BASF bringt Kunststoff mit Biomassebilanz auf den Markt

BASF bringt Kunststoff mit Biomassebilanz auf den Markt

BASF bringt mit Ultrason P 3010 BMB ein Polyphenylsulfon (PPSU) auf den Markt, bei dessen Herstellung fossile Rohstoffe teilweise durch nachwachsende ersetzt werden. Der Hochleistungskunststoff soll ohne neue Werkzeuge oder erneute Materialfreigaben einsetzbar sein.

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Das neue Polyphenylsulfon (PPSU) von BASF soll biogene Reststoffe über einen zertifizierten Bilanzansatz in sensible Anwendungen wie Trinkwassertechnik, Medizintechnik oder Babyprodukte bringen.

Hochleistungskunststoffe stecken in Trinkwasserbauteilen, Babyflaschen, Medizingeräten oder Komponenten für Elektrolyseure. Gerade in solchen Anwendungen sind Materialeigenschaften, Zulassungen und Prozesssicherheit entscheidend. BASF erweitert nun sein Kunststoff-Portfolio um Ultrason P 3010 BMB, ein Polyphenylsulfon, kurz PPSU, dem über einen zertifizierten Bilanzansatz ein biogener Rohstoffanteil zugerechnet wird. Laut Unternehmen liegt dieser Anteil bei 20 Prozent.

Biogene Reststoffe werden rechnerisch zugeordnet

Das Neue an dem Material liegt nicht in einer veränderten Polymerchemie, sondern in der Rohstoffbasis. BASF setzt schon zu Beginn der Herstellung teilweise erneuerbare Rohstoffe aus organischen Abfällen und Restbiomasse anstelle fossiler Einsatzstoffe ein. Ein zertifiziertes Bilanzierungsverfahren rechnet diesen Anteil dem daraus hergestellten PPSU zu. BASF verweist außerdem auf den Einsatz von 100 Prozent Grünstrom in der Produktion in Ludwigshafen. Für Verarbeiter soll das Material ein direkter Ersatz sein. Nach Angaben des Unternehmens ist Ultrason P 3010 BMB chemisch identisch mit der Standardtype, lässt sich mit denselben Parametern verarbeiten und behält den Zertifizierungsstatus für sensible Anwendungen wie Trinkwasserkontakt, Babyflaschen oder Medizinprodukte.

Pragmatischer Schritt für anspruchsvolle Anwendungen

Für die Bioökonomie ist das vor allem deshalb interessant, weil BASF den Ansatz in einem Segment ausweitet, in dem ein Materialwechsel besonders schwierig ist. Ultrason-Werkstoffe werden für beanspruchte Bauteile eingesetzt, weil sie auch bei hohen Temperaturen formstabil bleiben und chemisch widerstandsfähig sind. Die Produktfamilie kommt unter anderem in Filtrationsmembranen, Sanitär- und Wasserbauteilen, in der Medizintechnik und in Komponenten für die Wasserstofferzeugung zum Einsatz. Für Hersteller, die den fossilen Rohstoffanteil senken wollen, ohne Werkzeuge, Prüfprozesse und Zulassungen neu aufzusetzen, ist dieser Drop-in-Ansatz der eigentliche Reiz. Er zeigt, wie Bioökonomie in etablierten Chemie- und Kunststoffketten oft praktisch umgesetzt wird.

ag