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17.04.2020

Nachhaltig mobil mit dem Bambulator

Mit dem Bambulator hat ein Eberswalder Forscherteam einen Rollator mit einem Rahmen aus Bambus entwickelt und das Gefährt auf seine Eignung im Alltag getestet. 

Bambus und biobasierte Kunststoffteile: Der Bambulator wird zu einem großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt.
Quelle: 
Marcus Leonard

Rollatoren haben in der Gesellschaft oftmals den Ruf, ein Zeichen von Alter und Gebrechlichkeit zu sein. Die fahrbare Gehhilfe ist allerdings aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken und ermöglicht ein stückweit den Erhalt von Mobilität und Lebensqualität. Die meisten Modelle werden bisher aus einem Aluminium- oder Carbonrahmen, hergestellt. Ein Projekt der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) unternimmt mit dem Bambulator den Versuch, dem wachsenden Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeitsgedanken der Anwender nachzukommen und dabei den Ansprüchen der Bioökonomie gerecht zu werden.

Erfolgreich beim Ideenwettbewerb

Ideengeber für den Bambulator war Marcus Leonard, der Inhaber von mobilfreu.de. Bei seiner täglichen Arbeit mit Mobilitätshilfen fiel ihm auf, dass sich die meisten Modelle grundsätzlich ähneln. Beeindruckt von dem in 2015 an der HNEE abgeschlossenen Kooperationsprojekt zum Holz-E-Bike, stellte Leonard die Idee eines Rollators aus nachwachsenden Rohstoffen der dort ansässigen Arbeitsgruppe Chemie und Physik des Holzes um Alexander Pfriem vor. Die von der Arbeitsgruppe betriebene Forschung hat zum Ziel, die Einsatzgebiete von Holz zu erweitern, die Nutzungsdauer der Produkte zu verlängern und insgesamt weniger Ressourcen für dieselbe Anwendung zu verwenden.

Im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Neue Produkte für die Bioökonomie“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) konnte das Vorhaben 2016 in eine einjährige Sondierungsphase gehen, der 2017 eine zweijährige Machbarkeitsphase folgte. In diesem Zeitraum wurde das Projektkonsortium, bestehend aus der HNEE-Projektgruppe sowie den Industriepartnern Rülke Holztechnik GmbH und Steinel Metall + Kunststoff Systeme GmbH, mit insgesamt rund 570.000 Euro durch das BMBF gefördert.

Projektleiter Prof. Dr. Alexander Pfriem (li.) und sein Team der HNEE Anja Kampe und Moritz Sanne mit einem Bambulator.
Quelle: 
HNEE

Das Bambulator-Team: Projektleiter Alexander Pfriem (links) mit Anja Kampe und Moritz Sanne.

Bambus-Rahmen auf dem Prüfstand

In der Sondierungsphase wurde zunächst die Eignung von Bambus als schnell nachwachsender Rohstoff für das Grundgerüst des Bambulators analysiert und beurteilt. Das Ergebnis: Die angenehme Haptik, die Stabilität und die durch den hohlen Halm gegebene Leichtigkeit machen Bambus zur idealen Alternative für den Einsatz bei der Herstellung des Rollators. Die Verbindungselemente, die der größten Beanspruchung ausgesetzt sind, stellten eine materialtechnische Herausforderung dar, die schließlich durch den Einsatz von biobasierten Kunststoffen gelöst wurde. Die Ansprüche der Bioökonomie, wie etwa nachhaltig zu produzieren und Ressourcen zu schonen, sind durch diesen Herstellungsprozess umfassend erfüllt.

Kleinserie in Planung 

Die Machbarkeitsphase wurde im September 2019 beendet. In dieser Zeit ist ein Konzept entstanden, um den Rollator auf Basis nachwachsender Rohstoffe zu fertigen. Das Bambulator-Konzept wurde bereits auf mehreren Messen vorgestellt und hat stets positive Resonanz erfahren. Da es bisher kein vergleichbares Produkt auf dem Markt gibt, wollen die Firmen eine Kleinserie produzieren und die benötigten Prüfzertifikate einholen, um langfristig die Markeinführung des Bambulators vorzunehmen.

Durch die Förderung im Rahmen des Ideenwettbewerbs ist das Ziel, den Bambulator bis zur Marktreife zu entwickeln, damit in greifbare Nähe gerückt. Darüber hinaus konnten die Projektpartner nicht nur wertvolle Erfahrungen sammeln, sondern schmieden schon jetzt Pläne für die weitere Zukunft. „Die Zusammenarbeit mit der HNEE war sehr konstruktiv, zielführend und geprägt von hoher Motivation“, sagt der Inhaber eines der Partnerunternehmen, Björn Rülke. „So konnte jeder Projektpartner sein technologisches Know-how weiterentwickeln und aufbauen. Im Ergebnis haben wir uns entschieden, weitere Kooperationsprojekte zu planen und zeitnah durchzuführen.“

Autor: Simon Schöbinger

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