CBE JU fördert neue Bioraffinerien und Bioprodukte
Die EU-Partnerschaft CBE JU finanziert 24 neue Bioökonomie-Projekte mit 172 Millionen Euro. Im Fokus stehen industrielle Bioraffinerien, biobasierte Materialien und mehr Mittel für KMU.
Die europäische Bioökonomie soll schneller vom Pilotmaßstab in die industrielle Anwendung kommen. Dafür hat die Circular Bio-based Europe Joint Undertaking (CBE JU) die Förderverträge für 24 neue Projekte unterzeichnet. Die öffentlich-private EU-Partnerschaft stellt 172 Millionen Euro bereit. Beteiligt sind 332 Partner aus 32 Ländern. Die Projekte stammen aus dem Förderaufruf 2025 und sollen biobasierte Lösungen für Materialien, Verpackungen, Textilien, Chemikalien und Ausbildung näher an den Markt bringen.
Vom Reststoff zur Industrieanlage
Vier der neuen Vorhaben sind sogenannte Flagship Innovation Actions. Sie erhalten zusammen 68 Millionen Euro, um erste industrielle Bioraffinerien in Europa aufzubauen. Das niederländische Projekt PACE bekommt 20 Millionen Euro. Es soll Reststoffe aus dem Kartoffelanbau zu mittelkettigen Fettsäuren verarbeiten, die als biobasierte Alternative zu bisher häufig aus Palmöl gewonnenen Stoffen dienen können. Das Projekt BIOWRAP erhält 13 Millionen Euro und entwickelt eine zertifiziert kompostierbare Luftpolsterfolie auf Papierbasis. Dafür soll eine Produktionsanlage in Deutschland entstehen. Nach Angaben der CBE JU ist BIOWRAP das erste von ihr geförderte Flagship-Projekt in Deutschland.
Weitere elf Innovation Actions teilen sich 75,2 Millionen Euro. Sie sollen biobasierte Prototypen skalieren und bis zur Produktvalidierung oder Markterprobung bringen. Acht Forschungs- und Innovationsvorhaben erhalten 27,4 Millionen Euro, um neue oder verbesserte Lösungen im Labor oder in kontrollierten Umgebungen zu testen. Eine Coordination and Support Action bekommt 1 Million Euro für Qualifizierung und Weiterbildung in der biobasierten Industrie.
Biobasierter Kautschuk kommt hinzu
Neu im Förderaufruf 2025 ist der Bereich Kautschuk. Europa ist bei Naturkautschuk stark auf Importe angewiesen, synthetischer Kautschuk basiert zudem häufig auf fossilen Rohstoffen. Zwei neue Vorhaben sollen hier Alternativen erschließen. CHIHIRO erhält 3,5 Millionen Euro, um aus Reststoffen des Guayule-Strauchs nachhaltige Kautschuke und biobasierte Elastomere zu gewinnen. RUBBIO bekommt ebenfalls 3,5 Millionen Euro und setzt auf stärkehaltige Nebenströme wie Brot- und Kartoffelreste, aus deren Zuckern Mikroorganismen Kautschukmaterialien herstellen sollen.
Weitere Projekte adressieren Textilien und Makroalgen. TEX4GREEN erhält 7 Millionen Euro, um aus Lignin und industriellen Nebenströmen biobasierte Beschichtungen, Tenside und Farbstoffe für Sport-, Innenraum- und Modetextilien zu entwickeln. BIG ALGAE bekommt ebenfalls 7 Millionen Euro und soll den Anbau von fünf Makroalgenarten in landbasierten und Offshore-Systemen voranbringen. Aus den Algen sollen neue Produkte für Lebensmittel, Futtermittel, Kosmetik, Textilien und Verpackungen entstehen.
Mehr Geld für kleine Unternehmen
Auffällig ist der hohe Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen. Sie erhalten 47 Prozent des bewilligten Budgets. Im vorherigen Aufruf waren es 25 Prozent. Insgesamt gingen 248 Anträge mit einem beantragten Fördervolumen von mehr als 1,42 Milliarden Euro ein. Besonders stark nachgefragt waren Innovation Actions, also Projekte, die biobasierte Technologien näher an die industrielle Umsetzung bringen sollen.
Die nächste Förderrunde läuft bereits. Der CBE-JU-Aufruf 2026 umfasst 13 Themen und ein Budget von 170,7 Millionen Euro. Anträge können bis zum 22. September 2026 eingereicht werden. Damit zeigt sich auch an der aktuellen Runde eine Verschiebung in der europäischen Bioökonomie-Förderung: Gefragt sind nicht nur neue Laborideen, sondern belastbare Wertschöpfungsketten, Anlagenkonzepte und Partner, die biobasierte Verfahren in die Praxis tragen.
ag