Biotechnologie-Markt wächst global stark
Der globale Biotechnologie-Markt soll bis 2034 auf rund 5,7 Billionen US-Dollar anwachsen. Ein neuer Marktreport zeigt, wo Investitionen fließen, welche Mikroorganismen als Zellfabriken die Industrie prägen und warum Deutschland beim Technologietransfer aufholen muss.
Die Biotechnologie gehört zu den am schnellsten wachsenden Branchen der Welt. Laut einem aktuellen Marktreport des Analyse- und Innovationsunternehmens StartUs Insights soll der globale Biotechnologie-Markt von rund 2,02 Billionen US-Dollar im Jahr 2026 auf etwa 5,71 Billionen US-Dollar bis 2034 anwachsen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von knapp 14 Prozent. Angetrieben wird dieser Boom von Fortschritten in der Medizin, der Landwirtschaft und der industriellen Produktion. Für die Bioökonomie ist vor allem Letzteres bedeutsam, weil Mikroorganismen, Pilze und Enzyme in diesem Bereich fossile Rohstoffe ersetzen.
Patente und Investitionen zeigen starkes Wachstumsmomentum
Die Innovations- und Investitionstätigkeit in der Biotechnologie hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Zwischen 2001 und 2020 entfielen laut Daten der Europäischen Kommission rund fünf Prozent aller weltweiten Patentanmeldungen auf die Biotechnologie. Mehr als 96 Prozent dieser Patente richteten sich auf industrielle oder medizinische Anwendungen. Die USA führen das globale Patentranking mit einem Anteil von 39 Prozent an, gefolgt von der Europäischen Union mit 18 Prozent und China mit 10 Prozent. China holt dabei spürbar auf und hat in absoluten Zahlen bereits über 85.600 Biotech-Patente erteilt. Bei den Investitionen ist der Trend ebenfalls positiv: Die Risikokapitalfinanzierung im Biotech-Sektor stieg laut GlobalData im dritten Quartal 2025 um rund 71 Prozent im Quartalsvergleich auf 3,1 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtwert von Fusionen und Übernahmen in der Pharma- und Biotech-Branche kletterte im gleichen Zeitraum um knapp 37 Prozent auf 43,2 Milliarden US-Dollar. Weltweit sind mehr als 19.000 Unternehmen im Bereich Biotechnologie aktiv, davon über 6.770 Start-ups. Die Branche beschäftigt nach Angaben des Reports mehr als 14,4 Millionen Menschen.
Mikroorganismen als Zellfabriken für die Bioökonomie
Ein zentrales Thema des Biotech-Wachstums ist die industrielle Biotechnologie. Bakterien, Hefen und Schimmelpilze werden als mikrobielle Zellfabriken eingesetzt, um aus nachwachsenden Rohstoffen Chemikalien, Enzyme, Aminosäuren, Biopolymere und Pharmazeutika herzustellen. Der Einsatz dieser Mikroorganismen ermöglicht es, klassische chemische Prozesse durch biologische zu ersetzen und so den Verbrauch fossiler Ressourcen zu senken. Der StartUs-Insights-Report beleuchtet auch konkrete Innovatoren, darunterauch Start-ups und Forschungsprojekte, die Biomasse, CO2 oder landwirtschaftliche Restströme als Ausgangsstoffe nutzen und daraus Wertstoffe gewinnen. In Deutschland steht die Branche vor der Herausforderung, exzellente Forschung schneller in industrielle Anwendungen zu überführen. Laut dem Branchenverband BIO Deutschland hinkt der Technologietransfer vom Labor in den Industriemaßstab hinter den gegebenen Möglichkeiten zurück. Dennoch sammelten deutsche Biotech-Unternehmen im Jahr 2025 insgesamt rund 1,8 Milliarden Euro an Kapital ein. Der globale Vergleich macht den Handlungsdruck sichtbar. US-Unternehmen warben in nur neun Monaten desselben Jahres über 14 Milliarden Euro ein.
ag