Biobasierte Industrie braucht neue Finanzierungswege

Biobasierte Industrie braucht neue Finanzierungswege

Der Schritt von der Forschung in den Markt bleibt für viele biobasierte Innovationen in Europa schwierig. Ein neuer Report der Europäischen Investitionsbank benennt die wichtigsten Ursachen dafür.

Die Anlage zur Herstellung von Bio-Isobuten in Leuna steht für eine biobasierte Industrie im Aufbau. Der aktuelle EIB-Report zeigt, wie wichtig Investitionen in genau solche ersten Großanlagen für Europa sind.

Biobasierte Materialien, Futtermittelzutaten oder Düngerzusätze scheitern in Europa oft nicht an der Idee, sondern am teuren Weg zur ersten großen Anlage. Genau diesen Engpass beschreibt ein Bericht der Europäischen Investitionsbank (EIB). Die Studie wurde für die Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission im Rahmen des InvestEU Advisory Hub erstellt. Im Fokus stehen biobasierte Materialien und Chemikalien, innovative Lebensmittel- und Futtermittelzutaten sowie biobasierte Bodenhilfsstoffe.

Der Engpass liegt zwischen Pilotanlage und Markt

Der Bericht zeichnet ein widersprüchliches Bild. Europa gilt bei Forschung und Fachkräften als stark. Zugleich bremsen zersplitterte Regeln, langsame Genehmigungen und fehlende Marktanreize den Schritt in die industrielle Praxis. Besonders kritisch sind laut Report zwei Übergänge. Erstens der Sprung von der Pilotanlage zur Demonstrationsanlage. Zweitens der Schritt von dort zur ersten kommerziellen Anlage. Genau in diesen Phasen wird der Kapitalbedarf groß, während Abnehmer, Banken und Investoren oft noch zögern. Hinzu kommt, dass viele biobasierte Produkte teurer sind als fossile Alternativen. Wenn verlässliche Abnahmeverträge fehlen, werden Projekte für Kapitalgeber schnell zu riskant. In den Befragungen des Reports nannten rund zwei Drittel der Investoren und vier Fünftel der Branchenvertreter solche Verträge als größte Hürde für die Finanzierbarkeit.

Was erfolgreiche Skalierung auszeichnet

Besonders aufschlussreich sind die Regionalvergleiche. Im französischen Grand Est verweist der Bericht auf ein dichtes Netz aus Forschung, Unternehmen und gemeinsam nutzbaren Pilot- und Demonstrationsanlagen. Bayern zeigt dagegen, dass selbst ein gutes Forschungsumfeld und Start-up-Förderung nicht ausreichen, wenn starke Industriepartner und tragfähige Skalierungsstrukturen fehlen. Aus diesen Befunden leitet die EIB acht Empfehlungen ab. Dazu gehören eine dauerhafte Finanzierungsgruppe für große Bioökonomie-Projekte, ein europäisches Boosterprogramm nach Vorbildern wie Frankreichs Première Usine sowie mehr Venture Debt und besserer Zugang zu Mehrzweck-Pilotanlagen. Der Weg aus dem Labor in die Produktion braucht demnach nicht nur neue Technologien, sondern ebenso verlässliche Finanzierung, klare Regulierung und Märkte, die biobasierte Produkte aufnehmen.

ag