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13.09.2017

Bioabfälle kühlen Lebensmittel

Fraunhofer-Forscher entwickeln eine Bio-Kälte-Anlage, die Abfälle aus Fischerei und Landwirtschaft zur Kühlung von Lebensmitteln nutzt. Die Demonstrationsanlage soll in Indien entstehen.

Kühlung der Fische und Meeresfrüchte im indischen Fischerdorf bei Guhagar auf herkömmliche Weise.
Bisher können Fische und Meeresfrüchte, wie hier in einem indischen Fischerdorf bei Guhagar, oft nur unzureichend gekühlt werden.
Quelle: 
Fraunhofer UMSICHT/Michael Joemann

Milch-, Fleisch- oder Fischwaren werden ungenießbar, wenn sie nicht kühl gelagert werden. In den warmen Entwicklungs- und Schwellenländern gehört dies aber zum Alltag. Ein Drittel der Lebensmittel verderben dort, weil es an Transport, Lager- und Kühlmöglichkeiten mangelt. Hinzu kommt, dass die verdorbene Ware nicht richtig entsorgt wird, was wiederum hygienische und gesundheitliche Probleme nach sich zieht.

Kälte aus biogenen Abfällen erzeugen

Forscher vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT haben für die drängenden Probleme der Lebensmittelkühlung und Abfallentsorgung nun eine effiziente Lösung gefunden. Sie entwickelten für Partner in Indien eine „Bio-Kälte-Anlage“, die Reststoffe aus Fischverarbeitung und Landwirtschaft nutzt, um damit Kälte zur Kühlung von Lebensmitteln zu erzeugen. „Die Idee zur Bio-Kälte-Anlage entstand im Rahmen eines Fraunhofer-Ideenwettbewerbs 2015. Mithilfe einer Anschubfinanzierung konnten wir schließlich das technische Konzept für die Anlage ausarbeiten“, erzählt Clemens Pollerberg, der gemeinsam mit Michael Joemann das Projekt „BioKälte“ bei Fraunhofer UMSICHT betreut.

Mobile Kühlcontainer

Die im Projekt entwickelte Anlage besteht aus Fermenter, Gasbrenner, Absorptionskältemaschine und Rückkühlwerk, die zusammen mit dem Lagerraum für Lebensmittel in zwei mobilen etwa 12 Meter großen Containern untergebracht sind. Abhängig von der Zusammensetzung der Biomasse kann die Bio-Kälte-Anlage zwischen drei und fünf Tonnen Bioabfälle pro Tag verarbeiten. Ein entscheidender Vorteil: Das System funktioniert auch ohne Stromnetz. Es kann mit Solarpanelen und Wärme-Kopplungsanlagen kombiniert und somit überall aufgestellt werden. Außerdem können die bei der Fermentation anfallenden Reststoffe zu Düngemitteln für die Landwirtschaft weiterverarbeitet werden.

Demonstrationsanlage in Indien

Seit April 2017 laufen bereits die Vorbereitungen zum Bau einer Demonstrationsanlage in Indien. „Derzeit planen wir mit unseren Industriepartnern den Bau der wichtigsten Anlagenkomponenten – also die Entwicklung eines Fermenters in Containerbauweise zur Nutzung verschiedener Biomassen, sowie die Entwicklung einer Absorptionskältemaschine für die spezifischen Rahmenbedingungen in Indien“, erklärt Pollerberg. Dafür stehen den Forschern und ihren indischen Partnern im Rahmen eines weiterführenden Projektes, dem sogenannten „BIGASTORE“, 325.000 Euro zur Verfügung. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen der Strategie der Bundesregierung zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung – Richtlinie zur Förderung der Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit in Indien. Bau, Installation und Inbetriebnahme der Demonstrationsanlage werden durch die indischen Partner umgesetzt. Wo genau die Bio-Kälte-Anlage gebaut werden soll, wollen die Fraunhofer-Forscher Ende des Jahres gemeinsam mit ihren indischen Partnern bei einem Treffen vor Ort entscheiden.

bb

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