Automatisierte Insektenmast startet in Bayern

Automatisierte Insektenmast startet in Bayern

In Bayern ist die erste vollautomatisierte Anlage zur Mast von Larven der Schwarzen Soldatenfliege in Betrieb. Sie soll Nebenprodukte aus der Lebensmittelwirtschaft in regionales Schweinefutter und Dünger verwandeln.

Insektenmastanlage
Larven der Schwarzen Soldatenfliege gelten als aussichtsreiche Proteinquelle für die Tierfütterung. In Bayern wird ihre Mast nun erstmals vollautomatisiert direkt auf einem Hof umgesetzt.

Proteinfutter für Schweine stammt oft aus langen Lieferketten und basiert nicht selten auf importiertem Soja oder Fischmehl. In Bayern wird nun ein anderer Weg erprobt. Gemeinsam mit dem Unternehmen LIVIN farms hat der Betrieb Spitzöderhof in Spitzöd nach Unternehmensangaben die erste vollautomatisierte Anlage Deutschlands zur Mast von Insektenlarven in Betrieb genommen.

Larvenproduktion direkt auf dem Hof

Zum Einsatz kommen dabei die Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Die Anlage soll zunächst bis zu 1.000 Tonnen Lebendlarven pro Jahr erzeugen. Später ist laut Pressemitteilung ein Ausbau auf bis zu 3.000 Tonnen geplant. Genutzt werden sollen Nebenprodukte aus der Lebensmittel- und Futtermittelherstellung, die die Larven in protein- und fettreiche Biomasse sowie frischen Dünger umwandeln. Herzstück des Systems sind drei robotische Einheiten, die Junglarven dosieren, Aufzuchtbehälter bewegen und Ernteprozesse automatisieren. Ein patentiertes Verpackungssystem soll die jungen Larven zudem bis zu zehn Tage transportfähig halten. Das Ziel ist, die Produktion planbarer zu machen und näher an den landwirtschaftlichen Alltag zu rücken.

Weniger Verarbeitung, mehr Kreislaufwirtschaft

Besonders neu ist das Nutzungskonzept. Die Larven sollen nicht zuerst getrocknet und zu Mehl verarbeitet werden, sondern lebend an Schweine verfüttert werden. Das spart nach Angaben des Unternehmens energieintensive Prozessschritte. LIVIN farms berichtet außerdem von positiveren Effekten im Stall, etwa vitaleren Tieren und weniger Schwanzbeißen. Unabhängige Versuchsdaten nennt die Pressemitteilung dafür allerdings nicht. Klar ist jedoch, dass die Schwarze Soldatenfliege in der Bioökonomie seit Jahren als interessante Proteinquelle gilt, weil ihre Larven organische Nebenströme in Futter, Fett und Dünger überführen können. Die bayerische Anlage ist laut Unternehmen die erste von rund zehn geplanten Anlagen in einer regionalen Erzeugergemeinschaft und Teil eines europäischen Netzwerks, das bereits 100.000 Tonnen Nebenprodukte pro Jahr verwertet. Ob sich das Modell breit durchsetzt, wird nun daran hängen, wie robust die Technik im Stall läuft und ob die regionale Insektenproduktion wirtschaftlich mit herkömmlichen Futtermitteln konkurrieren kann.

ag