Bioethanol aus der Käserei?

Bioethanol aus der Käserei?

Forschende der Heriot-Watt University und Take Root Bio haben salzhaltige Molke aus der Käseproduktion zu Bioethanol verarbeitet. Der schwer nutzbare Nebenstrom soll so zum Rohstoff werden.

Käseproduktion Molke
Bei der Käseherstellung fällt Molke als flüssiger Nebenstrom an. Salzhaltige Molke lässt sich bislang nur schwer verwerten.

Bei der Käseherstellung bleibt nach dem Abtrennen des Käsebruchs Molke als flüssiger Nebenstrom zurück. Besonders schwer zu verwerten ist salzhaltige Molke aus der Produktion von Cheddar und ähnlichen Käsesorten. Sie enthält noch Milchzucker, lässt sich wegen ihres hohen Salzgehalts aber nur schwer weiterverwerten. Forschende der Heriot-Watt University in Edinburgh und das Unternehmen Take Root Bio haben nun gezeigt, dass sich die darin enthaltenen Zucker mit einem biobasierten Verfahren zu Bioethanol umwandeln lassen.

Nach Angaben der Universität entstehen allein in Großbritannien jährlich rund 95.000 Tonnen dieser salzigen Molke. Ein einzelner Molkereibetrieb kann demnach jede Woche Zehntausende Liter erzeugen. Behandlung und Entsorgung können entsprechend aufwendig und kostspielig sein. Das gemeinsame Projekt zielte deshalb darauf, den Nebenstrom nicht als Abfall, sondern als Rohstoff zu nutzen. Unterstützt wurde die Zusammenarbeit vom schottischen Industrial Biotechnology Innovation Centre (IBioIC).

Bioethanol direkt an der Molkerei

Bioethanol wird durch die Vergärung von Zuckern hergestellt. Im Projekt diente der Milchzucker aus der salzhaltigen Molke als Ausgangspunkt. Details zum eingesetzten Verfahren, zum Versuchsmaßstab oder zur erzielten Ethanolausbeute nennen die Projektpartner bislang nicht.

Take Root Bio prüft zudem, ob mobile Produktionsanlagen direkt in der Nähe von Molkereien eingesetzt werden könnten. Dadurch ließen sich Transporte des wasserreichen Nebenstroms reduzieren. Gemeinsam mit Heriot-Watt wollen die Beteiligten außerdem untersuchen, ob sich ähnliche Verfahren auf weitere Reststoffe aus der Lebensmittel- und Landwirtschaft übertragen lassen, etwa auf Rückstände aus der Obst- und Gemüseverarbeitung.

ag