Biokunststoff zieht ins Polster ein
Avantium und Heynen Systems testen PEF in einem Kissen-Prototyp für Matratzen und Polster. Die Anwendung zeigt, wie der biobasierte Kunststoff jenseits von Verpackungen erprobt wird.
Matratzen und Polster bestehen aus mehreren Materialschichten. Neben Schaumstoffen kommen technische Textilien zum Einsatz, die Reibung verringern, Bezüge schützen und die Verarbeitung erleichtern. Der niederländische Chemiekonzern Avantium und Heynen Systems wollen nun prüfen, ob sich dafür der biobasierte Kunststoff PEF nutzen lässt. Ein erster Kissen-Prototyp mit Avantiums PEF-Material releaf® wurden auf dem Interzum Forum Italy in Bergamo gezeigt werden.
PEF kommt aus pflanzlichen Zuckern
PEF steht für Polyethylenfuranoat. Der Kunststoff kann aus FDCA hergestellt werden, einem Baustein, den Avantium über seine YXY-Technologie aus pflanzlichen Zuckern gewinnt. Bislang wird PEF vor allem als mögliche Alternative zu PET in Flaschen, Folien und Verpackungen diskutiert. Die Kooperation mit Heynen Systems erweitert den Blick auf technische Textilien für Matratzen, Kissen, Polstermöbel und Fahrzeugsitze.
Heynen Systems entwickelt unter der Marke Tricover technische Strickwaren und automatisierte Anlagen, mit denen Schaumkerne in elastische Zwischenlagen eingebracht werden. Diese Schichten sollen Abrieb zwischen Komfortschaum und Außenbezug reduzieren und damit die Lebensdauer von Produkten verlängern. Im neuen Projekt geht es darum, ob releaf® in solchen automatisierten Prozessen technisch funktioniert und zugleich Nachhaltigkeitsziele unterstützt.
Der Praxistest steht noch aus
PEF rückt damit aus dem bekannten Verpackungsfeld in den Bereich langlebiger Konsumgüter. Aussagen zur Klimabilanz lassen sich aber aufgrund einer ausstehenden Lebenszyklusanalyse noch nicht treffen. Entscheidend bleiben daher Materialeinsatz, Haltbarkeit, Recyclingwege und industrielle Verarbeitung. Noch geht es um Erprobung und Kundengespräche, nicht um ein fertiges Massenprodukt.
ag