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22.02.2019

Moorbakterien bremsen Methanbildung

Eine seltene Bakterienart konkurriert mit Methan bildenden Archaeen und verlangsamt so die Klimaerwärmung – wie eine Studie von Forschern aus Braunschweig und Wien zeigt.

In Mooren konkurriert eine seltene Bakterienart mit Archaeen und bremst so den Methanausstoß der Feuchtgebiete.
In Mooren konkurriert eine seltene Bakterienart mit Archaeen und bremst so den Methanausstoß der Feuchtgebiete.
Quelle: 
herbert2512/Pixabay; CC0

Moore stehen in dem Ruf, Methan abzusondern und so das Klima zu erwärmen. Gebildet wird das Methan vor allem durch eine besonders alte Gruppe von Mikroorganismen, den Archaeen. Schon vor acht Jahren berichteten niederländische Forscher allerdings, dass die Moore wohl weniger zum Klimawandel beitragen, als bislang befürchtet: Bestimmte Bakterien verwerten das Methan direkt wieder und verarbeiten es zu Stoffwechselprodukten, die dann von Moosen aufgenommen und in ihre Biomasse eingebaut werden. Jetzt haben Wissenschaftler der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig und der Universität Wien eine weitere Bakterienart entdeckt, die die Methanemissionen der Moore verringert.

Wettstreit um Nährstoffe

Die seltene Bakterienart Candidatus Desulfosporosinus infrequens setzt Sulfat zu Sulfid um, um so Energie zu gewinnen. Dabei konkurriert sie mit den Methan bildenden Archaeen um die gleichen Nährstoffe. Auf diese Weise verringern die Bakterien die Aktivität und Fortpflanzung der Archaeen, die sonst noch mehr Methan produzieren würden.

Deutliche Wirkung trotz geringer Anzahl

Im Fachjournal „mBio“ berichten die Mikrobiologen von weiteren Untersuchungen des bakteriellen Genoms und Transkriptoms. Darüber hinaus konnten sie demonstrieren, dass die seltenen Bakterien trotz ihrer geringen Anzahl tatsächlich die Methanbildung in Mooren beschränken. Auch dafür, dass die Bakterien so selten bleiben, fanden die Forscher eine mögliche Erklärung: Um mit den sauren pH-Bedingungen im Moor zurecht zu kommen, müssen die Mikroorganismen viel Energie für ihren eigenen Erhalt aufwenden und können weniger Energie ins Wachstum investieren. In 50 Beobachtungstagen maßen die Mikrobiologen praktisch keine Zunahme der Zelldichte. Auch seltene Bakterienarten mit Null-Wachstum können demnach wichtige ökologische Effekte haben, wenn sie, wie in diesem Fall, einen sehr aktiven Stoffwechsel besitzen, so das Fazit der Studie.

bl

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