitt und Rinde oder Bindemittel aus Kollagen und Chitosan.

Textildruck Beispielbild Frisch Gedruckt
Farbpasten für den Textildruck könnten zukünftig nachhaltiger werden durch den Einsatz von Reststoffen aus der Agrar- und Forstwirtschaft.

Wer ein T-Shirt oder eine Bettwäsche mit einem Muster kauft, denkt selten darüber nach, womit es bedruckt wurde. In konventionellen Textildruckpasten stecken petrochemische Verdicker, synthetische Bindemittel und mineralische Pigmente, deren Herstellung energieintensiv ist und fossile Rohstoffe verbraucht. Das portugiesische Technologiezentrum CITEVE hat nun eine Alternative entwickelt, die zu über 94 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und Reststoffen besteht. Auf der Fachmesse Techtextil in Frankfurt wurde die Innovation am 21. April 2026 mit dem Techtextil Innovation Award 2026 in der Kategorie New Chemicals and Dyes ausgezeichnet. Entwickelt wurde die Paste gemeinsam mit dem Forschungszentrum CeNTI und dem Textilunternehmen Lameirinho Indústria Têxtil.

Pigmente aus dem Weinberg und dem Biomassekessel

Die Formulierung der Druckpaste basiert auf zwei Gruppen biobasierter Komponenten. Für die Farbe werden Reststoffe aus der Agrar- und Forstwirtschaft genutzt: Rebschnitt aus dem Weinbau, Kiefernrinde und Asche aus Biomassekesseln werden durch feine mechanische Vermahlung, das sogenannte Mikronisieren, zu Partikeln kleiner als 45 Mikrometer zerkleinert. Diese Partikelgröße ist entscheidend, denn nur so lassen sich die Pigmente in den Rotationssiebdruck integrieren, eines der weltweit meistgenutzten industriellen Textildruckverfahren. Als Bindemittel und Verdicker kommen Kollagen und Chitosan zum Einsatz, beides Biopolymere aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie. Kollagen fällt zum Beispiel in der Lederverarbeitung und Fleischproduktion an, Chitosan wird aus Krustentier-Schalen gewonnen. Beide ersetzen die bislang üblichen erdölbasierten Verdicker.

Industrietauglichkeit als zentraler Maßstab

CITEVE betont, dass die Druckpasten nicht nur ökologisch, sondern auch in der Praxis einsetzbar sind. Die Paste ist patentiert und wurde bereits auf vorhandenen industriellen Druckanlagen getestet. Die Kompatibilität mit dem Rotationssiebdruck senkt die Einstiegshürde für Hersteller erheblich. Bedruckte Textilmuster werden auf der Techtextil 2026 erstmals einem internationalen Fachpublikum präsentiert. Für die Textilindustrie, die zu den ressourcenintensivsten Branchen weltweit gehört, könnte diese Entwicklung einen Beitrag zur Reduktion petrochemischer Rohstoffe leisten.

ag