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05.07.2019

Fashiontrend Nachhaltigkeit

Die internationale Modemesse Neonyt präsentierte im Rahmen der Berlin Fashion Week nachhaltige Mode.

Das Bundesministerium für Entwicklung schafft mit dem Grünen Knopf ein Siegel für nachhaltige Mode. Unterstützt wird es dabei von Model Babara Meier.
Quelle: 
Messe Frankfurt GmbH/Patrice Brylla

Bisher fällt die Modeindustrie nicht sonderlich durch ökologisches Wirtschaften auf. Laut UN ist sie für 10% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich und verursacht 20% des globalen Abwassers. Die Textilfärberei ist weltweit der zweitgrößte Verschmutzer von Wasser. In einem grundsätzlichen Widerspruch zur Nachhaltigkeit steht auch der ständige Wechsel von Trends durch saisonal erscheinende Kollektionen, die den Kunden dazu verleiten, neue Kleidung zu kaufen, obwohl dafür keine Notwendigkeit besteht.

Dennoch gibt es eine stetig wachsende Community von Modemachern und Verbrauchern, die bei der Wahl ihrer Kleidung auf Nachhaltigkeit setzen. Vom 2. bis 4. Juli trafen sie sich auf der Modemesse Neonyt in Berlin. Das angestaubte Öko-Image vergangener Zeiten hat die nachhaltige Mode längst hinter sich gelassen. Sie präsentiert sich auf der Neonyt urban und hip. 170 internationale Aussteller zeigten im industriellen Ambiente des ehemaligen Heizkraftwerks Berlin-Mitte die aktuelle Modetrends. Die Fashionlabels setzten bei der Wahl der Stoffe vor allem auf recycelte Materialien, Biobaumwolle und Lyocell, eine aus Eukalyptusholz industriell gefertigte Faser der österreichischen Lenzing AG.

Tasche aus Äpfeln, Schuhe aus Ochsenblut

Rosen, Äpfel, Bananen und Ochsenblut – einige Marken fallen durch die Verarbeitung ausgefallener Materialien besonders auf. In den Blusen des Modelabels „like a bird“ aus Löhne (Ostwestfalen) werden Viskosefasern aus Rosenblättern eingearbeitet. Das Material Appleskin besteht zur Hälfte aus Apfelresten und wird von der Isernhagener Taschenmarke NUUWAÏ UG zu veganen Handtaschen verarbeitet. Der spanische Schuhhersteller Indianes nutzt für das Obermaterial seiner Banana Collection Fasern des Bananenbaums. Mit besonders viel Kreativität sticht das Familienunternehmen K&T Handels- und Unternehmensberatung GmbH aus Garching bei München hervor. In der Schuhkollektion nat-2 werden Sneaker mit Gras, Moos, Rosenblättern, Cannabis oder Kaffee dekoriert. Ein besonderer Hingucker: ein Schuh mit Ochsenblut. Für diesen Einfallsreichtum wurde nat-2 bereits mit dem Titel Kreativpiloten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ausgezeichnet.

Quelle: 
BIOCOM/ih

In der Schuhkollektion nat-2 werden Sneaker mit Gras, Moos, Rosenblättern, Cannabis, Kaffee und Ochsenblut dekoriert.

Mikrofabriken für On-Demand-Produktion

Nicht nur durch die Wahl der Materialien kann Mode an Nachhaltigkeit gewinnen. Auch die Produktionsprozesse haben einen Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck. Einen visionären Ansatz präsentierte die Neonyt im oberen Stockwerk des Kraftwerks in einer sogenannten Microfactory. In den kleinen Fabriken der Zukunft wird die Kleidung individuell am Computer entworfen. Anschließend entstehen digitale Schnittmuster, die maschinell auf Stoff gedruckt und zugeschnitten und im letzten Schritt per Hand vernäht werden. Die On-Demand-Produktion ist individuell auf den Kunden zugeschnitten und direkt am Bedarf ausgerichtet. So werden Überschüsse in der Produktion vermieden. Ein weiterer Pluspunkt: durch die lokale Fertigung sind globale Transportwege unnötig.

Grüner Knopf besiegelt Nachhaltigkeit

Doch wie ist es möglich als Verbraucher beim Einkaufen in den Geschäften und beim Onlinehändler nachzuvollziehen, welche Kleidung umwelt- und sozialverträglich produziert wird? Die GOTS-Zertifizierung des Global Organic Textile Standard ist in der nachhaltigen Modewelt weit verbreitet. Nun möchte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem Grünen Knopf ein staatliches Siegel schaffen, das soziale und ökologische Kriterien verbindet und Verbrauchern eine Orientierung beim Einkauf gibt.

Nachhaltige Mode für den Massenmarkt

Im Rahmenprogramm der Neonyt diskutierten zudem zahlreiche Experten und Akteure der Modebranche in Vorträgen und Diskussionsrunden, wie Nachhaltigkeit und Mode miteinander vereinbar sind. Ein Fokus waren dabei umsatzrelevante Handelsthemen. So diskutierten Kerry Bannigan, Vertreterin der UN-Initiative Conscious Fashion Campaign gemeinsam mit Daniel Terberger vom Modedienstleister Katag AG und Bernd Keller, Gründer des Labels True Standard, die Frage, wie nachhaltige Mode im Massenmarkt ankommen kann. Keller sieht die Entwicklungen optimistisch: „Fashion ist ein Spiegel des Zeitgeists. Wenn der Zeitgeist sich ändert, dann ändert sich auch die Mode. Nachhaltigkeit gehört heute zum Zeitgeist – und der wird die Einstellung der Konsumenten ändern.“ Daniel Terberger machte auf die paradoxe Situation der Branche aufmerksam: „Das Nachhaltigste ist es, keine neuen Textilien zu kaufen. Aber das kann natürlich nicht im Sinne der Modeindustrie sein.“

Nach der Einschätzung von Kerry Bannigan werden die Leute auch in Zukunft nicht aufhören, shoppen zu gehen. Sie gab sich aber davon überzeugt, dass man Einfluss darauf nehmen kann, was sie kaufen. Mit der UN-Initiative „Conscious Fashion Campaign“ sollen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen in der Modeindustrie gestärkt werden. Zu den UN-Nachhaltigkeitszielen gehört beispielsweise der Schutz von marinen und terrestrischen Ökosystemen und die Sicherstellung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster. Im Panel „Sustainable development goals and fashion“ lotete Bannigan gemeinsam mit Modemachern aus, wie man die Ziele in der Modeindustrie verankern könnte. Andrea Bury, Moderatorin der Session, sieht in der Strahlkraft der Mode eine Chance: „Mode ist ein glamouröses und cooles Umfeld, um den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN eine Plattform zu geben. Wenn man mit Mode Aufmerksamkeit für die Ziele erreichen kann, ist das großartig“.

 ih

 

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