Aus Schlacht- und Fischereiabfällen werden aktive Verpackungen

Aus Schlacht- und Fischereiabfällen werden aktive Verpackungen

Ein Übersichtsartikel fasst zusammen, wie Kollagen, Gelatine und Chitosan aus Nebenströmen der Fleisch- und Fischverarbeitung für bioaktive Verpackungen genutzt werden können. Noch bremsen Kosten, Regulierung und Barriereeigenschaften.

Fleisch- und Fischverarbeitung erzeugen Nebenströme, aus denen sich Biopolymere wie Kollagen, Gelatine oder Chitosan gewinnen lassen. Ein Review ordnet ihr Potenzial für aktive Lebensmittelverpackungen ein.
Fleisch- und Fischverarbeitung erzeugen Nebenströme, aus denen sich Biopolymere wie Kollagen, Gelatine oder Chitosan gewinnen lassen. Ein Übersichtsartikel ordnet ihr Potenzial für aktive Lebensmittelverpackungen ein.

Bei der Verarbeitung von Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten bleiben große Nebenströme zurück: Häute, Knochen, Gräten, Schalen oder Innereien. Sie sind oft ein Entsorgungsproblem, enthalten aber Stoffe, die für Verpackungen interessant sind. Ein internationales Team hat im Fachjournal Frontiers in Sustainable Food Systems in einem Übersichtsartikel zusammengetragen, wie sich solche Reststoffe zu biobasierten Verpackungsmaterialien aufwerten lassen. Im Mittelpunkt stehen Folien und Beschichtungen, die Lebensmittel nicht nur abdecken, sondern aktiv zu Haltbarkeit und Qualität beitragen könnten.

Bausteine aus Restströmen

Die wichtigsten Bausteine sind Proteine wie Kollagen und Gelatine sowie Chitin aus den Schalen von Krebstieren, das zu Chitosan verarbeitet wird. Chitosan kann Filme bilden und wirkt gegen viele Bakterien, Hefen und Schimmelpilze. Gelatine und Kollagen aus Tier- und Fischhäuten und Knochen eignen sich als Trägermaterialien für natürliche Wirkstoffe. Solche Stoffe können in dünne Filme, essbare Beschichtungen oder mehrschichtige Verpackungen eingebaut werden. Damit rücken Nebenströme in den Blick, die bisher häufig nur mit geringer Wertschöpfung genutzt oder entsorgt werden.

Neben klassischen säure- und laugenbasierten Verfahren beschreiben die Autorinnen und Autoren auch schonendere Methoden wie Enzyme, Ultraschall, Mikrowellen, gepulste elektrische Felder oder natürliche tief eutektische Lösungsmittel. Gemeint sind spezielle Lösungsmittelmischungen, mit denen sich Inhaltsstoffe teils milder herauslösen lassen. Diese Verfahren können Ausbeute und Qualität verbessern und den Einsatz problematischer Chemikalien verringern. Für die Praxis sind sie aber nicht automatisch die bessere Lösung, da Kosten, Energiebedarf und schwankende Rohstoffqualitäten mitbewertet werden müssen.

Verpackungen mit Zusatzfunktion

Der Nutzen liegt nicht nur im Ersatz fossiler Kunststoffe. Als aktive Verpackungen können solche Filme antimikrobielle oder antioxidative Stoffe aufnehmen. In Studien wurden Chitosan- oder Gelatine-Filme zum Beispiel mit Pflanzenextrakten, ätherischen Ölen oder anderen bioaktiven Verbindungen kombiniert. Je nach Rezeptur und Lebensmittel ließ sich die Haltbarkeit von Fleisch, Geflügel, Fisch oder Obst verlängern.

Für eine breite Anwendung müssen die Materialien noch verlässlicher werden. Biopolymere aus Fleisch- und Meeresfrüchteabfällen sind oft empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit als konventionelle Kunststoffe. Auch die Stabilität der zugesetzten Wirkstoffe, Zulassungsfragen, Verbraucherakzeptanz und eine tatsächlich funktionierende Entsorgung bleiben offen. Biologisch abbaubar heißt nicht automatisch, dass jede Verpackung unter allen Bedingungen problemlos zerfällt. Für die Bioökonomie ist der Ansatz dennoch relevant, denn er verbindet Reststoffnutzung, Materialentwicklung und Lebensmittelhaltbarkeit in einer Wertschöpfungskette.

ag