Biokunststoffverpackungen sparen Kohlendioxid, belasten aber Ökosysteme

Biokunststoffverpackungen sparen Kohlendioxid, belasten aber Ökosysteme

Eine neue Ökobilanz für Europa zeigt, dass biobasierte Kunststoffverpackungen Treibhausgase senken können. Gleichzeitig steigen Risiken für Ökosysteme durch Landnutzung. Reduktion und Recycling sind entscheidend.

Studie zu biobasierten Kuststoffen
Biobasierte Verpackungen können Emissionen senken, doch Landnutzung und Abfallmanagement entscheiden über die Gesamtbilanz.

Plastik trägt erheblich zu Treibhausgasemissionen und Biodiversitätsverlust bei, Verpackungen machen rund 40 Prozent der europäischen Kunststoffproduktion aus. In einem Report, der in Nature Communications veröffentlicht wurde, vergleichen Forschende fossile und biobasierte Verpackungskunststoffe in einer harmonisierten Ökobilanz, die Entsorgung und mögliche Einträge in die Umwelt mit berücksichtigt.

Weniger Treibhausgase, mehr Landnutzung

Im Mittel fällt der Klimafußabdruck biobasierter Verpackungen geringer aus. Die Nettoemissionen liegen bei 3,5 bis 5,5 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kilogramm Material, für fossile Kunststoffe bei 5 bis 9,5 Kilogramm. Der Vorteil hängt unter anderem mit der CO2-Aufnahme der Pflanzen im Anbau zusammen. Allerdings bleibt die Herstellung der Polymere ein großer Emissionsposten, bei Biokunststoffen etwa durch energieintensive Umwandlungsschritte von Biomasse zu Vorprodukten.

Dem Klimavorteil steht häufig ein Nachteil für Ökosysteme gegenüber. Die Belastung wird vor allem durch Landnutzung getrieben, etwa wenn Anbauflächen ausgedehnt oder Lebensräume umgewandelt werden. Wie stark die Effekte ausfallen, hängt von Rohstoffherkunft und Abfallmanagement ab. Werden biobasierte, aber in der Umwelt langlebige Kunststoffe falsch entsorgt, können Leckagen und Fragmentierung die Ökosystemschäden deutlich erhöhen. Kompostierbare Materialien helfen nur, wenn Sammlung und Behandlung dazu passen.

Was wirklich hilft

Für Europa modellierten die Forschenden außerdem Szenarien bis 2050. Das Ergebnis fällt eindeutig aus. Selbst eine vollständige Substitution fossiler Verpackungskunststoffe durch biobasierte Alternativen kann die Umweltbelastung nicht ausgleichen, wenn der Verpackungsverbrauch weiter wächst.

Wirksam sind vor allem Maßnahmen auf der Nachfrageseite und in der Kreislaufwirtschaft. Dazu gehören weniger unnötige Einwegverpackungen, mehr Wiederverwendung und höhere Recyclingquoten durch besseres Design, Sammlung und Sortierung. Für die Bioökonomie heißt das, dass Biomasse ihre Stärken am besten in Systemen ausspielt, die Materialeinsatz begrenzen und Rohstoffe möglichst lange im Kreislauf halten.

ag